Moment mal! Wer betreut deine Kinder? Dein Problem!
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/ 8. April 2020

Seit 4 Wochen sind alle Kinder und Jugendlichen zuhause. Keine Schule, kein Kindergarten, kein Hort. Dafür wurde allen berufstätigen Eltern ein Sonderurlaub versprochen, weil wohin mit den lieben Kleinen? Hört sich gut an, nur: Das hängt vom Wohlwollen der Chefs ab. 

Moment Mal!

Ihr habt Kinder? Uns doch egal! Sonderurlaub gibt es nur, wenn der Arbeitgeber Ja sagt. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht. Nun wurde die Schließung der Schulen auch noch verlängert: Bis Mitte Mai sind Schulen, Kindergärten, Horte und Tagesmütter geschlossen. Mindestens. Sonderurlaub ist keiner mehr vorgesehen. 

Bundeskanzler Sebastian Kurz meint: Wenn man es gar nicht mehr aushält, kann man sein Kind ja tageweise in die Betreuung schicken. Hab ich was verpasst? Arbeiten wir jetzt in Österreich nur mehr tageweise? Haben Supermärkte, Krankenhäuser oder all die kleineren Geschäfte, die Montag wieder aufsperren dürfen, nur tageweise offen?

Ganz abgesehen davon, dass uns seit Wochen eingeschärft wird, uns und andere nicht zu gefährden und nur ja zu hause zu bleiben.  Das Mantra "Bleiben Sie zuhause" begleitet uns nun schon seit Wochen.

Aber was bringt das, wenn ich meine Kinder dann tageweise zur Betreuung in die Schule oder den Kindergarten schicke? Damit sie sich und andere gefährden? Und jene Eltern, die zum Beispiel  als Krankenpfleger arbeiten, die sind ja darauf angewiesen, dass sie ihre Kinder jetzt in einen de facto leeren Kindergarten schicken können –  Weil sie sie hinschicken müssen, und wenn schon, dann bitte mit möglichst wenig Kontakt.

Um das mal in Verhältnis zu setzen: Die Hälfte aller berufstätigen Eltern hat Kinder unter 12. Die Hälfte. Das sind 320.000 Haushalte oder 1,3 Millionen Menschen. 6 von 10 Kindern zwischen 6 und 12 werden im Hort oder in der Ganztagesschule betreut.

Sollten die Schulen tatsächlich Mitte Mai wieder aufsperren, dann haben Eltern insgesamt 9 Wochen Kinderbetreuung privat geschultert. Wie haben sie das geschafft? Zum Beispiel indem sie ihren Jahres-Urlaub aufgebraucht haben. Kaum sind die Schulen nach Corona wieder offen, machen sie übrigens wieder zu: Die Sommerferien stehen vor der Tür. Nur: Der Urlaub ist dann für die meisten schon weg. Und die Großeltern können diesen Sommer sicher noch nicht einspringen, so gern sie das auch tun würden. 

Besonders schwierig haben es Alleinerziehende, für die geht es ja schon normalerweise mathematisch nicht aus ... 5 Wochen Urlaub - 9 Wochen Sommerferien. 

Was es dringend braucht: Zumindest für den Corona-Sommer 2020 braucht es zusätzliche kostenfreie Betreuungsangebote für die Ferienzeit und einen Rechtsanspruch auf Sonderurlaub für alle Eltern mit Kindern unter 12. 

Links und Quellen:

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