Cindy Klink gebärdet
Cindy Klink ist gehörlos. Seit in manchen Teilen Deutschlands Maskenpflicht gilt, hat sie ein Problem: Sie kann sich nicht mehr verständigen.
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/ 28. April 2020

Cindy Klink, 22, ist Inkluencerin. Das ist kein Tippfehler! Cindy setzt sich nämlich für Inklusion ein. Sie ist selbst beinahe gehörlos. Auf Youtube und TikTok postet sie Videos über Gebärdensprache, interpretiert Musik und räumt mit den häufigsten Mythen auf. Doch die Corona-Krise bringt neue Herausforderungen für Cindy und andere gehörlose Menschen.

Für unsere Serie "Was ich wirklich denke" erzählt sie, wie es ihr mit der Maskenpflicht geht und warum sie wirklich gerne wissen würde, was Angela Merkel sagt.

Ich bin fast gehörlos. Auf der einen Seite höre ich mit Hörgerät noch 10 bis 20 Prozent, auf der anderen gar nichts. Das liegt bei mir in der Familie und für mich ist das normal. Ich kann alles: Arbeiten, in die Schule gehen, Bücher lesen, Autofahren - nur eben nicht hören.

Mittlerweile gilt in Deutschland teilweise Maskenpflicht als Maßnahme gegen die Verbreitung des Coronavirus. Ich bin auf das Mundbild meines Gegenübers angewiesen. Für mich bedeuten die Masken, dass ich plötzlich niemanden mehr verstehe. Wenn ich den Mund nicht sehe, kann ich nicht mehr kommunizieren.

Dazu habe ich ein Video auf TikTok gepostet und seitdem bekomme ich jeden Tag Interviewanfragen. Normalerweise mache ich kurze Videos, in denen ich Musik in Gebärdensprache übersetze. Ich bin froh, dass ich jetzt viele Leute erreicht habe, auch wenn mich die Aufmerksamkeit manchmal überfordert. Es ist schön zu sehen, dass Leute jetzt anfangen mit Masken mit Sichtfenster zu experimentieren. Besonders wichtig ist das bei medizinischem Personal.

An der Reaktion habe ich auch gesehen, dass die meisten Menschen gar nicht daran gedacht haben, dass Gehörlose sie mit Maske nicht mehr verstehen können. Hörbehinderungen sind nunmal unsichtbar und viele denken, dass wir mit Geräten ganz normal hören können. Deswegen ist es mir wichtig, den Mund aufzumachen, wenn es ein Problem gibt.

Was mir noch stärker auffällt als vor Corona, sind die fehlenden Untertitel oder Gebärdendolmetscher im Fernsehen. Neulich hat Angela Merkel bei einer Pressekonferenz vorgestellt, wie es mit den Maßnahmen gegen das Coronavirus weitergeht. Das hätte ich auch gerne gewusst. Aber Untertitel oder Gebärdensprache werden oft erst im Nachhinein hinzugefügt. Das ist nicht in Ordnung, ich habe genauso ein Recht auf Information wie alle anderen.

Was auch vor Corona schon ein Problem war, sind die Anträge, die ich stellen muss, um einen Dolmetscher zu bekommen. Ich gehe in die Abendschule und habe ein Jahr davor schon angefangen, die Anträge auf einen Schriftdolmetscher zu stellen. Das ist eine Person, die für hörbehinderte Menschen das Gesagte schnell mitschreibt. Für Fächer wie Mathe oder Biologie ist das praktischer als Gebärdensprache. Mein Antrag wurde mehrmals abgelehnt und ich habe den Eindruck, dass die Behörden darauf hoffen, dass ich irgendwann aufgebe. Es gibt ein paar Apps, die gesprochene Sprache verschriftlichen, die sind aber leider noch nicht wirklich ausgereift. Ich bin also weiter auf Dolmetscher angewiesen.

Trotz der Schwierigkeiten sehe ich mich selbst nicht als behindert an. Für mich ist die Höreinschränkung normal und in den allermeisten Bereichen bereitet mir das auch keine Probleme. Wenn sich in der Gesellschaft ein paar Punkte ändern würden, wäre mein Leben aber leichter.

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