WIFO-Chefökonom Felbermayer will Pensionsantritt erst ab 67. Zeit für einen Faktencheck.
WIFO-Chef Gabriel Felbermayr sprach sich in der ORF „Pressestunde“ dafür aus, das gesetzliche Pensionsantrittsalter langfristig auf 67 Jahre anzuheben. Österreich könne sich nicht von der internationalen Entwicklung und der steigenden Lebenserwartung abkoppeln, argumentiert er. Doch ein Blick auf die Fakten zeigt, dass bei der Debatte eine Pausetaste angebracht wäre.
Österreich hat sein Pensionssystem längst reformiert
Das österreichische Pensionssystem wurde in den vergangenen Jahren mehrfach reformiert. Gerade wird das gesetzliche Antrittsalter von Frauen schrittweise um fünf Jahre erhöht. Gleichzeitig zeigen langfristige Prognosen, dass die Pensionsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung weitgehend stabil bleiben.
Viele schaffen es schon heute nicht bis 65
Das größere Problem liegt am Arbeitsmarkt: Nicht einmal jeder zweite Mann zwischen 60 und 64 Jahren ist erwerbstätig. Viele Menschen werden zudem bereits krank, bevor sie das gesetzliche Pensionsalter erreichen. Wer das Antrittsalter erhöht, ohne die Arbeitsbedingungen und Beschäftigungschancen Älterer zu verbessern, verschiebt die Kosten daher nur in die Arbeitslosen- und Krankenversicherung oder in andere Sozialleistungen.
Länger leben heißt nicht automatisch länger gesund arbeiten
Seit 2010 ist die Lebenserwartung in Österreich um rund ein Jahr gestiegen, während das tatsächliche Pensionsantrittsalter um mehr als drei Jahre gestiegen ist. Die Menschen arbeiten somit bereits deutlich länger, ohne entsprechend mehr Zeit in Pension zu verbringen. Besonders hart würde eine Pension mit 67 Menschen mit niedrigen Einkommen treffen, die im Durchschnitt früher erkranken und sterben.
Deutschland ist kein Vorbild
Felbermayr verweist auf Deutschland, wo das Pensionsalter schrittweise auf 67 Jahre steigt. Dort sind allerdings bereits 19,5 Prozent der Menschen ab 65 Jahren armutsgefährdet. Auf Österreich umgelegt wären das rund 50.000 zusätzliche Betroffene. Statt das Pensionsalter weiter zu erhöhen, braucht es deshalb gute und gesunde Arbeitsplätze bis zum bestehenden Antrittsalter sowie eine sachliche Debatte über die tatsächliche Entwicklung des Pensionssystems.
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