Roland Weissmann: Der neue ORF-Generaldirektor?

Roland Weissmann: Der neue ORF-Generaldirektor?

Foto: ORF/Thomas Ramsdorfer

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  Redaktion

/ 15. Juli 2021

Die Rolle des Chefs im ORF wird im August 2021 neu besetzt. Alexander Wrabetz bewirbt sich erneut um eine vierte Amtszeit. Mit Lisa Totzauer gibt es seit kurzem eine bürgerliche und ÖVP-nahe Kandidatin. Die ÖVP scheint sich mit ihrer Mehrheit im ORF-Stiftungsrat aber bereits auf einen anderen Kandidaten geeinigt zu haben: Roland Weissmann könnte der neue ORF-Generaldirektor werden.

Wer ist Roland Weissmann?

Roland Weissmann ist als Vize-Finanzdirektor bereits ein wichtiger Manager im ORF. Er ist seit 2020 der Geschäftsführer von ORF Online und leitet das "Zukunftsprojekt" der Streamingplattform des ORF-Players, der Inhalte nur GIS-Gebührenzahler:innen zugänglich machen soll. Davor war er Kaufmännischer Direktor und Chefproducer im TV.

Weissmann ist 1968 geboren und 53 Jahre alt. Er stammt ursprünglich aus Linz, stieg aber seit 1995 vor allem über die Landesstudios von ORF-Niederösterreich auf. Er war dort stellvertretender Chefredakteur, Wortchef im Radio und dazwischen als Fernsehchef für die Bundesländer-Sendung "NÖ heute" verantwortlich. Dabei gilt er für Beobachter:innen eher als Manager, weniger als Journalist.

Kann man Roland Weissmann politisch verorten?

Der österreichische Medienjournalist Harald Fiedler sagt, Weissmanns Aufstieg sei im "Windschatten von Richard Grasl" erfolgt - dem ÖVP-nahen Kandidaten zum Generaldirektor 2016, der gegen Wrabetz scheiterte. Grasl ist heute Mitglied in der Chefredaktion des Kurier.

Weißmann werden wie Grasl "beste Kontakte zur türkisen Riege" nachgesagt. Erst im Februar kam es zu einem kolportierten Konflikt mit Redaktionsvertreter:innen nach einer Diskussion über einen nachträglich geänderten Artikel auf ORF.at rund um die Hausdurchsuchung von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). Die Redaktion richtete ihm in einer Mail aus, es sei nicht seine Aufgabe "im Sinne einer Partei zu intervenieren".

Tritt Roland Weissmann an?

Offiziell kandidiert Weissmann noch nicht. Über seine Ambitionen wird aber bereits seit längerem diskutiert. Er hat noch bis Anfang August Zeit, um diese offiziell zu machen.

Was tut der ORF-Generaldirektor?

Der:die ORF-Generaldirektor:in wird immer auf fünf Jahre bestellt. Er ist der Chef von Österreichs größtem und wichtigstem Medienkonzern. Als solcher bestimmt er:sie gleichermaßen über die Geschicke und beeinflusst stark die Unabhängigkeit des ORF. Generaldirektor:innen sind für den Posten aber immer auch auf politische Realitäten angewiesen. Am 10. August wird der nächste gewählt. Der Generaldirektor schlägt auch dem Stiftungsrat die Direktor:innen und Landesdirektor:innen vor.

Aktueller "ORF-Chef" ist Alexander Wrabetz, der erstmals 2006 noch vor dem Ende der ersten Koalitionsära der ÖVP mit den Rechtsparteien FPÖ/BZÖ gewählt wurde. Praktisch alle anderen Parteien und Unabhängigen stellten sich damals gegen die ÖVP, um Wrabetz zu wählen, der die ÖVP-nahe Monika Lindner ablöste. Wrabetz galt ursprünglich als SPÖ-nahe und ist als erster "General" mittlerweile dreimal gewählt worden. Wie schon bei der Wahl 2006 und 2016 wäre seine erneute Bestellung aber wegen der politischen Verhältnisse aus heutiger Sicht eine Überraschung.

Kann die ÖVP den neuen ORF-Generaldirektor einfach so bestimmen?

Für die Wahl des ORF-Generaldirektors braucht man eine Mehrheit im ORF-Stiftungsrat. Die ÖVP hat dort über die Entsendungen aus Regierung, Ländern, Parlament aber auch die Wahl des Publikumsrates einen türkisen "Freundeskreis" in diesem Stiftungsrat, der ihr eine Mehrheit ermöglichen dürfte, wenn er gemeinsam abstimmt. 

Was ist der ORF Stiftungsrat?

Der Stiftungsrat ist sozusagen eine Art Aufsichtsrat für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Er besetzt wichtige Posten wie den oder die Generaldirektor:in und die Landesdirektor:innen. Auch das Budget und verschiedene geschäftliche Entscheidungen werden durch ihn genehmigt. Er besteht aus 35 Mitgliedern, die für vier Jahre gewählt werden.

Wer sitzt derzeit im ORF-Stiftungsrat?

Die Bundesregierung entsendet 6 Mitglieder und muss dabei Vorschläge der Parlamentsparteien berücksichtigen, 9 weitere kann die Regierung selbst auswählen. Jedes der 9 Bundesländer ein weiteres. Der Betriebsrat des ORF schickt weitere 5 Menschen in den Stiftungsrat. Das Publikum entscheidet über weitere 6.

Die folgenden Personen sind derzeit Teil des Stiftungsrates:

  • Ewald ASCHAUER (Bundesregierung über Vorschlag der ÖVP)
  • Jürgen BEILEIN (Bundesregierung)
  • Gerhard BERTI (Zentralbetriebsrat)
  • Andrea DANMAYR (Bundesregierung)
  • Werner DAX (Burgenland)
  • Herbert FECHTER  (Bundesregierung)
  • Alfred GEISMAYR  (Vorarlberg)
  • Corina HEINREICHSBERGER (Publikumsrat)
  • Katharina HOFER (Oberösterreich)
  • Herwig HÖSELE  (Bundesregierung)
  • Christiana JANKOVICS (Zentralbetriebsrat)
  • Stefan JUNG (Zentralbetriebsrat)
  • Norbert KETTNER  (Wien)
  • Andreas KRATSCHMAR (Publikumsrat)
  • Heinz LEDERER (Bundesregierung über Vorschlag der SPÖ)
  • Lothar LOCKL (Bundesregierung)
  • Sophie MATKOVITS (Publikumsrat)
  • Franz MEDWENITSCH  (Bundesregierung)
  • Helmut MIERNICKI (Niederösterreich)
  • Barbara NEPP (Publikumsrat)
  • Siggi NEUSCHITZER  (Kärnten)
  • Sigrid PILZ (Bundesregierung über Vorschlag DIE GRÜNEN)
  • Klaus POIER  (Steiermark)
  • Josef RESCH (Tirol)
  • Marianne SCHÜTTNER (Zentralbetriebsrat)
  • Gregor SCHÜTZE (Bundesregierung)
  • Dr. Norbert STEGER  (Bundesregierung über Vorschlag der FPÖ)
  • Gudrun STINDL (Zentralbetriebsrat)
  • Petra STOLBA (Publikumsrat)
  • Ruth STRONDL (Bundesregierung)
  • Bernhard TSCHREPITSCH (Bundesregierung)
  • Georg WATSCHINGER (Publikumsrat)
  • Thomas ZACH  (Bundesregierung über Vorschlag der ÖVP)
  • Anita ZIELINA (Bundesregierung über Vorschlag der NEOS)

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