Die neoliberale Märchenstunde ist noch lange nicht vorbei
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/ 13. Mai 2020

Corona wird alles verändern, haben sie gesagt. Nichts wird mehr sein, wie vorher haben sie gesagt. Hm. Moment mal!

Seit Jahrzehnten sagt der Rechnungshof: Es gibt zu viele Spitals- und Intensivbetten. Unrentabel. Geldverschwendung – 40 Prozent müssen weg, hieß es zuletzt. Ähnliches war in den vergangenen Jahren aus der Politik zu hören: Laut NEOS würde in Spitälern  Geld “in Milliardenhöhe vernichtet"; “Österreich leistet sich im stationären Bereich etwa doppelt so viele Akutbetten pro 1000 Einwohner wie der EU-Schnitt", kritisiert FPÖ Chef Norbert Hofer. Reinhold Lopatka von der ÖVP wollte dringend mit den Ländern über den "Abbau von teuren Akutbetten" sprechen. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Und den Worten folgten Taten: 1994 gab es in  Österreich noch 55.114 Akutbetten. 2018 nur noch 47.429 Betten.  Das heißt, wir haben 15 Prozent aller Akutbetten verloren. Und das, obwohl die Bevölkerung im selben Zeitraum enorm gewachsen ist. 1994 lebten erst 7,94 Millionen Menschen in Österreich, 2018 waren es dagegen bereits 8,84 Millionen. Noch weniger Betten für noch mehr Menschen: Die Bevölkerung ist um fast eine Million gewachsen und wir haben fast 8000 Betten gekürzt.

Aber Corona hat uns jetzt doch gelehrt: Wer Betten spart, bezahlt dafür mit Menschenleben, oder? Siehe Italien, siehe Spanien. Noch sind auch unsere Intensivstationen mit Corona-Patienten gut gefüllt, da kommen sie schon die Experten und fordern wieder: Betten abbauen! Schließlich haben wir so eine Pandemie - laut Experten - nur alle 10 Jahre.

Ein Bett ist ein Bett. Das kann man in Krisenzeiten vielleicht schnell hinstellen, ja. Aber ein Bett allein rettet kein Menschenleben. Das tut das Bett nur gemeinsam  mit dem dazugehörigen  medizinischen Personal, das weiß wie man Intensivpatienten betreut; mit der dazugehörigen  medizinischen Ausstattung, mit Beatmungsgeräten, die man auch bedienen können muss.

Die Betten-Reduzierer sagen: Lieber weniger Spitalsbetten, dafür mehr Prävention, mehr niedergelassene Ärzte, bessere Versorgung von chronisch Kranken außerhalb der Spitäler. Aber warum ist das eine Entweder-Oder-Frage? Wir fragen uns doch auch nicht, ob wir entweder gute Kindergärten oder gute Unis haben wollen?

Das verrät uns einiges darüber, wie sehr der vermeintliche Sparzwang schon in unseren Köpfen steckt. Wie sehr wir daran glauben, dass wir uns gute öffentliche Dienstleistungen einfach nicht leisten können. Und das einem der reichsten Länder der Welt.

Vernünftig wäre: wir diskutieren darüber,  welches Gesundheitssystem wir brauchen. Nämlich eines mit guter Versorgung außerhalb UND innerhalb der Spitäler. Und dann schauen wir, wie wir das finanzieren.

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