Willi Resetarits

Willi Resetarits, Credit: Tina Goebel

/ Tina Goebel
/ 26. November

Der Sänger und Menschenrechtsaktivist Willi Resetarits aka Kurt Ostbahn setzt sich auch mit über 70 Jahren noch für Menschlichkeit und soziale Gerechtigkeit ein. Warum das ein beständiger Kampf ist, dessen er nicht müde wird und was er von Fridays for Future und Facebook hält, erzählt er im Moment-Interview.

Moment: Sie treten heute mit einigen anderen Künstlern bei dem Benefizkonzert "Humanity Train" auf und besingen die Menschlichkeit. Sollte so etwas nicht selbstverständlich sein? Provokant gefragt: Wozu braucht es ein solches Benefizkonzert?

Willi Resetarits: Es ist ein beständiger Kampf. Vor allem, da es gerade so scheint, dass unser Sozialsystem abgebaut wird. Wir haben ein gutes System in Österreich und das muss nicht nur erhalten, sondern sogar ausgebaut werden. Es gibt noch immer viel Armut, obwohl wir so ein reiches Land sind. Man muss sich immer um die Benachteiligten in der Gesellschaft kümmern. Doch ich habe das Gefühl, dass nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich auseinander geht – es gibt auch Strömungen, die sich gegen den Sozialstaat und die Demokratie richten. Und dagegen muss man aufstehen. Nicht nur jetzt, wahrscheinlich immer.

Moment: Initiator Christian Becker meint, dass der Zug der Zeit die Gesellschaft spaltet und der "Humanity Train" diese eben wieder zusammenbringen soll. Der britische Comedian Sacha Baron Cohen hat kürzlich mit einer Brandrede über Facebook für Aufsehen gesorgt – er meinte, dass die sozialen Medien durch die Verbreitung von Fake News und dergleichen einen enormen Keil in die Gesellschaft treiben. Sehen Sie das auch so?

Resetarits: Die sozialen Medien sind eine Katastrophe. Leute können andere heimlich diffamieren und das nimmt dann sofort lawinenartige Auswüchse an - entsetzlich! Ich nehme so wenig wie möglich daran teil. Gut, ich bin alt, die Zukunft liegt nur noch zu einem kleinen Teil vor mir. Ich denke, dass die internationale Staatengemeinschaft Schritte unternehmen sollte, um diese sozialen Medien in gesetzliche Bahnen zu lenken. Die bewegen sich ja jetzt in einem rechtsfreien Raum. Ich hoffe, dass wir das schnell verändern können. Damit wir die moderne Kommunikation beibehalten können, aber nicht mehr diesem ständigen Terror von ein paar komischen Typen ausgesetzt sind.

Moment: Haben wir gegen diese "komischen Typen" noch eine Chance? Können wir Journalisten da zum Beispiel noch etwas ausrichten?

Resetarits: Es hat vor kurzem noch so ausgeschaut, als ob Journalisten keine Macht mehr haben. Aber gerade jetzt kommt durch Whistleblower viel raus. Und es gibt ja immer wieder gute Aufdeckungen, denken wir nur an den Ibiza-Skandal. So etwas ist durch die moderne Technik schon leichter möglich. Das ist auch wichtig, denn im Gegenteil kann ja heute jeder etablierte pseudo-wichtige Politiker völlig ungeschützt seinen Wahnsinn verbreiten.

Moment: Sie und Ihre Band waren ein Symbol der Hippie-Bewegung in Österreich. Finden Sie, dass die „Fridays for Future“-Bewegung auch diese Energie der 68er hat?

Resetarits: Ich glaube, gerade wenn junge Leute nachkommen, müssen sie neue Ideen entwickeln. Es geht schon darum, aus der Geschichte zu lernen, doch heute gibt es ganz andere Themen als für uns damals in den 60ern. Das Thema Klimawandel hatten wir damals noch nicht auf dem Schirm. Ich rede den jungen Leuten nix rein, ich freue mich, dass da was losgeht.

Moment: Glauben Sie, dass diese jungen Menschen wirklich eine nachhaltige Veränderung bewirken können?

Resetarits: Ich bin mein ganzes Leben schon Optimist, also glaube ich, das wird was!

Moment: Was tun Sie selbst, um das Klima zu schonen?

Resetarits: Grundsätzlich ist es mir ein Anliegen, dass ich selbst auch was tue, auch wenn das nur symbolisch ist. Ich fahre viel mit dem Rad, aber ich brauche ein Auto für meine Konzerttourneen. Doch wo es schöne Bahnverbindungen gibt, benutzen wir diese auch. Das Auto steht viel. Das Ziel ist es, ein "Autostabil", statt ein "Automobil" zu haben.

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