Ungleichheit

Künftig kostenpflichtige Pissoirs in Salzburg: “Männer pinkeln irgendwohin und Frauen zahlen noch mehr fürs Klo”

Männer pinkeln gratis, Frauen müssen zahlen. Immer wieder wird das zurecht kritisiert. Die Stadt Salzburg will diese Ungleichbehandlung nun abschaffen, indem Pissoirs für Männer auch nicht mehr gratis sein sollen. Statt Gleichberechtigung wird das Ergebnis wohl sein: Männer pinkeln irgendwohin und Frauen zahlen noch mehr fürs Klo. Lisa Wohlgenannt kommentiert.

Bei einigen WC-Anlagen sind die Pissoirs gratis und die Kabinen kostenpflichtig. Männer können also gratis pinkeln, während Frauen dafür zahlen müssen. Gegen diese Ungleichbehandlung gab es bereits Petitionen, Prüfungen und Interventionen durch die Volksanwaltschaft, ein Schlichtungsverfahren bei der Antidiskriminierungsstelle und nun eine Klage gegen die Stadt Wien. MOMENT.at berichtete.

Geändert hat sich in der Bundeshauptstadt bislang nichts. Die Stadt Salzburg hingegen hat nun das “Ende des unfairen Vorteils für Männer” angekündigt, wie der Standard schreibt. Die Stadt schafft Gratis-Pissoirs ab. Statt gratis Klos für alle kostet in Salzburg dann auch die Nutzung des Pissoirs. Und bei der Gelegenheit werden die Preise erhöht. Von 50 Cent auf 1 Euro pro Klogang. Damit werden in der Theorie zwar alle gleich behandelt, in der Praxis wird das aber nicht funktionieren. 


Das könnte dir auch interessieren

Warum pinkeln Männer gratis und Frauen müssen zahlen?

Die offizielle Begründung für die kostenpflichtigen Klos ist: Saubere und vandalismussichere Klos sind teuer. In Wien seien nur jene WCs kostenpflichtig, in denen Reinigungspersonal anwesend sei. Außerdem kostet die Nutzung jener Anlagen, die über automatisierte Reinigungssysteme verfügen. Der Betrieb der WC-Anlagen koste jährlich mehrere Millionen Euro. Durch die Klogebühren nehme man immerhin 300.000 Euro ein. Alle anderen - und damit der Großteil der WC-Anlagen - seien in Wien für alle Nutzer:innen kostenlos. 

Eine Rechtfertigung dafür, dass die Pissoirs kostenlos sind, war bislang: Die Kabinen müssen ja sowohl Frauen als auch Männer zahlen, deswegen könne “keine Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlecht erkannt werden”. Das war 2010 das Ergebnis einer Prüfung durch die Gleichbehandlungskommission des Bundeskanzleramts. Die Stadt Wien beruft sich bis heute darauf. Das Problem dabei ist offensichtlich: Zwar müssen alle für das kostenpflichtige Angebot zahlen, aber nicht alle können das kostenlose Angebot nutzen. Pissoirs sind einfach nicht für Frauen gemacht. 

Doch die Ungleichbehandlung ist mit den Kosten für das Pissoir noch nicht aufgehoben. 

Frauen müssen häufiger aufs Klo

Im Jänner 2026 gab es eine Petition, in der die Abschaffung der Kostenpflicht für alle öffentlichen WCs gefordert wurde. Die Inititator:innen betonten, dass Frauen besonders betroffen sind von den Gebühren: Nicht nur, weil sie die Gratis-Pissoirs eben nicht nutzen können. Sie müssen zudem häufiger Toiletten aufsuchen. Erstens, weil sie öfter mit Kindern unterwegs sind, die nunmal auch aufs Klo müssen. Menstruation, Schwangerschaft, Blasenentzündung und Blasenschwäche führen zusätzlich dazu, dass Frauen öfter auf die Toilette müssen. 

Die Kosten treffen Frauen also stärker als Männer. 

Klos in Salzburg: Fair ist es erst, wenn alle pinkeln können

Außerdem: Auch benachteiligte Gruppen wie wohnungslose oder chronisch kranke Menschen leiden stark unter den Gebühren. Ebenso Menschen mit niedrigen Einkommen, was statistisch gesehen auch eher Frauen sind. Weil Frauen weniger bezahlt bekommen (Gender Pay Gap), häufiger die Carearbeit übernehmen und weniger Stunden einer Erwerbsarbeit nachgehen können (Gender Care Gap), seltener in Führungspositionen befördert werden und wegen all dieser Gründe häufiger von Altersarmut betroffen sind (Gender Pension Gap). 

Während also alle pinkeln müssen, können sich das manche schlicht nicht leisten. Und Frauen können auch nicht ausweichen. Sie werden wohl nicht drumherum kommen, für’s Klo zu zahlen. Und in Salzburg werden sie künftig sogar noch mehr Geld dafür ausgeben müssen. Währenddessen können Männer trotzdem gratis pinkeln und werden das zumindest in Teilen auch tun. Wir haben es alle schon erlebt: Steht gerade kein (gratis) Klo zur Verfügung, pinkeln Männer halt wild - an Büsche, zwischen Autos, hinter Hauswände.

(Um die Kommentare gleich vorwegzunehmen: Frauen können rein theoretisch auch einfach irgendwohin pinkeln, ja. Es ist für sie jedoch deutlich gefährlicher. Frauen sind öfter Opfer sexualisierter Gewalt. Sich im öffentlichen Raum zu entblößen ist nicht sicher. Und mit heruntergezogener Hose kann man im Zweifelsfall auch nicht flüchten. Also nein, sie können in der Praxis nicht einfach wie Männer irgendwohin pinkeln.)

Das Ergebnis in Salzburg wird also sein: Männer pinkeln überall hin und Frauen zahlen noch mehr fürs Klo.

Wir brauchen nicht kostenpflichtige Klos für alle, sondern gratis Klos für alle. Den “unfairen Vorteil für Männer”, wie der Standard schreibt, werden wir nur abschaffen, wenn endlich alle gratis pinkeln können. 


Das könnte dir auch gefallen