Parlagram-Cover

Bild: Moment, CC4.0 BY-SA

/ Barbara Blaha
/ 17. Oktober

Für Politik reicht manchmal nur ein Wort: Gut gewählt prägt es die öffentlichen Debatten, nimmt Einfluss darauf, was als wichtig oder machbar angesehen wird - und formt auf diese Weise sogar Gesetze. Spannend ist die geschichtliche Dimension: Welche Begriffe waren in der Zweiten Republik von Bedeutung? Welche sind aus dem Diskurs (fast) verschwunden? Welche prägen (bis heute) unsere Gegenwart?

Unser Datenwerkzeug, das Parlagram, kann jetzt auf alle Reden im National seit 1945 zugreifen und wurde auch um andere Funktionen erweitert. So kann es mittlerweile die Bedeutung von gesuchten Wörtern so gewichten, dass die Anzahl der Sitzungen in diesem Jahr berücksichtigt wird. Und du kannst jetzt sowohl nach Wortteilen (die Suche nach “Arbeit” kommt dann auch in “arbeitslos” vor) als auch genauen Treffern (der Begriff “Arbeit” findet dann nur genau dieses Wort) suchen. Zudem lässt sich die Zeitachse jetzt auch auf eine gewisse Zeit beschränken.

Vollbeschäftigung vs. Standort

Bis in die frühen 1980er Jahre hinein war Vollbeschäftigung ein wiederkehrendes Thema im Nationalrat und von größerer Bedeutung als der (Wirtschafts-)Standort. Danach zeigt sich ein völlig anderes Bild: um Vollbeschäftigung geht es seit 1983 kaum noch, dafür immer mehr um den Standort und Standortwettbewerb.

Wie Worte ihre politische Bedeutung verlieren, zeigt der Begriff der ArbeiterInnen. Ab 1945 ist der Begriff einer der bestimmenden Diskurstreiber im Parlament. Dann wird der Begriff immer weniger verwendet, ab den 1980er Jahren spielt er kaum noch eine Rolle. Abgelöst wird er durch die ArbeitnehmerInnen. Allerdings erreicht die Bedeutung dieses Begriffs kaum je an die der ArbeiterInnen heran. 

Verstaatlichung, Privatisierung und (keine) Vergesellschaftung

Aufschlussreich ist auch der Vergleich von “Verstaatlichung” und “Privatisierung”. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Schlüsselindustrien verstaatlicht oder mit öffentlichen Mitteln (wieder) aufgebaut, bevor dann ab Mitte der 1980er Jahre Privatisierung in Mode kommt. Erst als die Finanzkrise der Privatisierungswelle ein jähes Ende bereitet, erlebt Verstaatlichung ein Comeback im Nationalrat: nach gut zwei Dekaden privatisierter Gewinne werden die Verluste der Banken im wörtlichen Sinne “verstaatlicht”. Alternativen jenseits von Privatisierung und Verstaatlichung wie eine Vergesellschaftung von Unternehmen waren hingegen kaum je Thema im Parlament.

Das Parlagram ist ein Analysetool entwickelt vom Momentum Institut, das die Debatten im österreichischen Nationalrat für die Vielen durchsuchbar macht. Alle Parlamentsprotokolle seit 1945 sind durchsuchbar und können grafisch ausgewertet werden.

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