Ilse Arlt

Sozialforscherin Ilse Arlt betrieb erstmals Forschung über Armut und wie Betroffenen effektiv geholfen werden kann.

Maria Szöllösi

/ 20. März 2021

Wir zelebrieren den März als "Women's History Month". Jeden Tag stellen wir eine außergewöhnliche Österreicherin vor. Denn oft werden Frauen von der Geschichte und der Gesellschaft ignoriert und unterschätzt. Diesmal: Ilse Arlt.

 

Die Forscherin und Wegbereiterin der modernen Sozialarbeit Ilse Arlt wurde 1876 in Wien geboren und wuchs in einer großbürgerlichen Familie auf. Der Vater war Augenarzt, die Mutter Malerin. Ihre Eltern waren bereits sozial engagiert und im Haus wurde oft über soziale Probleme diskutiert, was Arlt prägte. Als sie 16 Jahre alt ist, übersiedelt die Familie nach Graz.

Beruf als Erzieherin war wegen Krankheit nicht möglich

Arlt wurde zunächst von ihrer Mutter unterrichtet und bereitete sich später selbst auf die Staatsprüfungen in Latein und Englisch vor. Sie wollte als Erzieherin arbeiten, doch aus gesundheitlichen Gründen konnte sie diesen Beruf nicht ausüben. Sie besuchte Vorlesungen in Nationalökonomie und Sozialwissenschaft zunächst als außerordentliche Hörerin und forschte über Armut, und wie Betroffenen geholfen werden kann. 

Ihre Aufsätze fanden in der Fachwelt gefallen und sie erhielt eine Ausnahmegenehmigung, um als Frau diese Fächer an der Universität Wien offiziell studieren zu können.

Armut ist kein Schicksal

In der damaligen Zeit herrschte die Meinung vor, dass Armut schicksalhaft sei und das Individuum oft selbst Schuld an seiner Misere. Doch Arlt erkannte, dass Armut ein komplexes Thema ist und ein optimales Lebensumfeld eines Menschen von vielen Faktoren abhängt. Sie kritisierte, dass Hilfsvereine meist ineffizient arbeiten würden, weil sie einfach zu wenig über die sozialen und wirtschaftlichen Aspekte der Armut Bescheid wüssten. 

Von der Wohlfahrtspflege zur modernen Sozialarbeit

Arlt wollte ab 1910 einen eigenen Berufsstand schaffen, der nach den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen Menschen in prekären Situationen hilft: die Wohlfahrtspflege. Damit begründete sie die moderne Sozialarbeit. 1912 gründete Arlt eine entsprechende Ausbildungsstätte, in der sie auch weiterhin Forschung betrieb. Und sie schrieb ein Lehrbuch.

Nationalsozialisten wollten Arlts Arbeit zerstören

Da Ilse Arlts Mutter Jüdin war, schlossen die Nationalsozialisten ihre Schule. Sie durfte nicht mehr unterrichten, ihre Bücher wurden verbannt und ihre Pläne für ein Fürsorgemuseum zunichtegemacht. Sie konnte sich nur dank der Hilfe ihrer SchülerInnen und deren Eltern, sowie der Vermietung der eigenen Wohnräume über Wasser halten. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg, nahm sie ihre Arbeit wieder auf, 1950 musste sie ihre Schule aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen schließen. Vier Jahre später wurde sie immerhin mit dem Doktor-Karl-Renner Forschungspreis geehrt. 1960 starb Ilse Arlt an den Folgen eines Unfalls in Wien. Ihre Arbeit wurde 1990er Jahren wieder entdeckt und heute ist ein Institut der Fachhochschule St. Pölten nach ihr benannt: Das Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung.

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