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Demokratie

Was sind die Epstein-Files?

Was sind die Epstein-Files?
Der "Mugshot" von Jeffrey Epstein aus dem Jahr 2019 (Foto: US Marshals Service, Gemeinfrei via Wikimedia)
Die „Epstein Files“ sorgten in den vergangenen Monaten auf der ganzen Welt für Skandale, Rücktritte, Distanzierungen und Spekulationen. Nach jahrelangem öffentlichen Druck musste das US-Justizministerium vor kurzem insgesamt 3,5 Millionen Seiten Dokumente, 180.000 Fotos und 2.000 Videos veröffentlichen. Die Dokumente werfen Licht auf ein weitreichendes Netzwerk aus Politiker:innen, Milliardären und einflussreichen Überreichen.

Tatsächlich handelt es sich bei den „Epstein Files“ um eine Sammlung von Gerichts- und Ermittlungsakten, in denen viele bekannte Namen als Kontakte oder Zeugen auftauchen, ohne dass in der Regel bisher strafrechtlich relevante Beweise gegen sie vorliegen. 

Auch der rechtsextreme US-Präsident Donald Trump wird selbst tausendfach in Dokumenten erwähnt. Das bringt ihn in Probleme und ist etwas ironisch, weil er und seine Anhänger:innen selbst lange die Veröffentlichung forderten. Trump versucht die Bedeutung herunterzuspielen, seit er tatsächlich wieder Präsident ist. Die Frage, wann er von den Verbrechen seines einstigen Freundes wusste, ist höchst brisant.

Wer war Jeffrey Epstein und warum ist sein Fall so bekannt?

Jeffrey Epstein war ein vermögender Investmentbanker und Multimillionär mit weitreichenden internationalen Kontakten. Bereits 2008 wurde Epstein wegen Sexualdelikten an Minderjährigen zu 13 Monaten Haft verurteilt, die er unter sehr lockeren Bedingungen verbrachte. Im Juli 2019 erfolgte erneut eine Anklage wegen des sexuellen Missbrauchs und des Menschenhandels mit Minderjährigen. Die Vorwürfe umfassten die Ausbeutung und den Missbrauch Dutzender Mädchen, einige davon erst 14 Jahre alt, sowie das systematische Anwerben neuer Opfer über Mittäterinnen wie Ghislaine Maxwell. 

Epstein plädierte auf „nicht schuldig“ und wartete ab Juli 2019 in Gewahrsam auf seinen Prozess in New York, der ihm bei einer Verurteilung eine Haftstrafe von bis zu 45 Jahren eingebracht hätte. Er wurde jedoch nicht verurteilt, da er am 10. August 2019 tot in seiner Zelle im Metropolitan Correctional Center in Manhattan aufgefunden wurde. Die Behörden stuften seinen Tod als Suizid durch Erhängen ein. Ein von der Justiz durchgeführter Untersuchungsbericht bestätigte diesen Befund, stellte aber auch schwerwiegende Versäumnisse und Missmanagement im Gefängnis fest.

Was sind die „Epstein Files“?

„Epstein Files“ ist keine offizielle Bezeichnung für ein einziges Dokument, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Gerichts- und Ermittlungsdokumente rund um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. 

Zu den „Epstein Files“ gehören: 

Einen Großteil dieser Dokumente haben die zuständigen Behörden über Jahre unter Verschluss gehalten oder nur geschwärzt veröffentlicht. Teils ging es um den Schutz laufender Verfahren, teils tatsächlich darum, Opfer zu schützen -  teils besteht der Verdacht, dass das nur ein Vorwand sein könnte. Manchmal wurde auch diletantisch geschwärzt: Internetnutzer konnten einige der geschwärzten Inhalte entschwärzen.  

