Roland Weissmann: Der neue ORF-Generaldirektor?

Roland Weissmann: Der neue ORF-Generaldirektor?

Foto: ORF/Thomas Ramsdorfer

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  Redaktion

/ 9. August 2021

Jetzt ist es fix: Roland Weißmann wird neuer ORF-Generaldirektor. Die Rolle des Chefs im ORF wurde am 10. August 2021 neu besetzt. Und die ÖVP hat sich mit ihrer Mehrheit im ORF-Stiftungsrat durchgesetzt. Bereits seit einigen Wochen scheint sie sich auf Roland Weißmann geeinigt zu haben.

Wer ist Roland Weißmann?

Roland Weißmann war als Vize-Finanzdirektor bereits ein wichtiger Manager im ORF. Er war seit 2020 der Geschäftsführer von ORF Online und leitete das "Zukunftsprojekt" der Streamingplattform des ORF-Players, der Inhalte nur GIS-Gebührenzahler:innen zugänglich machen soll. Davor war er Kaufmännischer Direktor und Chefproducer im TV.

Weißmann ist 1968 geboren und 53 Jahre alt. Er stammt ursprünglich aus Linz, stieg aber seit 1995 vor allem über die Landesstudios von ORF-Niederösterreich auf. Er war dort stellvertretender Chefredakteur, Wortchef im Radio und dazwischen als Fernsehchef für die Bundesländer-Sendung "NÖ heute" verantwortlich. Dabei gilt er für Beobachter:innen eher als Manager, weniger als Journalist.

Kann man Roland Weißmann politisch verorten?

Der österreichische Medienjournalist Harald Fiedler sagt, Weißmanns Aufstieg sei im "Windschatten von Richard Grasl" erfolgt - dem ÖVP-nahen Kandidaten zum Generaldirektor 2016, der gegen Wrabetz scheiterte. Grasl ist heute Mitglied in der Chefredaktion des Kurier.

Weißmann werden wie Grasl "beste Kontakte zur türkisen Riege" nachgesagt. Erst im Februar kam es zu einem kolportierten Konflikt mit Redaktionsvertreter:innen nach einer Diskussion über einen nachträglich geänderten Artikel auf ORF.at rund um die Hausdurchsuchung von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). Die Redaktion richtete ihm in einer Mail aus, es sei nicht seine Aufgabe "im Sinne einer Partei zu intervenieren".

Was tut der ORF-Generaldirektor?

Der:die ORF-Generaldirektor:in wird immer auf fünf Jahre bestellt. Er ist der Chef von Österreichs größtem und wichtigstem Medienkonzern. Als solcher bestimmt er:sie gleichermaßen über die Geschicke und beeinflusst stark die Unabhängigkeit des ORF. Generaldirektor:innen sind für den Posten aber immer auch auf politische Realitäten angewiesen. Ihre Auswahl hat oft mehr mit gebildeten politischen Allianzen als mit Konzepten zu tun. Der:die Generaldirektor:in schlägt auch dem Stiftungsrat die Direktor:innen und Landesdirektor:innen vor.

Aktueller "ORF-Chef" ist Alexander Wrabetz, der erstmals 2006 noch vor dem Ende der ersten Koalitionsära der ÖVP mit den Rechtsparteien FPÖ/BZÖ gewählt wurde. Praktisch alle anderen Parteien und Unabhängigen stellten sich damals gegen die ÖVP, um Wrabetz zu wählen, der die ÖVP-nahe Monika Lindner ablöste. Wrabetz galt ursprünglich als SPÖ-nahe und ist als erster "General" dreimal gewählt worden. Wie schon bei der Wahl 2006 und 2016 wäre seine erneute Bestellung aber wegen der politischen Verhältnisse eine Überraschung gewesen.

Warum konnte die ÖVP den neuen ORF-Generaldirektor einfach so bestimmen?

Für die Wahl des ORF-Generaldirektors braucht man eine Mehrheit im ORF-Stiftungsrat. Die ÖVP hat dort über die Entsendungen aus Regierung, Ländern, Parlament aber auch die Wahl des Publikumsrates einen türkisen "Freundeskreis" in diesem Stiftungsrat, der ihr eine Mehrheit ermöglichen dürfte, wenn er gemeinsam abstimmt. 

Was ist der ORF Stiftungsrat?

Der Stiftungsrat ist sozusagen eine Art Aufsichtsrat für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Er besetzt wichtige Posten wie den oder die Generaldirektor:in und die Landesdirektor:innen. Auch das Budget und verschiedene geschäftliche Entscheidungen werden durch ihn genehmigt. Er besteht aus 35 Mitgliedern, die für vier Jahre gewählt werden.

Wer sitzt derzeit im ORF-Stiftungsrat?

Die Bundesregierung entsendet 6 Mitglieder und muss dabei Vorschläge der Parlamentsparteien berücksichtigen, 9 weitere kann die Regierung selbst auswählen. Jedes der 9 Bundesländer ein weiteres. Der Betriebsrat des ORF schickt weitere 5 Menschen in den Stiftungsrat. Das Publikum entscheidet über weitere 6.

Die folgenden Personen sind derzeit Teil des Stiftungsrates:

  • Ewald ASCHAUER (Bundesregierung über Vorschlag der ÖVP)
  • Jürgen BEILEIN (Bundesregierung)
  • Gerhard BERTI (Zentralbetriebsrat)
  • Andrea DANMAYR (Bundesregierung)
  • Werner DAX (Burgenland)
  • Herbert FECHTER  (Bundesregierung)
  • Alfred GEISMAYR  (Vorarlberg)
  • Corina HEINREICHSBERGER (Publikumsrat)
  • Katharina HOFER (Oberösterreich)
  • Herwig HÖSELE  (Bundesregierung)
  • Christiana JANKOVICS (Zentralbetriebsrat)
  • Stefan JUNG (Zentralbetriebsrat)
  • Norbert KETTNER  (Wien)
  • Andreas KRATSCHMAR (Publikumsrat)
  • Heinz LEDERER (Bundesregierung über Vorschlag der SPÖ)
  • Lothar LOCKL (Bundesregierung)
  • Sophie MATKOVITS (Publikumsrat)
  • Franz MEDWENITSCH  (Bundesregierung)
  • Helmut MIERNICKI (Niederösterreich)
  • Barbara NEPP (Publikumsrat)
  • Siggi NEUSCHITZER  (Kärnten)
  • Sigrid PILZ (Bundesregierung über Vorschlag DIE GRÜNEN)
  • Klaus POIER  (Steiermark)
  • Josef RESCH (Tirol)
  • Marianne SCHÜTTNER (Zentralbetriebsrat)
  • Gregor SCHÜTZE (Bundesregierung)
  • Dr. Norbert STEGER  (Bundesregierung über Vorschlag der FPÖ)
  • Gudrun STINDL (Zentralbetriebsrat)
  • Petra STOLBA (Publikumsrat)
  • Ruth STRONDL (Bundesregierung)
  • Bernhard TSCHREPITSCH (Bundesregierung)
  • Georg WATSCHINGER (Publikumsrat)
  • Thomas ZACH  (Bundesregierung über Vorschlag der ÖVP)
  • Anita ZIELINA (Bundesregierung über Vorschlag der NEOS)

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