Kamala Harris wurde 2017 von Joe Biden als Senatorin angelobt. Die steht dem ehemaligen Vize-Präsidenten mit erhobener Hand gegenüber. Die andere Hand ruht auf einer Bibel.

Kamala Harris wurde 2017 von Joe Biden als Senatorin angelobt (Foto: United States Senate/Wikipedia/Public Domain)

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/ 12. August 2020

Joe Biden ist der Präsidentschaftskandidat der Demokraten in den USA. Kurz vor der großen Parteikonferenz hat er nun auch bekannt gegeben, wer mit ihm am Wahlzettel stehen soll. Es ist Kamala Harris. Dabei hat die ihm einen der unangenehmsten Momente im Wahlkampf beschert.

Hier sind vier Dinge, die du über sie wissen solltest:


#1 Demokraten pfeifen auf "Ivy League"

Ein Fun Fact zu Beginn: Mit dem Duo aus Joe Biden und Kamala Harris wird die Demokratische Partei erstmals seit 1984 keinen Kandidaten und keine Kandidatin nominieren, die eine "Ivy League"-Universität besucht haben. So nennt man acht Elite-Universitäten im Nordosten der USA (die bei uns bekanntesten sind Harvard, Princeton und Yale). Mit der historisch afroamerikanischen Howard University in Washington und der University of California hat Harris trotzdem Top-Universitäten besucht. Die Juristin arbeitete sich in Kalifornien erst zur Staatsanwältin hoch und wurde dann zur Attorney General gewählt (eine Mischung aus Generalstaatsanwältin und Justizministerin). Seit 2017 ist sie eine von zwei Senatorinnen des größten Bundesstaates Kalifornien im US-Kongress.


#2 Harris hat einen ungewöhnlichen Hintergrund (für Nominierte)

Harris ist die erste von einer Großpartei nominierte schwarze Frau, die erste Person mit indischem Migrationshintergrund und wäre überhaupt die erste gewählte Frau im Weißen Haus. Sie ist die in Kalifornien geborene Tochter eines schwarzen Wirtschaftsprofessors aus Jamaika und einer tamilischen Krebsforscherin aus Indien, die beide in der Bürgerrechtsbewegung aktiv waren. Ihr Hintergrund gilt den "strategisch" denkenden KommentatorInnen als Vorteil. Darüber hinaus gibt er ihr aber wahrscheinlich eine Perspektive auf die Welt, die auch als Vizepräsidentin jene nicht so leicht vergisst, die nicht weiß sind.

Aufgewachsen ist sie zum Teil im kanadischen Montreal. Vorher hat sie aber eine der ersten Schulen in Kalifornien besucht, in der weiße und schwarze Menschen "integriert" wurden. Ein als "Busfahren" bekanntes Programm brachte sie und andere Kinder aus ärmeren (schwarzen) Vierteln in gemeinsame Schulen in reicheren (weißen) Vierteln. Das war ab den späten 1960er-Jahren eine Maßnahme gegen die Folgen der noch bis heute wirkenden, rassistischen Unterdrückung und Ausgrenzung von Schwarzen in den USA. An diese Erfahrung erinnerte Harris den damals in der Kritik stehenden Biden auch in einem für sie starken und ihn heiklen Moment während einer TV-Debatte, als sie im Frühjahr noch selbst um die Nominierung als Präsidentschaftskandidatin kämpfte.

Auf die TV-Debatte der vor Gericht erprobten und schlagfertigen Rednerin als Gegenüber von Donald Trumps voraussichtlich erneutem Vizekandidaten Mike Pence freuen sich Demokraten wohl bereits.


#3 Bereit? Am ersten Tag

Joe Biden ist 77 und wäre der bei Amtsantritt älteste Präsident aller Zeiten. Das ist sogar gegen den 74-jährigen Trump eine gewisse Angriffsfläche. Bei der Suche nach seiner Vize ging es also auch darum, jemanden zu finden, die im Notfall sofort "ready" wäre. Und siehe da: Ex-Präsident Barack Obama, der ja einst Biden als seinen Vize auswählte, reagierte auf die Nominierung von Harris mit den Worten, sie sei "für den Job mehr als vorbereitet". Harris (55) hat sowohl Regierungserfahrung in Kalifornien als auch in der Gesetzgebung als Senatorin. Ihre Kompetenz kann niemand in Abrede stellen.


#4 Schon links, aber ...

Obwohl Harris im Senat ein aus linker und liberaler Sicht ziemlich überzeugendes Abstimmungsverhalten an den Tag gelegt hat, gehört sie nicht zum in den vergangenen Jahren erstarkten progressiven Flügel der Partei. Sie ist als prinzipientreue Politikerin bekannt, die eher nach kleineren Korrekturen und greifbaren Projekten als großen Veränderungen strebt. 

Programme wie eine allgemeine, staatliche Gesundheitsversorgung oder eine gerechte Besteuerung von Reichen unterstützt sie eher zögerlich oder nur teilweise. Als schwarze Amerikanerin, die für Reformen der Polizeiarbeit eintritt, als eher harte Staatsanwältin aber auch mit der Polizei zusammen arbeitete, ist sie eine spannende Person - gerade in Zeiten der Polizei-kritischen "Black Lives Matter"-Bewegung. Als Attorney General hat sie sich zudem als harte Verhandlerin gegenüber Banken erwiesen. Und sie ist eine der prominentesten Stimmen für einen "Green New Deal", der weitreichendere Schritte und Investitionen im Kampf gegen die Klimakrise fordert. 

 

Harris kann als Kandidatin gesehen werden, die Progressive vielleicht nicht begeistert, aber auch nicht verstört. Zumal vier Jahre mit Donald Trump für die Partei-Linke auch eine Horrorvorstellung sind. Ihre Galionsfiguren Bernie Sanders und Elisabeth Warren haben die Nominierung von Harris nicht von ungefähr sehr rasch begrüßt. Zudem ist sie auch für republikanische WählerInnen wählbar, die von den Eskapaden des Rechtsdemagogen Trump endgültig genug haben.

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