Morgenmoment
/ 8. März 2022

Guten Morgen!

Wir haben heute keinen Blumenstrauß für dich und auch keine 15 Prozent Rabatt auf Kosmetik, sondern nackte Zahlen, die zum Nachdenken anregen sollten. Dein Morgenmoment zum internationalen Frauentag für den Kampf um Gleichberechtigung kommt diesmal von Lukas Bayer.

#1 Möchtest du das teilen?

Im März 2021 wurde Nadine von ihrem Ex-Partner in ihrer Trafik angezündet. Wochen später erlag sie ihren Verbrennungen. Das ist nur eine schreckliche Gewalttat von vielen gegen Frauen. Alleine 2021 gab es 29 weibliche Mordopfer - die meisten Täter waren (Ex-)Partner. Und diese Morde sind ja nur die Spitze des Eisbergs. Unsere neue Staffel des MOMENT Podcasts beleuchtet ab sofort Gewalt gegen Frauen. 

In der ersten Folge von "Man tötet nicht aus Liebe" sprechen wir mit der Cousine von Nadine, die von ihrem Partner angezündet und ermordet wurde. Wir besprechen die schlechte Datenlage und erklären, wo Gewalt überhaupt beginnt.

#2 Zahl(en) des Tages

Hättest du's gewusst? Noch immer gibt es unter den Bürgermeister:innen Österreichs mehr Josefs als Frauen. Einer von vielen Gründen, nicht nur am Weltfrauentag auf die Diskriminierung und Ungleichstellung von Frauen aufmerksam zu machen (und daran etwas zu ändern).

In Österreich sind etwa gleich viele Frauen wie Männer erwerbstätig. Frauen verdienen aber um 36 Prozent weniger. Oben wird die Luft noch dünner: Nur fünf Prozent aller CEOs der börsennotierten Unternehmen Österreichs sind Frauen. Je besser ein Arbeitsplatz bezahlt wird, desto weniger Frauen sind dort zu finden. Drängen Frauen in eine Branche, sinkt Studien zufolge sogar das Durchschnittsgehalt. Wenn Männer eine Branche für sich entdecken, steigt es dagegen.

Im vergangenen Jahr leisteten Frauen unbezahlte Care-Arbeit im Wert von 108 Milliarden Euro. Das entspricht mehr als einem Viertel der Wirtschaftsleistung. Männer kamen auf etwa 70 Milliarden Euro. Care-Arbeit umfasst Tätigkeiten wie die Kinderbetreuung, Pflege oder Haushaltstätigkeiten.

Durch die Corona-Pandemie haben sich viele der erwähnten Ungleichheiten noch einmal verschärft. Frauen haben mehr der unbezahlten Care-Arbeit übernommen. Sie müssen zudem größere Einkommenseinbußen in Kauf nehmen.

Was es deshalb braucht? Das Momentum Institut empfiehlt: Flächendeckende und kostenlose Kinderbetreuungsmöglichkeiten, eine verpflichtende Väterkarenz, eine höhere Bewertung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten, eine starke Erhöhung der Ausgleichszulage, mehr Gehaltstransparenz und eine 30-Stunden-Woche.

#3 Was ich wirklich denke

Lisa war in Charkiw, als Russland begann, die Stadt zu bombardieren. Sie hat es inzwischen aus der Stadt geschafft. "Es gibt keinen sicheren Ort im Land. Jederzeit ist es möglich, beschossen zu werden", sagt sie zu MOMENT. Sie schildert ihre Flucht und wie sie jetzt den dort Eingeschlossenen hilft. "Ich bin mir sicher, dass wir diesen Krieg gewinnen. Egal, wie klein die Ukraine ist und wie groß Russland", sagt die 32-Jährige in unserer Serie "Was ich wirklich denke".

#4 Herstory

Nicht nur heute steht der politische Fortschritt bei Frauenrechten bei uns im Zentrum. Der ganze März ist für uns Herstory-Monat. Wir erzählen dir jeden Tag von wichtigen Frauen aus Politik und Zeitgeschichte. Heute stellen wir dir eine wichtige Kämpferin für Frauenrechte vor: Amalie Seidel.

"Wir müssen vom 14. Jahr an in den Fabriken arbeiten [...], dann werden wir wohl mit 20 im Stande sein, unsere Interessen zu wahren. Jedenfalls besser zu wahren als die Herren, die heute im Parlament sitzen", das hat Seidel in einer Rede von 1894 gesagt. Diese Worte brachten ihr damals drei Wochen Gefängnis ein. Aber der damit zusammenhängende Streik endete erfolgreich. Die Arbeitszeit in der Fabrikhalle, in der Seidel tätig war, wurde von unvorstellbaren dreizehn auf zehn Stunden täglich verkürzt.

Nach ihrer Haftstrafe trug Seidel ihre Forderungen auch auf die Straße. Gemeinsam mit anderen Frauen forderte sie unter anderem eine Arbeitszeitverkürzung auf zehn Stunden für alle sowie einen arbeitsfreien 1. Mai (Internationaler Tag der Arbeit).

Es sollte aber bis zum Ende des Ersten Weltkriegs dauern, bis sich das Engagement von Frauen wie Amalie Seidel auch in politischer Repräsentation bezahlt machte. Als 1919 das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, zog die gebürtige Wienerin als eine von acht Frauen in den ersten nicht rein männlich besetzten Nationalrat ein.

In den kommenden Jahren wurden viele Forderungen der Frauenbewegung umgesetzt. Etwa der Ausbau des Mutterschutzes oder die Erhöhung des Arbeitslosengeldes. Anderes dauerte länger, etwa die Abschaffung des Abtreibungsverbots im Jahr 1974. Und auf manches, beispielsweise gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, warten Frauen noch immer.

#5 Bonus Track

Was der Weltfrauentag wohl an manchmal zumindest gut gemeinten, aber oft auch schlecht durchdachten Nichtigkeiten für dich bereithält? Wir haben jedenfalls das passende Bullshit-Bingo für dich.

Ich wünsche dir einen Dienstag ohne Bullshit!

Lukas

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