Gegengelesen: Wie die "Heute" einen Airbnb-Anbieter mit PR beschenkt
Mit seinem “prächtigen” Einkommen kann Max “königlich” in Thailand leben. Dazu müsse man zwar rechnen können, aber mit ein bisschen Anstrengung kannst auch DU das schaffen und dein Leben genießen.
So zumindest der Eindruck, den der Artikel in der “Heute” vermitteln soll.
Hinter diesem vermeintlichen Traum steckt nicht nur das problematische Geschäftsmodell auf Basis von Airbnb. Sondern auch ein Unternehmer, der mit seinem “Wissen” Geld machen will und das Konzept der Kurzzeitvermietung noch schwieriger macht, als es ohnehin schon ist.
Wer steckt hinter Max (27)?
Bei dem “Unternehmer” im Artikel handelt es sich um Max Dotio. Unter diesem Namen ist er zumindest online bekannt. Sein Geschäftsmodell erklärt er selbst kurz und knackig in einem seiner Videos:
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Max entzieht dem Wohnungsmarkt also Mietwohnungen und vermietet die um ein Vielfaches an Tourist:innen oder Geschäftsreisende weiter. Dabei gehören die Wohnungen nicht einmal ihm selbst - er mietet sie an und vermietet sie dann teurer weiter.
Im Artikel liest sich das natürlich etwas schwieriger. “Wer damit Geld verdienen will, muss rechnen können”, sagt Max in der “Heute”. Wer mit diesem Geschäftsmodell Geld verdienen möchte, muss wohl vor allem eines: genug Geld haben, um sich mehrere Wohnungen anzumieten. Und keine Skrupel haben, diese teuer weiterzuvermieten.
Die “Airbnb-University” von Max Dotio: Billg mieten, teuer vermieten
Das ist aber nicht die einzige Methode, mit der Max sein Geld verdient. Im “Heute”-Artikel zwar nicht angesprochen, aber auf dem Foto sehr prominent platziert ist die “Airbnb University”. Dort können Interessierte genau das lernen, womit Max sein Geld macht:
Wohnungen anmieten und teuer weitervermieten. Hunderte Vermieter:innen habe er laut eigenen Aussagen dort schon ausgebildet. Die Inhalte sollen zwar nichts kosten - sehr wohl aber seine Hilfe, Wohnungen zu finden.
Mit seinem Geschäft ist Max wahnsinnig erfolgreich - zumindest, wenn man seinen Social Media-Auftritten glauben schenken will. Da berichtet er darüber, wie er 60.000 Euro an nur einem Wochenende in Hong Kong ausgibt oder gibt damit an, wie billig er Wohnungen an- und wie teuer er sie vermietet. Es sind die typischen “Machs wie ich, dann kannst auch du reich werden”-Inhalte, die sich speziell an junge Männer richten.
Dass Max Dotio mit einem moralisch fragwürdigen Geschäftsmodell Geld verdient, ist die eine Sache. Es ist ohne jede Frage legal. Dagegen könnte man nur politisch mit strengerer Regulierung ankämpfen.
Die wurde zuletzt in Wien noch einmal verschärft. Mittlerweile braucht man hier eine Ausnahmebewilligung, um Wohnungen unter bestimmten Voraussetzungen noch auf Plattformen wie Airbnb oder Booking vermieten zu dürfen. Aber keine Sorge, auch darauf geht Max Dotio in seinen Videos ein und erklärt, wie man weiterhin vermieten kann.
Wie die “Heute” einen Influencer mit PR beschenkt
Der Artikel ist gelungene PR für Max Dotio. Manche Medien machen das offenbar aus freien Stücken. Andere verkaufen so etwas als ein typisches „Advertorial”, das gekennzeichnet werden muss.
So etwas findet sich im Fall von Max Dotio auch auf anderen Seiten: Auf forbes.at verspricht der Artikel „Erfahrungen mit Max Dotio: Wie gut ist seine BNB University wirklich?” etwa eine kritische Einordnung der Lernplattform.
Wirklich kritisch ist die aber nicht - und wurde offensichtlich auf seinen Auftrag hin verfasst. Denn darunter findet sich der Hinweis „Advertorial/Anzeige”. Ähnliches findet sich bei focus.de oder consultingmagazin.de - überall selbst verfasste oder beauftragte Lobeshymnen, aber zumindest als Anzeige gekennzeichnet.
Die „Heute” verzichtet darauf.
In der Online-Version des Artikels wird Max Dotio zumindest mit der Kritik konfrontiert, dass die Wohnungen am Mietmarkt fehlen würden. Seine Antwort darauf: „Wer professionell arbeitet, könne ein skalierbares Modell aufbauen.” Auf gut Deutsch: Es ist ihm herzlich egal.
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