Seit 2023 geben Gerichte und Justizbehörden die Dokumente nach und nach frei, teils unter öffentlichem Druck. Im Juli 2025 brachten Abgeordnete der Demokraten und nach langem Widerstand auch die Republikaner gemeinsam den Epstein Files Transparency Act im US-Repräsentantenhaus und im Senat ein. Das Gesetz verpflichtete das US-Justizministerium (DOJ), alle nicht klassifizierten Epstein-Akten in durchsuchbarer Form zu veröffentlichen.

Seit Dezember 2025 veröffentlichte das DOJ fünf Aktenpakete und damit insgesamt 3,5 Millionen Seiten Dokumente, 180.000 Fotos und 2.000 Videos veröffentlicht.

Gibt es eine geheime Epstein-Klientenliste („Client List“)?

Nein, nach aktuellem Kenntnisstand nicht - zumindest nicht als einzelne geheime Liste von VIP-Klient:innen. Das FBI erklärte mehrfach: Es existiert keine vollständige, verifizierte Liste aller mutmaßlichen Täter oder „VIP-Klienten“.

Die Vorstellung einer geheimen „Epstein‑Klientenliste“ – mit angeblichen Tätern, Komplizen und Vertuschern – entspringt Verschwörungsmythen rund um Jeffrey Epstein. 

Im Frühjahr 2025 erhielt diese Idee durch eine Aussage von Trumps Justizministerin Pam Bondi neue Aufmerksamkeit. In einem TV‑Interview behauptete sie, eine solche Liste liege „auf ihrem Schreibtisch“ und werde bald veröffentlicht. Doch kurz darauf rissen DOJ und FBI die Aussage zurück und erklärten ausdrücklich: Es gibt keine Belege dafür, dass eine „Client List“ existiert. 

Diese öffentliche Aussage – gefolgt von einer klaren Widerlegung – befeuerte weitere Spekulationen: Die Idee einer geheimen “Epstein-Klientenliste” entspringt einer vereinfachten Vorstellung, die durch die öffentlichen Aussagen verschiedener Politiker:innen und Behörden gerade auf Social-Media immer wieder befeuert wurde. 

Belegt sind hingegen zahlreiche Verbindungen bekannter Personen zu Jeffrey Epstein. Darunter Donald Trump, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, Microsoft-Gründer Bill Gates, Steve Bannon, Palantir & PayPal Mitgründer Peter Thiel, Elon Musk, der Wissenschaftler und politische Publizist Noam Chomsky und CEO des World Economic Forums, Mona Juul

In den Epstein-Files werden Tausende weitere bekannte und weniger bekannte Personen erwähnt. Wichtig ist: Nicht alle Personen pflegten deshalb intensiven Kontakt zu Jeffery Epstein und auch der direkte Kontakt wirft zwar moralische Fragen über den unbekümmerten gesellschaftlichen Umgang mit einem verurteilten Sexualstraftäter auf, ist aber nicht gleichbedeutend mit einer Verwicklung in seine kriminellen Tätigkeiten. 

Viele Erwähnungen in den veröffentlichten Dokumenten stammen aus Epsteins E-Mails, einseitigen Erwähnungen in seinen persönlichen Notizen, Fotos von öffentlichen Events oder Zeugenlisten aus Ermittlungsverfahren, und implizieren keine Verwicklung in seine Verbrechen.

Warum wird der Epstein-Fall politisch so stark diskutiert?

2025 ist das Thema „Epstein Files“ wieder aktuell, weil Donald Trump während seines Wahlkampfs 2024 zugesagt hatte, im Fall eines Wahlsiegs für volle Transparenz zu sorgen – insbesondere auch mit Blick auf sämtliche angeblich verborgenen Epstein-Dokumente. Dieses Versprechen wurde von Teilen der MAGA-Bewegung und konservativen Influencern massiv aufgegriffen und instrumentalisiert, oft verbunden mit dem Vorwurf, die “Eliten” würden sich gegenseitig schützen und zentrale Informationen zurückhalten. Und auch Trumps Name selbst tauchte in den bekannt gewordenen Akten immer wieder auf. 

