Inflation 2022: Alles wird teurer, aber nicht für alle gleich
/ 14. Januar 2022

Die Preise steigen schon wieder. Alles wird teurer 2022. Warum trifft die Inflation aber nicht alle gleich stark? Barbara Blaha erklärt, warum die Preise steigen, die Teuerung aber nicht allen gleich zu kämpfen macht. 

Die Preise steigen. Das heißt: Für einen Euro kann ich mir heute weniger kaufen als gestern. Und morgen noch weniger. Und so weiter.

Ein Euro wird also immer weniger wert. Wie viel genau, das messen wir mit der Inflationsrate.

Alles wird teurer - warum?

Aber: Was sagt die denn genau aus? Warum steigen die Preise eigentlich? Das hat vor allem 3 Gründe:

Nummer 1:  Der Happy-Hour-Effekt! Mit Corona sind die Preise für Öl und Gas vor zwei Jahren in den Keller gerauscht: Klar, wenn im Lockdown alle Räder still stehen, sinkt auch die Nachfrage nach Energie.

Dann haben wir wieder alles aufgesperrt. Und die Preise sind zurück auf das ursprüngliche Niveau geklettert. Das macht sture Messung eines Anstiegs unbrauchbar: Denn das ist, als würde man den Preis-Anstieg zum Ende der Happy-Hour messen. Von 6 bis 7 gibts den Cocktail zum halben Preis, danach kostet er wieder das doppelte. Nur ist das keine Preis-Steigerung, die Bar verlangt einfach wieder den normalen Preis.

Und so ist es auch bei der Inflation: Die tatsächliche Teuerung über zwei Jahre, ohne Happy-Hour-Verzerrung, liegt bei relativ normalen 2,7%, das ist nur ein wenig über dem Inflationsziel der Zentralbank.

Alles wird teurer durch steigende Energiepreise

Zweitens: Eine Energiekrise. Auf den Gasmärkten herrscht Panik, weil Russland nicht genug Gas nach Europa liefert. Truppenaufmärsche an der ukrainischen Grenze tun das Übrige. Und: Je teurer das Gas, desto teurer der Strom, der damit erzeugt wird. Das spüren Betriebe und Haushalte.

Drittens: Wir kaufen in der Krise anders ein als vorher. Irgendwo ist immer grade Lockdown. Urlaub, Theaterbesuch oder schön Essen gehen, war halt eher nicht so drin die letzten beiden Jahre. Also werden wir unser Geld anders los: Grafikkarte statt Urlaubsreise, Fahrradkauf statt Gasthausbesuch.

Wenn das gleichzeitig auf der ganzen Welt passiert, dann gibt es Liefer-Engpässe. Corona-bedingte Ausfälle in Häfen und Verteilerstationen verstärken die Probleme. Von 3,7 Prozent Inflation im Oktober gehen 2,1 Prozentpunkte auf ein knappes Angebot zurück.

Anstelle die Teuerung an einer Zahl festzumachen, in der sich viele Faktoren verstecken, sollten wir uns lieber detailliert anschauen, was sich wie für wen verändert. Denn die Teuerung trifft arme Menschen härter. Denn wer kaum Geld hat, gibt das meiste davon für Wohnen und Essen aus – also für die Deckung von Grundbedürfnissen. Wer mehr hat, steckt deutlich mehr Geld in Verkehr und Freizeit. Und kann es leichter verkraften, wenn das ein wenig teurer wird.

Alles wird teurer, Sozialleistungen werden nicht angepasst

Sozialleistungen helfen übrigens nix gegen die Teuerung, denn die werden - erraten! - nicht automatisch an die Inflation angepasst. Dieser Effekt läppert sich über die Jahre ganz schön:  Eltern können sich mit der Familienbeihilfe heute um 30 Prozent weniger leisten als noch im Jahr 2000. Und das, obwohl es in dieser Zeit drei Erhöhungen gab. Die haben die Teuerung aber bei weitem nicht ausgeglichen.

Wer besonders stark unter den Preissteigerungen leidet, den müssen wir unterstützen - bis die Energiekrise gelöst und die Pandemie unter Kontrolle ist:

  • Zum Beispiel durch ein höheres Arbeitslosengeld. Denn wer wegen Jobverlust ohnehin bereits mit viel weniger Geld auskommen muss, den treffen Preiserhöhungen doppelt hart.
  • Zum Beispiel durch Heizkostenzuschüsse, die vor allem Geringverdiener:innen zu Gute kommen.
  • Und: wir brauchen eine automatische Anpassung von Sozialleistungen an die Teuerung, damit jedes Jahr an Kaufkraft verlieren.

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