Ein weißer Mann mit rotem Pulli lacht vor einer blauen Ziegelwand.
Wer erfolgreich ist, der hat etwas geleistet. Oder? Foto: bruce mars on Unsplash
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/ 21. April 2020

Wer etwas leistet, der ist erfolgreich. Wer erfolgreich ist, der hat etwas geleistet. Oder? Chengwei Liu argumentiert in seinem Buch "Glück" (Original: Luck - a key idea for business and society), dass wir die Rolle von Glück unterschätzen. Das sind seine wichtigsten Argumente:

#1 Wir bestrafen Menschen für Pech und belohnen die falschen

Vieles im Leben ist nicht planbar, das gilt für unser Privatleben genauso wie im Job. Glück spielt eine größere Rolle als wir uns bewusst sind.

ManagerInnen können nicht in die Zukunft sehen, müssen aber dennoch Entscheidungen treffen. Wie die Sache ausgeht, hängt aber nicht nur von ihnen ab. Die politische und wirtschaftliche Lage spielt ebenso mit wie die Strategien der Konkurrenz.

Auch wenn sie die gleichen Entscheidungen treffen, kann die eine Person einen Erfolg feiern und die andere eine Niederlage einstecken müssen. Die letztere wird für den ungünstigen Ausgang verantwortlich gemacht, auch wenn sie keine Kontrolle darüber hatte.

Im Gegensatz dazu belohnen wir Menschen, wenn sie unüberlegt eine Entscheidung treffen, die am Ende aufgeht. Auch, wenn ihr Können dazu nichts beigetragen hat.

Dieses Beispiel ist vor allem in der großen Geschäftswelt relevant, in der Glück besonders stark belohnt wird. Extrem hohe Managergehälter spiegeln aber in vielen Fällen nicht den Grad an Fähigkeit wider.

#2 Bei Spitzenleistungen ist Glück oftmals wichtiger als Können

Es gibt diese Menschen, die seit zehn Jahren in die richtigen Firmen investieren, jedes Mal im Casino gewinnen oder ein Unternehmen gründen, das plötzlich Milliarden wert ist. An diesen Menschen sollten wir uns aber nicht orientieren, argumentiert Liu. "Einzigartige Leistungen sind meistens zu gut um wahr zu sein", schreibt er, "sie spiegeln eher einzigartiges Glück wider, nicht Können."

Im Buch zeigt Liu das mit einem einfach Experiment: StudentInnen sollen raten, ob beim Münzwurf Kopf oder Zahl herauskommt. Nach sechs Runden ist ein Student übrig, der jede Runde richtig geraten hat. Ist das ein Abbild seines Können? Bei einer Wiederholung des Spiels wird seine Leistung wohl abfallen. Dieses Phänomen heißt "Regression zur Mitte" und zeigt, wie sich außergewöhnliche Leistungen mit der Zeit wieder an die Mitte annähern, wenn Zufall, also Glück, eine Rolle spielt.

Dasselbe gilt für Firmen, die aufgrund von äußeren Umständen sehr erfolgreich werden. Von 50 Firmen, die in den drei beliebtesten Büchern über Unternehmertum gelistet waren, scheiterten 16 innerhalb von fünf Jahren nach Erscheinen des Buchs. Weitere 23 Unternehmen verschwanden in der Bedeutungslosigkeit.

Wir sollten uns also nicht an den "Stars" orientieren, schreibt Liu schreibt.

#3 Und auch wenn wir richtig gut sind, hatten wir vielleicht am Anfang einfach nur Glück

Das Internet ist voll von Tipps, wie wir von Bill Gates lernen können. Immerhin ist er einer der reichsten Menschen der Welt. Weniger bekannt sind die Umstände, unter denen er die Fähigkeiten entwickeln konnte, die ihn schließlich zum Milliardär machten.

Aufgewachsen in einem wohlhabenden Haushalt schickten ihn seine Eltern an eine Privatschule, die in den 70ern schon Computer hatte. Das war damals ungewöhnlich. So konnte Gates das Programmieren lernen, eine Fähigkeit, die nur wenige besaßen. Die guten Verbindungen seiner Mutter zum IT-Giganten IBM führten schließlich zu einem Deal mit Gates Start-Up.

Wäre Bill Gates heute so reich, wenn er an eine öffentliche Schule ohne Computer gegangen wäre? Wahrscheinlich nicht.

Vergangene Studien haben laut Liu gezeigt, dass ein Schub am Anfang der Karriere große Auswirkungen auf den weiteren Verlauf haben kann. Wer früh einen Erfolg verbuchen kann, wird eher gefördert und kann sich so weitere Fähigkeiten aneignen.

#4 Glück ist eine politische Angelegenheit

Glaubst du, dass du alles schaffen kannst, wenn du nur hart arbeitest? Der Glaube an den Aufstieg durch Leistung ist besonders in den Vereinigten Staaten sehr stark verbreitet. Und das hat Auswirkungen. Studien haben gezeigt, dass der Leistungsglaube im Zusammenhang mit Kürzungen des Sozialstaats steht.

Wir haben die Tendenz, Erfolge als Frucht unserer harten Arbeit zu sehen, Misserfolge tun wir als "Pech" ab. Ein realistischer Blick auf die Rolle von Glück und Zufall kann uns helfen, unser eigenes Leben und das unserer Mitmenschen besser einzuschätzen.

Fazit

Liu beschreibt die Auswirkung von Glück in Gesellschaft, Geschäft und Sport anhand von einfachen Beispielen. Wer sich für die gesellschaftspolitischen Auswirkungen von "Glück" interessiert, sollte vor allem die ersten Kapitel lesen. Später wird es sehr technisch - schließlich ist es ein wissenschaftliches Buch aus dem Bereich "Management". Auch wenn du kein Unternehmen hast und wissen willst, wie du deinen nächsten CEO auswählst, sind die Einblicke in die Wissenschaft von Glück spannend.

Das Cover von Luck: a key idea for business and society von Chengwei Liu. Auf dem Cover ist Tisch zu sehen an dem Männer und Frauen einem Glückspiel nachgehen.

Luck: a key idea for business and society von Chengwei Liu ist für etwa 30 Euro erhältlich.

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