Keine Kinderbetreuung: Ich kann nicht so viel arbeiten, wie ich gerne möchte
Vorneweg: Wenn du ein kleines Kind hast und arbeiten musst, geht es oft wahrscheinlich irgendwie. Aber wieso muss das so sein? Warum ist das System in vielen Bundesländern so starr?
Ich weiß eh warum: Kindergärten werden von der Gemeinde finanziert. Die geben auch die Öffnungszeiten vor. Gerade in kleinen Gemeinden machen aber häufig ältere Männer Politik. Und wenn etwas zuerst einmal vor allem Frauen betrifft, ist es dann eben nicht so wichtig.
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Dazu gibt es oft so eine konservative Perspektive, in der wir Frauen uns automatisch um die Kinder kümmern. Ich habe noch nie so etwas gehört wie: „Wir müssen Nachmittagsbetreuung anbieten, weil die Papas arbeiten müssen.“ Und die Mütter sollen höchstens ”auch ein paar Stunden arbeiten“ können.
Das betrifft fast alle (Frauen)
Aber ich will eine Karriere und nicht den ganzen oder halben Tag unsere Kinder versorgen - und ich will Kinder, die auch ihren Papa im Alltag haben.
Überhaupt: Mein Mann und ich wollen als Paar funktionieren. Aber wenn es keine Betreuung gibt, dann muss entweder mein Mann oder ich die Kinder am Nachmittag betreuen. Das heißt dann: Eine:r arbeitet bis Mittag, kümmert sich am Nachmittag um den Nachwuchs - am Abend wird wieder gearbeitet.
"Das musst du dir leisten können"
Dabei haben wir noch recht flexible Jobs. Ich arbeite zum Beispiel in einem Büro. Andere in der Pflege oder im Einzelhandel stehen vor größeren Herausforderungen. Aber im Endeffekt betrifft es alle Berufsfelder. Wir müssen uns an diesem System ausrichten. Wieso richtet sich das System nicht nach den Bedürfnissen von Familien?
Ich arbeite deshalb auch nicht Vollzeit. Das musst du dir leisten können, aber anders geht es nicht. Weil wir zuerst eines, dann zwei Schulkinder hatten. Darum arbeite ich unter dem Jahr mehr Stunden, um im Sommer Zeitausgleich zu haben. Das geht sich nur bei Teilzeit aus.
Ich sage es, wie es ist: Diese neun Wochen im Sommer sind der absolute Horror. Denn die Belastung im Sommer ist nur ein Symptom eines viel grundlegenderen Problems, das schon viel früher beginnt.
"Das Kind ist zu klein"
Fangen wir von vorne an. Wir hatten uns für das Karenzmodell 12+2 entschieden. Sprich: Ich bin ein Jahr zuhause, dann mein Mann zwei Monate. Nach diesen 14 Monaten wollten wir unser Erstgeborenes in die Krabbelstube geben.
Gemeinde und Kindergarten meinten, dass sie so junge Kinder nicht nehmen dürfen. Erst ab 18 Monaten sei das möglich. Die Bildungsdirektion sagte mir: Das stimmt nicht.
Extrakosten bei Kinderbetreuung
Die Krabbelstube wäre gratis gewesen. Aber wenn die die Kinder nicht nehmen, musst du als Alternative eine Tagesmutter zur Überbrückung bezahlen. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir uns das leisten können. Doch was ist mit denen, die das nicht können?
Ich kenne mittlerweile einige Fälle, wo Tagesmütter es ablehnten, die Zeit zwischen 14 und 18 Monaten zu „überbrücken“. Die Eingewöhnungsphase ist für die Kinder stets schwierig – und es kostet die Tagesmutter mehr Nerven, als es ihr finanziell bringt.
Flexibilität? Fehlanzeige!
Als die Kinder dann endlich im Kindergarten waren, wurde es auch nicht wirklich einfacher. Dann war zuerst eines, dann das Zweite im Kindergarten. Am Vormittag ist der Kindergarten beitragsfrei, am Nachmittag kann man in unserem Bundesland nur zwischen zwei, drei oder fünf Nachmittagen Betreuung wählen. Nein, ausgerechnet vier sind nicht möglich! Und das, obwohl es in der Arbeitswelt nicht unüblich ist, vier lange und einen kurzen Tag zu haben.
Flexibilität ist zudem kaum möglich. Wenn du beispielsweise drei Tage angegeben hast – also beispielsweise Montag, Dienstag und Donnerstag – dann kannst du nicht kurzfristig Mittwoch und Donnerstag tauschen. Das geht nur, wenn dir der Kindergarten entgegenkommt. Die Arbeitsstelle fragt da selten nach.
Oder: Bei uns am Land fährt der Zug einmal in der Stunde in die nächstgrößere Stadt – nicht alle zehn Minuten. Trotzdem muss man sich bei der Betreuung an starr festgelegte Öffnungszeiten halten.
Dazu kommen noch ein paar Absurditäten. Während der Herbstzeiten lassen sich Einrichtungen bestätigen, dass man an Zwickeltagen eh wirklich arbeiten geht – vom Arbeitgeber. Wer Lehrer:in ist, darf das Kind in den Sommerferien sowieso nicht hinschicken. Und zu all dem Stress kommen dann auch noch Kommentare von außen.
Kinderbetreuung am Land: Eine "ang’hängte Gosch’n"
In unserem Freundeskreis war es weitverbreitet, dass die Mamas recht schnell wieder arbeiten gehen. In der engeren Familie wurde auch akzeptiert, dass mein Mann und ich das ausgemacht hatten. So manche Verwandte hat dann aber schon anklingen lassen, dass es schon weniger Stress für alle bedeuten würde, wenn ich nur bei den Kindern wäre.
Draußen hört man es dann so richtig: „Aha, und jetzt sitzen die Mamas im Kaffeehaus! Darum haben sie die Kinder in der Betreuung!“ Lustigerweise sind es dann eher Konservative, die sich darüber aufregen, wenn Kinder früh in den Kindergarten gehen. Wenn man die fragt, wie sie selbst die Betreuung regeln, hört man dann: das macht die Oma oder eine Tagesmutter.
Es könnte anders sein
Es scheint also in Wahrheit auch für die und insgesamt für viele nicht zu klappen. Und mit dem Kindergarten endet es ja in Wirklichkeit auch noch nicht. Sogar jetzt, wo die Kinder in der Schule und selbstständiger sind, brauchen wir immer noch eine Excel-Liste, um die neun Wochen im Sommer zu schaffen – und ich denke schon, dass das alles viel besser gehen würde, wenn man nur will.
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