Nachaufnahme von Barbara Blaha wie sie mit ausgebreiteten Armen fragend in die Kamera blickt.
Moment Mal, Moment.
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/ 5. Juli 2020

Paris zeigt, dass man mit Öko-Themen Wahlen gewinnen kann. Bürgermeisterin Hidalgo wurde trotz - oder wegen - ihrer radikalen Verkehrspolitik gewählt. Aber sind autofreie Städte, also weniger Autos in der Stadt nicht nur ein Thema für Besserverdiener?

Moment mal!

Wer wohnt an den verkehrsreichen Straßen, am Wiener Gürtel, am Bahnhofgürtel in Graz, entlang der Stadtautobahn in Linz, der Ignaz-Harrer-Straße in Salzburg? Wer spielt in den engen Parks und nicht im Wochenendhaus mit großem Garten außerhalb der heißen Stadt? Und wer sitzt im Sommer in der heißen Wohnung in der Stadt, die Jahr für Jahr immer heißer werden? Vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen.

Autofrei  ist nicht sozial gerecht

Je ärmer die Haushalte, desto stärker sind sie durch Staub, Russ, Lärm und Abgase belastet. Weil sie da leben, wo alle anderen mit dem Auto durchfahren. Das sind übrigens auch jene, die sich ein Auto oft nicht leisten können. Fast jeder zweite hat einfach keins. Klar nützen sie öfter die Öffis - das betrifft auch Pendlerinnen und Pendler. Das Prinzip dem Autoverkehr Vorrang zu geben vor den Bedürfnissen der StadtbewohnerInnen, ist also nicht wirklich sozial gerecht.

Wir müssen ökologische Maßnahmen vernünftig diskutieren. Wo setzen wir etwa auf hohe Preise, statt manche Dinge einfach zu verbieten? Ein Beispiel: In Innsbruck sollen Parkgebühren von zwei Euro pro Stunde Menschen davon abhalten, in der Stadt ihr Auto zu parken. Viele wird das nicht abschrecken: Wer 70.000 Euro für einen SUV ausgibt, dem sind Parkgebühren schlicht wurscht.

Was tun mit dem Platz?

Warum nicht statt unsozialer Parkgebühren parkplatzfreie Innenstädte? Der so frei werdende Raum würde dringend notwendige Bäume sowie breitere - und damit sicherere - Rad- und Fußwege erlauben. Und ein Comeback von Straßenbahnen erleichtern. Mutige Maßnahmen brauchen wir dringend: Denn die Klimakrise macht den Planeten unbewohnbar, wenn wir nix tun, aber er fordert jetzt schon jedes Jahr Todesopfer. 500 Menschen sterben jedes Jahr in Österreich an der Hitze.

Weltweit tun Städte etwas: In New York wurde der Times Square verkehrsberuhigt. In London und Stockholm eine Citymaut eingeführt. Amsterdam war nicht immer eine Fahrradstadt: in den 60ern stauten und stapelten sich auch dort die Autos. Aktive Verkehrspolitik änderte die Spielregeln. In Seoul wurde schon 2008 eine ganze Stadtautobahn abgerissen und zum Naherholungsgebiet gemacht. Und in Paris hat die Sozialistin Hidalgo angekündigt, 60.000 Parkplätze zu entfernen, um Platz für Menschen zu schaffen, und hat den Pariser Boulevards Bus- und Radspuren verpasst. 

Mehr Mut!

In Wien fehlt es sogar bei einer Micky-Mouse-Maßnahme wie dem autofreien ersten Bezirk an Unterstützung  des roten Stadtchefs. Stattdessen wird munter weiter betoniert: in Wien kilometerweise Autobahn zwischen Aspern und Lobau, zwischen Schwechat und Süßenbrunn in Niederösterreich, in Linz wird eine äußerst fragwürdige Ostumfahrung geplant, in der Steiermark die Fürstenfelder Schnellstraße zwischen Riegersdorf und dem Grenzübergang Heiligenkreuz, in Kärnten die zweite Autobahnröhre des Karawankentunnels.

Was es braucht:

  • Weniger Parkplätze und mehr Grün, gerade auch in Arbeitervierteln und Randlagen
  • Eine vernünftige Öffi-Anbindung für alle, damit man auch wirklich überall ohne Auto hin kommt. 
  • Genug Radwege, auf denen man ohne Angst auch mit Kindern unterwegs sein kann

Links und Quellen:

 

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