Ein Rennen

Ein Rennen - Foto: Julia Joppien/Unsplash

/ Tom Schaffer
/ 31. Oktober

Manchmal ist nicht einfach zu erfassen, wie ungleich Vermögen auch in Österreich verteilt sind. Eine schöne Veranschaulichung liefert uns aber der Blick auf einen einzigen Mann: Dietrich Mateschitz. 

Der Eigentümer von Red Bull ist in der jährlich veröffentlichten Milliardärsliste des Magazins Trend der höchstgereihte Name, der immerhin noch selbst das Unternehmen mitgegründet hat, das ihn reich machte. Zehn andere der Top-15-Vermögen gehören hingegen erfolgreichen Erbinnen und Erben.

Im Jahr 2019 landete Mateschitz auf Platz 2 der Liste. Sein Vermögen liegt demnach bei 15,6 Milliarden Euro. Die Trend-Daten liegen uns seit 2004 vor. Wir haben den Aufstieg von Mateschitz mit dem Gesamtvermögen des ärmsten Drittels der österreichischen Haushalte verglichen - das sind etwa 1,1 Millionen Haushalte.

Ja, Mateschitz hat die unteren 33 Prozent 2014 eingeholt und seither abgehängt und stehen lassen. Wenn Vermögen etwas mit Fleiß und Leistung zu tun hat, dann war er in der jüngsten Vergangenheit übrigens entweder sehr fleißig oder vorher sehr faul. Denn seit 2015 hat sich sein Vermögen mehr als verdoppelt. Er hätte dann also in den ersten 71 Jahren seines Lebens gleich viel geleistet, wie in den vier Jahren seither. Dabei hat er Red Bull 1984 mitgegründet und es schon deutlich vor 2015 zur Weltmarke aufgebaut.

Spaß beiseite: Dieses Rennen ist aus einer kleinen Spielerei mit Daten entstanden und natürlich nicht ganz ernst gemeint. Als wissenschaftlich zu verstehen ist es schon aus einem simplen Grund nicht: Die Datenlage ist im internationalen Vergleich miserabel. Schon über die Vermögen der "normalen" ÖsterreicherInnen wissen wir eigentlich erstaunlich wenig, über die der Superreichen aber noch weniger. Das Vermögen von Mateschitz wird im internationalen Magazin Forbes zum Beispiel auf 23 Milliarden und damit um über sieben Milliarden Euro höher eingeschätzt als im Trend.

In herkömmlichen Befragungen und Studien ist die kleine Gruppe an Superreichen praktisch nicht vertreten, weil sie in Zufallsstichproben weder erfasst wird noch gezwungen werden kann, teilzunehmen. Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler beklagen diesen Mangel immer wieder. Über die Vermögensverhältnisse in den USA wissen wir dank der dortigen Steuerdaten wesentlich mehr.

Sicher ist trotzdem, dass die Schieflage zwischen den Superreichen und dem Rest der Bevölkerung gravierend ist. Trotzdem gibt es in Österreich nur wenig politischen Druck, das zu ändern. Während auf Arbeit hohe Abgaben zu leisten sind, ist die Besteuerung von Vermögen im Vergleich mit anderen OECD-Staaten sogar besonders niedrig. Kein anderes vergleichbar reiches Land erhebt ähnlich niedrige Steuern auf Vermögen.

Die Methodik: Die Daten zu den Vermögenden in Österreich stammen aus der jährlichen Erhebung des Trend. Die Daten zum Gesamtvermögen der Bevölkerungsgruppen stammen für 2010 und 2014 aus der "Household and Consumption Finance Survey" (HFCS) der Österreichischen Nationalbank. Die entsprechenden Perzentile (Hundertstel) wurde dazu zusammengerechnet und um die untersten vier Prozent bereinigt (diese haben ein sehr negatives Nettovermögen, d.h. sie sind hoch verschuldet). Die Jahre ohne Befragung des HFCS, in denen keine Daten zur Verfügung stehen, wurden geschätzt (interpoliert): Von 2011-2013 anhand der Wachstumsrate des Vermögens zwischen 2010 und 2014. Vor 2010 und nach 2014 mit der nominalen Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (Wirtschaftswachstum).

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