“Ich bin müde Iraner:in zu sein”: Wie S. die Proteste im Iran miterlebte

Seit Dezember 2025 finden im Iran Proteste gegen das islamistische Regime statt. Sie gingen von Händlern aus, die ihre Läden in den Bazaaren kleinerer Städte im ganzen Land zusperrten. Die restliche Bevölkerung schloss sich schnell an. Wie bei der “Women, Life, Freedom”-Bewegung im Jahr 2022 kam es zu Massenprotesten. Eine Person, die in den vergangenen Wochen in der Hauptstadt Teheran ihre Familie besucht hat, spricht mit uns über die Proteste und was sie im Land beobachten musste.
Es gibt viele Gründe für die Proteste: die marode Infrastruktur sorgt für ständige Wasserknappheit und Stromausfälle; es gibt einen galoppierender Anstieg der alltäglichen Preise; das autoritäre Regime, macht dafür die Menschen und Dürren verantwortlich, statt selbst Verantwortung zu übernehmen. Besonders Regionen von Minderheiten wie Kurden oder Belutschen werden vom Regime systematisch unterversorgt.
Die iranische Revolutionsgarde (IRGC) antwortete auf die Proteste mit scharfer Munition, verursachte Massaker, führte Massenverhaftungen und Entführungen durch, auch von Kindern. Ab dem 8. Januar wurde das Internet abgeschaltet, um die Verbrechen zu vertuschen. Dadurch kamen Informationen nur schleppend in die Außenwelt.
S. reiste Anfang Jänner in den Iran, um ihre Familie zu unterstützen. Die Person schildert im Gespräch mit MOMENT.at, was sie in Teheran, der Hauptstadt Irans, auf den Straßen erleben musste und berichtet über das Leid und die pure Verzweiflung, die die Menschen im Iran gerade durchmachen.
Aus naheliegenden Gründen will die Person anonym bleiben. Das Regime der islamischen Republik überwacht seine Gegner weit über die Grenzen des Irans hinaus. Bereits das Liken und Posten auf Social Media führt dazu, dass der iranische Geheimdienst Personen gezielt einschüchtert – mit Einbrüchen in Wohnungen bis hin zur Inhaftierung und Hinrichtung von Familienmitgliedern im Iran.
Wir geben die Erzählungen von S. hier so weit wie möglich vollständig wieder. Die Angaben sind für uns aber nicht alle unabhängig überprüfbar. Wo wir Quellen gefunden haben, die ähnliche Vorfälle dokumentieren, haben wir sie als Links angegeben. Identifizierende Angaben haben wir gestrichen oder verallgemeinert.
Blackout – Iran abgeschottet vom Rest der Welt
Als S. Anfang Jänner von Istanbul in die 18-Millionen-Menschen-Metropole Teheran fliegt, ist es dort noch vergleichsweise ruhig. Doch das ändert sich nach der Ankunft schnell. Reza Pahlavi, der Sohn des früheren Königs, rief die Menschen dazu auf, auf die Straßen zu gehen. “Da hat man schon gewusst. Wenn er sagt, er ist jetzt der Anführer, dann kommen auch die Teheraner auf die Straße”, sagt S.. “Mein:e Partner:in warnte micht bereits, dass das Internet nicht bleiben wird.” Tatsächlich wird kurz darauf die Kommunikation vollständig abgeschaltet. ”Und dann war plötzlich alles aus. Das war schlimm”, sagt S.. Kein Internet, kein Notruf, keine Rettung, kein Taxi, kein Kontakt zu Angehörigen. Nicht einmal Spitäler konnten telefonisch erreicht werden.
MOMENT.at: Wie habt ihr den Blackout erlebt?
S.: Zu diesen Zeiten hatte ich Todesangst. Meine Mama ging auf die Demo, ohne uns etwas zu sagen. Wir haben bis Mitternacht nicht gewusst, wo sie ist, was sie macht. Ich habe alle gefragt: Wenn jemand Internet hat, bitte sag mir Bescheid. Auch unsere Handys haben nicht funktioniert. SMS haben bis zu meiner Rückreise nicht funktioniert. GPS funktioniert immer noch nicht [Stand 30. Jänner]. Taxis konnte man nicht anrufen. Notrufe gab es nicht. Polizei gab es nicht. Totaler Blackout.