Seit 2023 - also noch unter der Regierung von Präsident Joe Biden - wurden Teile der Akten veröffentlicht. Im November 2024 wurde Trump erneut zum US-Präsidenten gewählt. Im Frühjahr 2025 gab dann US-Justizministerin Pam Bondi ein weiteres Paket an Unterlagen zu Epstein frei. Die veröffentlichten Dokumente enthielten aber zum Großteil nur bereits bekannte Inhalte, was viele Anhänger und politische Kommentatoren enttäuschte und zu erneutem Misstrauen gegenüber Trumps Regierung führte. Die Hoffnungen auf neue Enthüllungen oder eine umfassende „Klientenliste“ wurden dadurch nicht erfüllt. 

Erst der gegen den Wunsch von Trump verarbschiedete Epstein Files Transparency Act führte zu einer umfangreichen Veröffentlichung jener Dokumente, die jahrelang geheim gehalten wurden. Nach monatelangem Druck verlor Donald Trump die Unterstützung einiger enger Verbündeter. Damit wurde eine Mehrheit für die Veröffentlichung der Dokumente im Parlament hergestellt.

Es sind noch immer bei weitem nicht alle Akten veröffentlicht. Aber die schier unendlich scheinende Anzahl an neuen Dokumenten, Fotos und Videos führte zu zahlreichen neuen Erkenntnissen und warf mindestens genau so viele neue Fragen auf. Jeffrey Epsteins Netzwerk an hochrangingen Politiker:innen auf der ganzen Welt, einflussreichen Personen und Überreichen sorgt aktuell für viel Aufmerksamkeit. Mitgliedern von Königsfamilien wurde der Status entzogen, Politker:innen in Europa traten zurück, Tech-Milliardäre versuchen engere Kontake zu Epstein kleinzureden und neue Verschwörungstheorien entstehen - nicht zuletzt, weil immer wieder bereits veröffentlichte Datensätze von der offiziellen Seite des DOJ verschwinden. 

Welche Konsequenzen die eben veröffentlichten 180.000 Fotos und 2.000 Videos nach sich ziehen werden, ist schwer abzusehen.

Welche Verbindungen hatte Epstein nach Österreich?

In den kürzlich veröffentlichten Epstein-Dokumente tauchen auch bisher unbekannte Verbindungen zu Österreich auf. Ende Dezember wurden Dokumente veröffentlicht, die zeigen, dass Jeffrey Epstein einen österreichischen Pass besessen haben soll. Dieser war von 1982-1987 gültig. Die Grünen haben deshalb eine parlamentarische Anfrage an Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) gestellt. Diese soll klären wann und ob Ermittlungen stattgefunden haben.

Laut einem Bericht des Standards soll das International Peace Institute (IPI) mit Sitz in Wien offenbar eine wichtige Rolle in Jeffrey Epstein’s Netzwerk gespielt haben. Der damalige Präsident des IPI, Rød-Larsen, pflegte enge Kontake mit Jeffrey Epstein. Zwischen 2010 und 2020 flossen rund 650.000 Dollar an das Institut. In dem Bericht wird auch erwähnt, dass Terje Rød-Larsen Opernball-Einladungen und Immobilienbesichtigungen für Epstein organisierte.

Wie kommt Sebastian Kurz vor?

Rød-Larsen vermittelte offenbar auch politische Treffen mit Epstein. Auch der Name von Sebastian Kurz tauchte in den Epstein-Dokumenten auf. Rød-Larsen bezeichnete ihn in einem Chat als einen guten Freund mit dem er in der vergangenen Woche SMS-Kontakt hatte. Der Standard betont, dass es keine Hinweise auf ein tatsächliches direktes Treffen zwischen Bannon, Epstein und Kurz gab. Kurz selbst taucht zwar bei versuchten Kontaktvermittlungen, aber nicht mit eigenen Nachrichten in den Akten auf.

Wie kommt Eva Dichand vor?

