Gendermedizin: auf dem Bild ist eine weiblich gelesene Person Patientin und ein männlich gelesener Arzt zu sehen die in einer Gesprächssituation dargestellt werden
/ 20. Dezember 2021

Gendermedizin ist ein recht neues Thema in der Wissenschaft und Forschung. Die Frage dahinter ist, ob Medizin und Gesundheit geschlechtsabhängig sind. Wirken manche Medikamente je nach Geschlecht anders? Erkennt man eine Krankheit bei einer Frau anders als bei einem Mann? Verhalten sich Menschen unterschiedlicher Geschlechter gegenüber Ärzt:innen unterschiedlich? Die Auswirkungen daraus können für uns alle natürlich riesig sein. Alles was du zur Gendermedizin wissen muss, haben wir dir zusammengefasst.

Was ist Gendermedizin?

Gendermedizin – auch gendersensible Medizin genannt - versucht den Einfluss von des Geschlechts in der Medizin herauszufinden. Sowohl das biologische und auch soziale Geschlecht haben Einfluss darauf, wie Krankheiten diagnostiziert werden, wie das Krankheitsbild auftritt oder wie die Behandlung im besten Fall aussehen kann. Gendermedizin hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Vorher hat Medizin überall dort, wo das Geschlecht nicht sehr offensichtlich eine Rolle spielt, noch stärker auf Beobachtungen und Studien mit Männern beruht – die Genderperspektiven ist dabei außen vorgelassen worden. Mithilfe von Gendermedizin möchte man nun die Unterschiede der Geschlechter in die Diagnose einbeziehen.

Wieso ist Gendermedizin so wichtig?

Menschen unterschiedlicher Geschlechter haben auch biologisch unterschiedliche Voraussetzungen. Sie unterscheiden sich auch aufgrund ihres gelernten Verhaltens voneinander. All diese Dinge werden unter dem Begriff “Gender” erforscht. Darüber hinaus bestehen auf ähnliche Weise auch Unterschiede aufgrund von weiteren Kategorien wie beispielsweise der Ethnie oder der sozialen Herkunft. All das beeinflusst nicht nur objektive Unterschiede und wie wir uns Verhalten, sondern auch wie wir wahrgenommen werden und welche Erwartungshaltungen wir ausgesetzt werden. Das kann dazu führen, dass beispielsweise Krankheiten oder Schmerzen von Frauen falsch diagnostiziert werden oder fälschlicherweise als psychische statt körperlicher Probleme behandelt werden.  

Wie wirkt sich das Geschlecht auf die Behandlung von Krankheiten aus?

Gender wirkt sich nicht nur auf die Art, wie wir diagnostiziert werden aus, sondern auch wieso und wann wir uns untersuchen lassen. Beispielsweise ist es für Frauen schwierig Ärtz:innen bei chronischen Schmerzen aufzusuchen – hier spielt Glaubwürdigkeit eine große Rolle. Männer wiederum suchen zum Beispiel viel seltener bei Psychotherapeut:innen nach Hilfe. Auch die Art der Diagnose unterscheidet sich - beispielsweise bei Herzinfarkten. Anzeichen für einen Herzinfarkt bei Frauen sind unter anderem Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit - bei Männern sind es Schmerzen die beispielsweise in den Arm, die Schultern, den Rücken oder den Hals strahlen können. Zudem können auch ein Engegefühl im Brustkorb und Atemnot Anzeichen für einen Herzinfarkt bei Männern sein.

Gendermedizin: Gibt es Unterschiede bei Medikamenten für Männer und Frauen?

Die Forschung kennt die Unterschiede bei weitem noch nicht bei allen Medikamenten und Behandlungsmethoden. Es konnten bisher bei einigen Medikamenten ein geschlechterspezifischer Unterschied in der Wirkung festgestellt werden. Einige Schmerzmittel wirken bei Frauen stärker, wie das Opiat Morphin, ziehen aber ein hohes Risiko für Nebenwirkungen mit sich. Das Schmerzmittel Ibuprufen soll bei Männern stärker wirken. Aspirin schützt beispielsweise Männer mehr vor einem Herzinfarkt, aber Frauen mehr von einem Schlaganfall. Blutdrucksenkende Mittel (Antihypertensiva) wirken bei Frauen besser, ziehen aber mehr Nebenwirkungen mit sich. 

Wieso ist Gendermedizin jetzt erst ein Thema?

Wie auch in anderen Bereichen des Lebens, galt auch in der Medizin lange der Mann als die “Norm” und Stand deshalb im Zentrum der Aufmerksamkeit. Lange Zeit dominierten ja auch in der Forschung und Lehre Männer.  

Gendermedizin hat sich aus der Frauen- und Männergesundheitsforschung entwickelt, die durch Frauenbewegung in den 1960er Jahren ausgelöst worden ist. Die ersten Werke zur Gendermedizin wurden in der 90er Jahren veröffentlicht. Erst in den letzten Jahren erlangte das Thema mehr Aufmerksamkeit. In der Ausbildung von Mediziner:innen spielt Gendermedizin aber dennoch noch eine sehr untergeordnete Rolle.  

Anmerkung: Wir versuchen bei unseren Themen auch sprachlich stets alle Personengruppen und Geschlechter einzubinden. In der Gendermedizin ist man aber leider nicht so weit und unterteilt Großteils in binäre Geschlechtergruppen. Dementsprechend können wir die Ergebnisse auch nur so berichten. Wir bitten um Verständnis. 

Fünf wichtige Themen in nur drei knackigen Minuten. Hol dir deinen täglichen Morgenmoment per E‑Mail!

Ich bin einverstanden, einen regelmäßigen Newsletter zu erhalten. Mehr Informationen: Datenschutz.