Mindestens 15 Tage dauerte der Blackout. Nur langsam konnte man das Internet mit VPN wieder benutzen. Doch selbst während des Blackouts gab es Websites, die funktionierten:
Nur die Websites der Islamischen Republik haben funktioniert. Die Nachrichten vom IRGC, Flytoday für Züge und Flüge, eine Seite namens Microscope - so etwas wie Google - und noch eine Seite, ähnlich wie Foodora. Diese vier haben immer funktioniert.
Im Iran ist das Internet auch in friedlicheren Zeiten ohne VPN stark zensiert. Gerüchteweise verkauft das Regime die VPN-Zugänge selbst und verdient so doppelt: an der Zensur und an deren Umgehung. Wäre die Regierung wirklich in einen VPN-Anbieter involviert, wären die Benutzer:innen dadurch auch überwachbar. Während des Blackouts funktionierte aber auch das nicht mehr zuverlässig. Die wenigen Alternativen, wie Starlink, sind illegal oder für die meisten unerreichbar.
MOMENT.at: Gab es andere Wege, einen Internetzugang zu bekommen?
S.: Am vierten Tag hat jemand angerufen und gesagt: “Ich habe gerade Internet. Ich weiß nicht wie, aber ich habe es.” Wahrscheinlich hat jemand im selben Gebäude oder Bezirk ein Starlink.
MOMENT.at: Ist Starlink nicht verboten?
S.: Ja. Die Strafe ist Hinrichtung. (Anmerkung der Redaktion: Die Strafe für die Nutzung von Starlink ist eine Haft, aber die Nutzung von Starlink kann und wird vom Regime als Spionage für feindliche Nationen wie die USA und Israel ausgelegt und ist dann mit der Todesstrafe bedroht.)
MOMENT.at: Konnte man mit dem Festnetz telefonieren?
S.: Am sechsten, siebten Tag konnte man von einem Festnetz ins Ausland anrufen. Aber sobald du „Hallo" sagst, hat man einen Klick gehört und wusste, jemand anderer hört mit. Ein Freund von mir hat gefragt: “Bist du in Estland?” Ich sagte: “Nein.” Er sagte: “Aber deine Nummer zeigt Estland an.” Ich sagte: “Nein, ich bin im Iran.”
Und sie haben angefangen, Telefon-Pakete zu verkaufen. Du kaufst ein Paket und dann kannst du vom Festnetz ins Ausland telefonieren. Mit allem verdient das Regime Geld. Mit allen Kleinigkeiten, mit allem.
Proteste im Iran werden vom Regime gewaltvoll niedergeschlagen
Auch in den wohlhabenderen Viertel im Norden Teherans gehen die Menschen auf die Straße. S. vergleicht die Gegend, in der sie auch aufgewachsen ist, mit dem Ersten Bezirk in Wien. Wenn sogar dort Menschen auf der Straße rufen „Wir haben Hunger", dann ist die Lage eine andere als bei früheren Protesten.
MOMENT.at: Wie hast du die Situation in Teheran erlebt?
S.: Uptown, der Teil der Stadt, wo ich aufgewachsen bin, ist sehr reich. Aber alle waren auf der Straße. Die ganze Stadt, auch Uptown. Und du kommst raus auf die Straße und überall steht Tod auf der Wand. Tod an Reza Pahlavi, Tod an Khamenei. Wir haben auch gelacht, weil die Namen waren immer durchgestrichen, neu geschrieben und wieder durchgestrichen. Überall stand nur Tod, Tod, Tod.
Aber überall siehst du die blutigen Handabdrücke. Du siehst Blut auf der Straße. An einem Platz war es wie ein Blutbad. Von einem Freund, der im Zentrum selbst auf der Straße war, habe ich gehört: Es war eine Hölle. Nur Feuer und Schießerei.
MOMENT.at: Konntet ihr euch im „Alltag“ noch frei bewegen?
S.: Wir durften theoretisch nur zwischen 8 Uhr morgens bis 14 Uhr 30 draußen sein. Danach war es gefährlich, auch wenn du nur Wasser kaufen gehst. Viele, die gestorben sind, wollten einfach nach Hause gehen. Die wollten ihre Geschäfte erledigen und haben es nicht geschafft. Ich war selbst bei der Putzerei und der Besitzer hat sofort um Drei alles eingepackt und gesagt: Ich muss jetzt weg.
MOMENT.at: Wie liefen die Proteste auf der Straße ab?
S.: Die Dimension ist richtig groß. Die haben auch auf viele geschossen, die nur am Fenster standen und einfach rausgeschaut haben. Einfach so, aus Willkür.