Ebenfalls in den Epstein Files vertreten ist die Herausgeberin der “Heute”, Eva Dichand. Sie ist auch die Ehefrau von Krone-Herausgeber Chrstoph Dichand. In ihrem Fall geht es auch um Dokumente, die einen direkten Kontakt mit Epstein darstellen. 

Als ihr Name im November 2025 erstmals in den Akten entdeckt wurde, sagte sie, sie kenne Epstein erst durch “den bekannten Skandal”. Über ihren Anwalt betonte Eva Dichand gegenüber dem Standard, sie wäre weder auf Besuch bei Epstein gewesen, noch er bei ihr.

Bei diesen Mails ging es um einen Besuch beim Life-Ball 2012. Es gab dabei tatsächlich keinen direkten Kontakt zwischen Dichand und Epstein. Der Investor Boris Nikolic, den Dichand bei einem World Economic Forum getroffen haben soll, leitete im Mai 2012 eine Mail von Dichand an Epstein weiter, die das Abendprogramm beschreibt. In dieser Mail klärt Epstein darüber auf, wer Dichand ist. Die beiden dürften sich also tatsächlich nicht gekannt haben. Dichand selbst nimmt an dieser Konversation  auch nicht teil und richtete dem Standard aus, von dieser Weiterleitung habe sie nichts gewusst. Zu einem tatsächlichen Besuch Epsteins beim Life Ball ist es nach allen bisher bekannten Informationen nicht gekommen.

Allerdings zeigen spätere, erst Anfang 2026 veröffentlichte Emails, dass Dichand im Oktober 2012 Mails an Epstein schrieb. Darin informierte sie ihn darüber, dass sie auf der Karibikinsel Mustique das “Haus von Brian Adams” bewohne. Er könne gern vorbeikommen. 

ZackZack und derStandard haben E-Mails in den Akten entdeckt, in denen der Investor Boris Nikolić sich eine Woche vor dieser Einladung bei Dichand bedankt, ihn und Jeffrey Epstein “in ihrem neuen Zuhause” - offenbar in Paris - empfangen zu haben. “Ich bin so glücklich, dass zwei Menschen, die ich sehr mag und respektiere sich endlich getroffen haben”, schreibt Nikolic kurz nach Mitternacht an Dichand und Epstein. Sie antwortet am Morgen danach “Hi Boris, Hi Jeffrey! So nice y came by”. Sie sei in der Woche wieder in Paris, wenn einer der beiden anderen da wäre, solle er sich melden. Epstein antwortet “Lasst uns versuchen, einen Kaffe zu trinken”. Dichand: “Ja, jederzeit”.

Einige Wochen später im Dezember 2012 scrheibt Dichand erneut Epstein und fragt, ob er vor Weihnachten noch einmal in Paris sei. Epstein antwortet allerdings, er sei vermutlich den Rest des Jahres in der Karibik. 

In den bisher veröffentlichten Akten sind auch noch Mails aus Juli 2013 zu finden, in denen Nikolic versucht Dichand und Jeffrey Epstein “wieder zu verbinden” (“reconnect”), da beide sehr oft in Paris seien. Dichand selbst fragte Nikolic in der Mail unmittelbar davor nach “Larry Epsteins” E-Mail-Adresse. Nikolic nimmt daraufhin Jeffrey Epstein in die Konversation dazu und schreibt an Dichand: “Ich glaube, ihr beide habt in der Vergangenheit Mails ausgetauscht - kurz nachdem Jeffrey und ich dich in Paris besucht haben”. 

Auch nach diesen Entdeckungen richtete Dichand über ihren Medienanwalt dem Standard aus "niemals auf Besuch bei Herrn Epstein oder umgekehrt" gewesen zu sein. Sie sei auch nie auf “Epstein Island” gewesen oder habe eine Einladung ausgesprochen. An diese Korrespondenz vor etwa 14 Jahren könnne sie sich nicht erinnern.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 16. Juli 2025 und wurde am 19. November 2025 und am 12. Februar 2026 um die aktuellsten Informationen erweitert. 

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