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Klimakrise

Klimaschutz zu fordern, ist kein Verbrechen

Woche für Woche kleben sich einige wenige Menschen in den österreichischen Hauptstädten auf die Straße und legen damit kurzzeitig den Autoverkehr lahm. Sie fordern die Politik auf, angesichts der Klimakrise endlich zu handeln. Die Form des Protests stößt nicht nur auf Unterstützung. Aber ist Klimaschutz zu fordern ein Verbrechen?

„Ich würd die einfach überfahren“ – schreibt ein User unter einem Bericht über die Klimaproteste der letzten Generation. Von anderen gibt es Solidarität: „Danke, dass ihr für uns auf die Straße geht.“

Nirgends spürt man die Polarisierung der Bevölkerung in Bezug auf die Klimaproteste so stark wie auf Social Media. Die Wogen gehen auf beiden Seiten hoch – gegenseitiges Verständnis sucht man vergeblich.

Diese Spaltung der Gesellschaft kommt aber nicht etwa von den Forderungen der Letzten Generation. Denn diese sind fast schon banal: Die Regierung soll sich an ihre eigenen Versprechungen halten und Klimaschutz endlich ernst nehmen.

Nein, die Form des Protests ist das Problem. Viele sagen, die Letzte Generation sei radikal, wenn nicht sogar kriminell. Rechtsradikale und rechtskonservative Politiker:innen trommeln in ihrem Kulturkampf seit Monaten, dass die Aktivist:innen irgendwas zwischen Kriminelle und Terrorist:innen seien. In Deutschland wurden kürzlich Razzien durchgeführt, der Vorwurf: Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Staatsanwaltschaft in Berlin wollte Klimaaktivist:innen im Schnellverfahren abhandeln (und ist damit vor Gericht vorerst gescheitert).

Man sieht einen Verkehrskreuzung, mit verschiedenen Autos. Im Vordergrund sitzen zwei Aktivist:innen der Letzten Generation mit orangen Warnwesten am Boden auf einem Zebrastreifen und schauen direkt in die Kamera. Vor ihnen liegt ein schwarzes Banner mit grüner, gelber und weißer Schrift. Vor ihnen stehen mehrere Polizist:innen mit dem Rücken zur Kamera. Weiter im Hintergrund sitzen andere Aktivist:innen ebenfalls auf einem Zebrastreifen, hinter ihnen stehen weitere Polizist:innen und ein großes Polizeiauto

Credit: Letzte Generation

Aber wie radikal ist diese Form des Protests wirklich? Staus verursachen, Gemälde in Museen beschmieren, Brunnen grün einfärben. Der Schaden an der Gesellschaft hält sich in Grenzen. Denn Staus gibt es ständig, die Gemälde wurden nicht beschädigt und das Wasser in den Brunnen war nach kurzer Zeit wieder sauber.

Also kann es in Wirklichkeit nicht um Radikalität gehen.

Worum es wirklich geht: Die Proteste der Letzten Generation sind unbequem. Und kurz gesagt: sie nerven. Das wissen auch die Aktivist:innen. Und genau deshalb finden die Proteste in dieser Form statt. Ohne die Unbequemlichkeit, ohne dass die Aktivist:innen uns allen – blöd gesagt – am Arsch gehen, werden weder Politik noch Bevölkerung aus der Bequemlichkeit der letzten Jahrzehnte aufwachen.

Jahrelang wurde „friedlich“ für Klimaschutz protestiert. Es gab Demonstrationen, Petitionen, sogar einen Klimarat aus Bürger:innen, der unserer Politik eine lange Liste an Maßnahmen vorgelegt hat. Aber was wurde davon umgesetzt? So gut wie gar nichts.

In Österreich fehlt weiterhin ein Klimaschutzgesetz, die ÖVP stellt sich bei so gut wie allen Klimaschutz-Bestrebungen der Grünen quer und auch der Umstieg auf erneuerbare Energiequellen passiert nur mehr als schleppend.

Man sieht mehrere Aktivist:innen der Letzten Generation, die an einer Verkehrskreuzung am Boden sitzen und orange Warnwesten tragen. Eine Aktivistin mit blonden, geflochtenen Zöpfen blickt direkt in die Kamera und hält ein Pappschild mit der Aufschrift "Die Lösungen liegen auf dem Tisch!" und einer Karl Nehammer Karikatur. Im Hintergrund sieht man mehrere Passant:innen und Häuser und einen blauen, bewölkten Himmel.

Credit: Letzte Generation

In einer perfekten Welt wären Klimaproteste nicht notwendig. Die verantwortlichen Politiker:innen würden die Dringlichkeit der Klimakrise selbst erkennen. Wir alle würden eine lebenswerte Zukunft über unsere eigene Bequemlichkeit stellen.

Da wir aber nicht in einer perfekten Welt leben, braucht es die „nervigen“ Aktionen der Letzten Generation.

Seit Monaten wird in den Massenmedien durchgehend über die Klimakrise berichtet. „Tempo 100“ ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und die Klimakrise erfährt endlich die Emotionalisierung, die in Österreich in den letzten Jahren gefehlt hat. Das haben wir den “lästigen” Klima-Aktivist:innen zu verdanken.

Denn so unbequem die Aktionen der Letzten Generation auch sind, die Klimakrise wird noch sehr viel unbequemer werden.

Die Regierungen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene wären in der Lage, die Klimaproteste sofort zu beenden. Dafür müsste sie sich aber endlich zu sinnvollem und effektivem Klimaschutz bekennen.

Das zu fordern, ist kein Verbrechen.

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