Meine Schwester hat mir Videos gezeigt. Teheran besteht aus vielen, kleinen Gassen. 300 Leute protestieren zusammen, und dann kommen vier Motorbikes, und in einer Sekunde sind diese 300 Leute verschwunden - im Tränengas. Manchmal benutzen sie chemisches Tränengas, da bekommt man Haut- und Lungenprobleme. Dann kommen sie und schießen auf die, die auf der Straße geblieben sind. Im Video sieht man, dass zum Beispiel fünf in einer kleinen Gasse gestorben sind. Aber die Menschen kennen sich aus. In jeder Gasse sind Leute zu Hause vorbereitet, die Tür aufzumachen für die, die fliehen.
Im Gespräch erzählt S. auch von einem der brutalsten Ereignisse der Proteste. Am 8. Jänner ermordeten die IRGC über 392 Menschen in einem Bazaar in der nordiranischen Küstenstadt Rasht – dem Herzstück der Stadt, wo die meisten Bewohner:innen ihren Lebensunterhalt verdienen. Heute ist von alledem nichts mehr übrig.
MOMENT.at: Was ist in Rasht passiert?
S.: Das Schlimmste war im Norden, in Rasht. Etwa 300 Leute sind dort gestorben. Sie haben den Bazaar zugemacht, damit die Leute nicht fliehen konnten. Dann hat das Regime absichtlich Feuer gelegt. Und von der anderen Seite kamen die Dushkas - diese kleinen Panzer, die auf die Straße kommen und rundherum schießen. Von einer Seite die Dushka, von der anderen Seite haben sie den ganzen Bazaar verbrannt. Entweder verbrennst du drinnen oder du wirst erschossen. Und zwar alle, die drinnen waren. Dreijährige, Vierjährige - alle.
Auch Krankenhäuser werden gezielt angegriffen, Patient:innen und Ärzt:innen werden entführt. Schon während der „Woman, Life, Freedom"-Proteste 2022 entstand im Iran eine medizinische Untergrundversorgung.
S.: Man muss darüber reden. Jeder, der zum Beispiel eine Schussverletzung am Fuß oder an der Hand hatte, ist ins Spital gegangen. Und sie [IRGC] sind ins Spital gekommen und haben alle getötet. Und viele Ärzte haben sie mitgenommen - die Ärzte, die helfen wollten. Ich kenne zwei Fälle, ich kenne die Namen. Eine hatte nur eine Fußverletzungen vom Laufen - und die haben sie einfach erschossen.
MOMENT.at: Wie werden Menschen medizinisch versorgt, wenn die Spitäler nicht sicher sind?
S.: Viele Ärzte fahren jetzt mit dem Auto von Haus zu Haus. Zum Beispiel eine Verwandte von mir. Sie hat ein Ambulanz-Kit und fährt mit ihrem Auto von Wohnung zu Wohnung, um Leute zu behandeln. Das hat sie auch schon bei „Woman, Life, Freedom" gemacht. Und alle haben Eis zu Hause – damit sie Leichen im Garten irgendwo aufbewahren können.
Das Geschäft mit dem Mord
Was S. als Nächstes beschreiben, offenbart ein schreckliches Geschäftsmodell: Das Regime verlangt von den Familien Geld für den Leichnam und die Kugeln, mit denen ihre Angehörigen getötet wurden. Berichten zufolge hat diese grausame Vorgehensweise eine lange Tradition.
S.: Sie haben sogar noch auf die Toten geschossen. Jede Kugel kostet 1.800 bis 2.000 Euro. Deshalb versuchen sie mindestens zwei bis drei Kugeln auf Leute zu schießen, die schon tot sind - damit sie mehr Geld bekommen.
MOMENT.at: Und die Familien müssen das bezahlen?
S.: Der Kollege des Vaters meines Partners hat seinen Sohn verloren. Die Familie musste Geld sammeln, damit er die Leiche bekommt. Danach darf der erste Kreis der Familie - Mutter, Vater, Frau, auch von der Seite der Frau - nicht aus Teheran raus. Alle sind total unter Kontrolle. Das kenne ich, weil mir das auch passiert ist: Ich war 21, als das Regime meinen Cousin ermordet hat. Auch damals durfte die Familie meiner Tante nicht aus der Stadt.
