Sexuelle Übergriffe: Wieso wir Frauen nicht glauben
Falsche Beschuldigung?
Kennst du Sprüche wie: "Also, zu mir war der immer nett.", "Die hat das sicher nur falsch verstanden." oder "Sie will sich nur wichtig machen."?
Solche Gedanken sind mir früher fast reflexartig durch den Kopf gegangen, wenn eine Frau von einem sexuellen Übergriff erzählt hat.
Ich hab selbst erlebt, dass Männer übergriffig sein können. Jede einzelne Freundin von mir wurde in ihrem Leben schon mal sexuell belästigt. Und: Falsche Beschuldigungen sind statistisch gesehen extrem selten.
Trotzdem konnte ich Frauen nicht unvoreingenommen glauben. Weil ich es - wie wir alle - gesellschaftlich so gelernt habe. Frauen, die von sexuellen Übergriffen berichten, werden häufig als aufmerksamkeitsgeile Lügnerinnen dargestellt, die nur das Leben von Männern zerstören wollen. Die das nur erzählen, um sich “Vorteile” zu verschaffen.
So wird das Machtverhältnis in unserer Welt aufrechterhalten: Männer können sich nehmen, was sie wollen.
Frauen, die das öffentlich machen, werden niedergemacht. Zu oft glauben wir ihnen nicht oder geben ihnen die Schuld am Übergriff. Ein Signal an alle Frauen: Halt lieber den Mund, sonst geht's dir genauso.
Wieso wir Frauen glauben müssen
Und bei mir kamen auch noch Angst und Selbstschutz dazu. Wenn ich all den Frauen glaube, dann heißt das auch, dass wirklich viele Männer übergriffig sind. Wahrscheinlich auch Männer, die ich schätze oder sehr gern hab. Und ich muss mir eingestehen, dass auch ich Opfer war oder wieder sein könnte. Wahrscheinlich auch wieder sein werde.
Es tut weh, sich als Opfer zu sehen. Es tut weh, zu akzeptieren, dass auch geliebte Menschen Täter sein können. Diesem Schmerz wollen wir ausweichen. Also lieber nicht darüber reden, der Frau nicht glauben.
Das bringt uns aber nicht weiter. Nur wenn wir darüber reden, können wir etwas verändern. Wir müssen den Frauen zuhören, sie ernst nehmen und ihren Berichten Glauben schenken.
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