Kapitalismus
Demokratie

Nicht nur Benzin-Preis steigt: Wenn Öl teurer wird, zahlen alle

Die Öl- und Benzinpreise steigen seit dem Beginn des Iran-Kriegs rasant. Aber die Kosten werden nicht an der Tankstelle stehen bleiben, sondern durch die Wirtschaft rattern. Barbara Blaha kommentiert, warum Eingriffe in die Preise nötig sind.

Wenn irgendwo auf der Welt ein Krieg beginnt, dauert es oft nur Stunden, bis sich das auch an der Tankstelle bemerkbar macht. Der aktuelle Konflikt rund um Iran ist ein Beispiel dafür. Kaum steigen die geopolitischen Spannungen, klettern die Ölpreise. Wer kein Auto hat, könnte denken: Betrifft mich nicht. Das stimmt nur auf den ersten Blick.

Iran-Krieg: Benzin-Preis ist nur der Anfang

Öl und Gas sind nicht einfach Energiequellen für Autos oder Heizungen. Sie sind die Grundstoffe der heutigen Wirtschaft. Sie treiben Lastwagen an, die Lebensmittel transportieren. Sie betreiben Maschinen in der Landwirtschaft. Sie stecken in Kunststoffen, Verpackungen, Chemikalien und vielen Industriegütern. Sie bestimmen, wie teuer Produktion, Logistik und Dienstleistungen sind. 


Das könnte dir auch interessieren

Wenn der Preis dieser Inputs steigt, wird nicht nur das Tanken teurer. Es wandert durch die Wirtschaft. Transport wird teurer, also werden Waren teurer. Produktion wird teurer, also steigen die Preise im Handel. Restaurants zahlen mehr für Energie und Lebensmittel, also steigen auch dort die Preise. So wird aus einem Ölpreisschock oft ein Inflationsschock.

Deshalb sind Energiepreise politisch so heikel. Sie wirken wie ein Stoß am Anfang einer Dominoreihe. Ein Preissprung bei Öl oder Gas löst eine Kettenreaktion aus. Und weil Energie überall steckt, kann sich diese Kettenreaktion sehr schnell durch den gesamten Warenkorb bewegen.

Beispiel: Preisschock nach Angriff auf Ukraine

Man konnte das gut in der Energiekrise beobachten, die durch den russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöst wurde. Zuerst explodierten Gas- und Strompreise. Dann wurden Lebensmittel teurer. Dann Dienstleistungen. Am Ende waren die hohen Preise überall.

Damals lautete die Antwort der Politik: Der Staat gibt den Menschen Geld, damit sie die höheren Preise bezahlen können. Es gibt also Geldtransfers statt Preiseingriffen. Wenn der Preisschock ungebremst durch die Wirtschaft läuft, wird er Teil der allgemeinen Preisstruktur. Unternehmen kalkulieren mit höheren Energiekosten, Lieferketten passen ihre Preise an, Erwartungen verändern sich. Aus einem temporären Schock kann so eine länger anhaltende Inflationsphase werden. Deshalb haben viele Länder in der letzten Energiekrise etwas getan, das lange als wirtschaftspolitisches Tabu galt: Sie haben gezielt in Energiepreise eingegriffen.

Was andere Länder taten

Frankreich etwa begrenzte die Anstiege bei Strom- und Gaspreisen für Haushalte mit einem sogenannten Tarif-Schutzschild. Modellrechnungen der französischen Zentralbank zeigen, dass dieser Eingriff die Inflation messbar gedämpft hat. Ohne ihn wäre die Teuerung deutlich höher ausgefallen.

Deutschland setzte auf ein anderes Modell: Ein Teil des Energieverbrauchs wurde zu einem gedeckelten Preis angeboten. Wer darüber hinaus Energie verbrauchte, zahlte weiterhin den Marktpreis. Die Idee dahinter ist einfach: Grundbedürfnisse schützen, verschwenderischen Verbrauch nicht subventionieren.

Spanien und Portugal griffen wiederum direkt am Strommarkt ein, um zu verhindern, dass der hohe Gaspreis den Strompreis komplett mit nach oben zieht.

Was Österreich tat

Diese Maßnahmen waren unterschiedlich, manchmal auch umstritten. Aber sie folgten einer gemeinsamen Einsicht: Energiepreise sind kein gewöhnlicher Marktpreis. Wenn sie explodieren, entsteht ein gesamtwirtschaftliches Risiko.

Österreich hat während der Energiekrise ebenfalls reagiert, wenn auch viel später. Etwa mit der Stromkostenbremse. Doch diese Maßnahmen waren befristet, improvisiert und politisch sind sie jedes Mal neu zu verhandeln. Was fehlt, ist ein dauerhafter Krisenmechanismus.

Denn Energieschocks sind keine einmalige Ausnahme. Sie gehören zur Realität einer Welt, in der Energie geopolitisch, klimatisch und wirtschaftlich unter Druck steht. Kriege, Sanktionen, Lieferengpässe oder Extremwetter können jederzeit neue Preisschübe auslösen. 

Automatische Mechanismen nötig

Ein moderner Staat sollte darauf vorbereitet sein. Ein sinnvoller Mechanismus würde automatisch greifen, wenn Energiepreise über bestimmte Schwellen steigen. Er könnte etwa ein Grundkontingent an Energie zu stabilen Preisen sichern, Sozialtarife für Haushalte mit niedrigem Einkommen bereitstellen und Krisengewinne im Energiesektor teilweise abschöpfen, um die Entlastung zu finanzieren.

Das wäre eine kluge Krisenvorsorge. Denn wenn Energiepreise explodieren, geht es nicht nur um Heizkosten oder Spritpreise. Es geht um Inflation, Kaufkraft und wirtschaftliche Stabilität. Denn wenn Öl teurer wird, zahlen am Ende alle. 


Das könnte dir auch gefallen