Für jede Kugel zusätzlich 1.800. Wisst ihr, wie viel das für einen Iraner ist? Eine Person, die mit mir verwandt ist, hat über 30 Jahre lang zwei angesehene Berufe ausgeübt und bekommt 60 Euro Pension im Monat. Als jemand mit vier Kugeln getötet wurde, sollte sein Vater 9.000 Euro zahlen. Ein Schauspieler hat sehr poetisch geschrieben: “Ihr denkt vielleicht Nacht und Tag - wenn er bessere Schuhe gehabt hätte, schneller hätte laufen können, nur eine Kugel bekommen hätte. Dann müsste der Vater nicht bis zum Ende seines Lebens bezahlen.”
MOMENT.at: Wie werden die Toten identifiziert?
S.: Ein Mann ist vor den Augen seines Vaters gestorben, aber die IRGC nehmen die Leiche mit, unter schwarzen Tüchern. Die Familie muss dann das Spital finden, wo sie die Leiche vermuten. Der Vater musste zur Identifizierung. Es gibt einen Kühlraum, wo sie alle aufbewahren. Er hat gesagt: “Ich habe die Tür aufgemacht und da waren 300 Leichen aufeinander. Frisch, noch blutend.” Und er musste seinen Sohn zwischen diesen 300 Leichen finden.
Viele, für die keine Familie gekommen ist, haben sie in ein Loch geworfen. Und die Organe verkauft. Aber am schlimmsten ist: Sie geben die Frauen nicht zurück. What are you doing with women's bodies? [Pause] Vergewaltigung. Mit den Leichen. Es ist sehr krank. (Anm. der Redaktion: Der Vorwurf von Vergewaltigungen von Regime-Kräften gegen Frauen und Häftlingen ist häufig und wird nicht nur während dieser Protestwelle seit Jahren geäußert. Den Vorwurf der Vergewaltigung von Leichen konnten wir duch keine bisherigen Berichte stützen oder belegen.)
Der Guardian berichtet, dass das Regime systematisch versucht, die Opferzahlen zu verschleiern. Die BBC berichtet über schockierende Videos aus dem Kahrizak-Rechtsmedizinzentrum in Teheran, die mindestens 186 Leichen zeigen. In einem der Videos wird darauf hingewiesen, dass die Leichen von Männern und Frauen aus religiösen Gründen separat aufbewahrt werden. Ein weiterer Bericht auf Farsi erwähnt, dass vor der Herausgabe weiblicher Leichen die Gebärmutter geöffnet werden müsse. Ein übliches Verfahren für die Ausstellung von Sterbeurkunden.
Propaganda und Psychoterror
Neben der physischen Gewalt betreibt das Regime auch Propaganda.S. beschreibt sie als “Faschismustechnik”: Die Übernahme der Protest-Slogans durch das Regime selbst, die Besetzung des öffentlichen Raums mit Trauerinszenierungen, und die Erzwingung falscher Todesumstände durch die Familien der Getöteten. Außerdem wurden Belohnungen für diejenigen ausgerufen, die die Namen jener Menschen nennen, die sich an den Protesten beteiligen.
S.: Sie kontrollieren alles. Sie stehen vor der Wohnung, damit die Familien nicht rausgehen, niemandem Bescheid geben, niemanden zur Beerdigung einladen können. Zum Beispiel diese Bloggerin, Babyrider. Die haben die Familie gezwungen zu sagen, sie sei bei einem Unfall gestorben. Das machen sie oft. Sie bringen zum Beispiel Familien im Fernsehen, und die Familie muss sagen: Sie hat sich umgebracht, sie war deprimiert. Und dann sagen sie den Familien, sie müssen erst verrechnen, wie viele Sachen in der Stadt verbrannt sind. Dann schicken wir allen Familien eine Rechnung, was sie noch bezahlen sollen.
Auch auf den einzigen vier Websites, die funktionierten, hat das Regime von amerikanischen und israelischen Demonstranten gesprochen, die durch die mutige Polizei getötet wurden. Die getöteten Sicherheitskräfte wurden als Helden gefeiert und eine Trauerfeier wurde angekündigt.
MOMENT.at: Wie zeigt sich die Propaganda auf der Straße?
S.: Wir hassen die Billboards im Iran. Wir haben sie immer gehasst. Blöde Sätze, blödes Design. Aber gleichzeitig mit den Schießereien und der Folter hängen sie riesige Bilder von der Sepah (Anm.: das ist das persische Kurzwort für die Revolutionsgarden) auf jede Werbetafel. Sie sagen, dass ihre Leute gestern gestorben seien, israelische Kräfte unsere Leute getötet hätten. Und jetzt seien wir alle Iraner zusammen. Das ist eine Faschismustechnik aus Russland. Am Tag nach den zwei Massakertagen haben sie nicht weit weg von uns eine riesige Trauerfeier auf der Straße veranstaltet. Es gab immer noch Blut auf der Straße.
