Ein Bub sieht traurig auf den Boden. In Zeiten von Quarantäne wegen des Coronavirus sind Kinder und Frauen besonders gefährdet, Opfer von häuslicher Gewalt zu werden.
In Zeiten von Quarantäne wegen des Coronavirus sind Kinder und Frauen besonders gefährdet, Opfer von häuslicher Gewalt zu werden.
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/ 16. März 2020

Während es sich manche im Home Office gemütlich machen, um die schnelle Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, bedeutet die Isolation für andere Menschen Gefahr. ExpertInnen befürchten, dass die vermehrte gemeinsame Familienzeit zu Hause zu verstärkter Gewalt, besonders gegen Frauen und Kinder, führen wird - in China haben sich die Vorfälle verdreifacht, melden FrauenrechtlerInnen.

Direkt Betroffene können weiterhin rund um die Uhr bei der Frauenhelpline anrufen. Aber auch du kannst etwas tun, wenn du beunruhigende Geräusche aus den Nachbarwohnungen hörst. Wir haben 4 Tipps zusammengestellt:

#1 Anklopfen und nach Zucker fragen

“Wichtig ist, die Gewalt zu unterbrechen”, sagt Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF). Du kannst einfach anklopfen und um etwas bitten: Zucker, ein Ladegerät fürs Handy. Damit zeigst du der Betroffenen und dem Täter, dass du da bist und mitbekommst, was passiert, ohne jemanden zu beschuldigen oder die Situation weiter zu eskalieren.

#2 Hör genau hin

Es ist nicht immer leicht, herauszuhören, was ein Streit ist und wo Gewalt beginnt. Die Chancen stehen gut, dass deine NachbarInnen ebenfalls zu Hause sind. Frag sie, ob sie die Schreie auch hören und ob sie wissen, was da los ist und ob ihr gemeinsam etwas dagegen unternehmen könnt. Hör genau hin. “Wenn ein Kind geschlagen wird, hört sich das anders an, als wenn es Zähne bekommt”, sagt Rösslhumer. “Das geht unter die Haut.” Wenn die Schreie laut sind, es zusätzlich klingt, als würden Möbel umgeworfen, dann ist es definitiv Zeit einzugreifen.

#3 Ruf das Jugendamt an

“Sobald Sie um ein Kind besorgt sind, rufen Sie an”, sagt Andrea Friemel, Pressesprecherin der Wiener Kinder- und Jugendhilfe. “Es ist nicht Ihre Aufgabe, zu überprüfen, ob das Kind gefährdet ist.” Du kannst dich auch anonym melden und deine Bedenken äußern. Telefonisch oder per Mail sind die SozialarbeiterInnen der Kinder- und Jugendhilfe erreichbar. Du musst dir keine Sorgen machen, dass der Familie das Kind aufgrund kleiner Streitigkeiten weggenommen wird. Das Jugendamt klärt die Situation vor Ort ab. “Das Kind abzunehmen ist immer die allerletzte Möglichkeit”, sagt Friemel. Und wenn die SozialarbeiterInnen draufkommen, dass das Kind nur gequengelt hat, weil es weiter fernsehen wollte, umso besser.

#4 Hol die Polizei

Es geht nicht um Kinder oder du brauchst Hilfe außerhalb der Zeiten des Jugendamts? Ruf die Polizei! Auch hier kannst du anonym bleiben. “Lieber einmal mehr die Polizei rufen als einmal zu wenig”, sagt Rösslhumer, “Und zeigen: Die Nachbarschaft ist aufmerksam.”

 

Hier findest du alle wichtigen Telefonnummern:


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