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Ungleichheit

Die Erbschaftssteuer und Omas Haus: Unser Rechner zeigt, wer wirklich betroffen wäre

Die Erbschaftssteuer und Omas Haus: Unser Rechner zeigt, wer wirklich betroffen wäre
Erbschaftssteuer zahlen für Oma's Haus? Sehr unwahrscheinlich.
Wir bringen Fakten und Zahlen statt Emotionen und Kampfbegriffe: Mit unserem neuen Erbschaftssteuer-Rechner können Leser:innen jetzt selbst nachrechnen, ob und wie viel Erbschaftssteuer sie bezahlen müssten.

Kaum ein Thema wird in Österreich so emotional diskutiert wie die Erbschaftssteuer. Für die einen ist sie eine Frage der Gerechtigkeit. Für die anderen eine „Todessteuer“, die Familien das Elternhaus wegnehmen würde.

Besonders oft taucht dabei ein Bild auf: das kleine Haus der Oma, die Eigentumswohnung der Eltern oder das mühsam ersparte Familienvermögen. Doch wie realistisch ist diese Angst überhaupt?

Mit unserem neuen Erbschaftssteuer-Rechner auf www.erbschaftssteuer-rechner.at können Leser:innen jetzt selbst nachrechnen, ob sie von einer möglichen Erbschaftssteuer überhaupt betroffen wären. Und falls ja, wie viel sie zahlen müssten.

Denn die politische Debatte dreht sich oft um die „Mittelschicht“. Auch dann, wenn die diskutierten Modelle für eine Erbschaftssteuer erst weit entfernt davon beginnen, was die Mittelschicht an Vermögen anhäufen kann. Große Teile der Bevölkerung würden in der Regel gar nichts zahlen müssen.

Die Mittelschicht als Ausrede

Seit Jahren wird die Diskussion über Erbschaftssteuern mit der Angst geführt, „normale Familien“ würden belastet. Das Eigenheim der Eltern, das Haus der Großmutter oder die kleine Eigentumswohnung dienen dabei oft als emotionale Beispiele.

Kritiker:innen sehen darin allerdings ein politisches Schutzschild für sehr große Vermögen. Denn während über das Häuschen der Oma gesprochen wird, geht es in vielen Vorschlägen eigentlich um Millionenvermögen und extrem große Erbschaften.

Genau hier setzt der neue Rechner an: Fakten statt Propaganda. Statt Schlagworten liefert er konkrete Zahlen.

Wer wäre wirklich betroffen?

Mit dem Rechner können Nutzer:innen verschiedene Szenarien einer tatsächlichen (oder potentiellen) Erbschaft durchspielen:

  • geerbte Immobilien
  • Sparvermögen
  • größere Vermögen
  • unterschiedliche Freibeträge
  • und mögliche Steuerstufen

Dadurch wird bei den meisten Rechenbeispelen sichtbar, worüber in der Debatte oft gesprochen wird: Große Vermögen und durchschnittliche Erbschaften sind nicht dasselbe.

„Ich würde trotzdem dafür sein“

Für eine frühere Recherche hat MOMENT.at mit mehreren Menschen gesprochen, die selbst geerbt haben oder künftig erben werden. Viele von ihnen wären von einer Erbschaftssteuer kaum betroffen oder würden trotz eigener Belastung eine solche Steuer befürworten.

Ein häufiges Argument: Arbeit werde heute oft stärker besteuert als große Vermögen. Während Menschen für ihr Einkommen laufend Steuern zahlen, können hohe Vermögen über Generationen weitergegeben werden, ohne etwas beizutragen. Die Folge: die großen Vermögen in Österreich bleiben immer in denselben derselben Leute und Vermögen wird immer stärker konzentriert. Eine Erbschaftssteuer könnte helfen, öffentliche Leistungen zu finanzieren - nicht nur, aber insbesondere in Zeiten der rigiden Sparpolitik.

Österreich ist eine Ausnahme

Österreich hat seit 2008 keine klassische Erbschaftssteuer mehr. Damals wurde die Regelung wegen verfassungswidriger Grundlagen aufgehoben. Die Regierungen seither konnten sich - vor allem, weil die ÖVP das nicht wollte - nicht darauf einigen, das Gesetz zu reparieren oder ein neues zu beschließen. Dabei wären Steuern für besonders Reiche in der Bevölkerung durchaus populär - oft zeigen Umfragen sogar Zustimmung quer über Wähler:innen aller Parteien.

International gehört Österreich damit zu den Ausnahmen: In den meisten anderen Ländern existieren weiterhin Erbschafts- oder Vermögenssteuern in der einen oder anderen Form. Die Diskussion über die Wiedereinführung kehrt gerade deshalb regelmäßig zurück. 

Weg von Schlagworten, hin zu Zahlen

Kaum ein Thema wird emotionaler diskutiert als das Erben. Gleichzeitig herrschen viele Fehlannahmen darüber wer, und ab welcher Höhe Erben überhaupt betroffen wären.

Genau das soll unser neuer Rechner ändern: weg von politischen Schlagworten, Kampfbegriffen und Angstbildern und hin zu konkreten Zahlen.

Also: am besten gleich selbst ausprobieren und schauen, wie viel Erbschaftssteuer man tatsächlich (nicht) zahlen muss.

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