Und bei jeder Revolution übernehmen sie die Slogans. Bei „Woman, Life, Freedom" haben sie plötzlich selbst überall „Woman, Life, Freedom" geschrieben. Und jede Revolution bei uns hat ein Lied. Auch diese Revolution. Und das Regime hat angefangen, dieses Lied alle fünf Minuten im nationalen Fernsehen zu spielen. Zwischen normaler Werbung.
Diese Kopfmanipulation ist am schlimmsten für mich. Das macht mich krank.
Iranische Polizei und die Islamische Revolutionsgarde (IRGC)
S. betont, dass viele der Bewaffneten, die auf die Bevölkerung schießen, keine Iraner sind, sondern aus dem Ausland kommen, wo sie für mit dem Regime verbündete Gruppen im Einsatz waren. In der europäischen Berichterstattung werde nicht klar genug zwischen Polizei und IRGC unterschieden. Die reguläre Polizei verweigere laut S. vielfach die Befehle und wird dafür bestraft.
S.: Wir wissen seit Langem, dass sie Leute aus anderen Ländern reinbringen, die islamisch radikal sind. Die haben alle schwarze Masken. Und tagsüber fahren sie mit Waffen auf großen schwarzen Autos durch die Straßen.
Es gibt gerade einen großen Spalt zwischen Polizei und IRGC. Die Polizisten wollen nicht mitmachen. Viele sind im Gefängnis. Viele stehen vor der Hinrichtung, weil sie nicht mitgemacht haben. Ganz wichtig: Ich habe das nicht selbst gesehen, nur gehört, aber es gibt Videos – viele, die diese schwarzen Masken tragen, sprechen Arabisch. Viele kommen aus Pakistan, aus Syrien, aus anderen Ländern. Die Islamic Republic, dann Hamas, dann ISIS, die es offiziell nicht mehr gibt, dann Hisbollah, dann Haschd asch-Schaʿbī. Und der Anführer von allen ist der IRGC.
„Ali Khamenei ist 86, er stirbt nicht”
S. ist derzeit nicht mehr im Iran. Doch bald muss sie wieder zurück, weil ihre Familie Unterstützung braucht. Sie ist erschöpft. Der letzte Aufenthalt im Iran hat Spuren hinterlassen und Panikattacken plagen sie im Alltag.
S.: Wie überlebe ich jetzt? Mit Mama und Papa und meiner ganzen Familie dort? Ich habe es geübt, zu überleben. Ich habe es geübt mit dieser Situation umzugehen.
Wenn der Tod auch zu meiner Familie kommt - ich hoffe nicht, aber wenn - dann muss dieser Teil der Geschichte eben durchgestanden werden. Aber ich weiß nicht, ob ich dazu fähig bin oder nicht.
MOMENT.at: Was wünscht ihr euch für die Zukunft? Habt ihr noch Hoffnung?
S.: Ich hoffe, dass der Iran frei wird. Ich glaube, alle, die gestorben sind, sind mit dieser Hoffnung gestorben.
Optional haben wir uns immer gewünscht, dass Ali Khamenei stirbt. Er ist 86, er stirbt nicht. Aber das Regime muss stürzen. Wir alle hoffen. Ich hoffe es auch für die Welt. Denn so oft wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert,kommt es vom iranischen Regime.
Aber auch, wenn Khamenei stirbt… Sepah bleibt. Ich habe keine Vorstellung, wie der Iran ohne Sepah sein kann. Aber ich wünsche mir, und ich habe Hoffnung, auch wenn es in 30 Jahren passiert, dass sie einfach aus unserem Land verschwinden. Vor nicht allzu langer Zeit - 2008, 2010 – hatte ich viele Freunde aus Europa im Iran. Wir haben immer international gearbeitet. Und jetzt ist es wirklich wie eine Insel geworden durch diese Terroristen.
MOMENT.at: Und wirst du wieder in den Iran reisen?
S.: Ja, sehr bald. Ich muss mich um meine Familie kümmern, sie zu Arztterminen bringen und sie pflegen. Aber ich habe Sorge und Stress, dass das mein Körper nicht durchhält. Ich bin müde, Iranerin zu sein. Ich bin so müde.











