Grafik zur Rublik "Was ich wirklich denke"

Grafik zur Rublik "Was ich wirklich denke"

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/ 20. März 2020

Monika H. (30) hat wegen der Corona-Krise diese Woche wie schon fast 100.000 andere ihren Job verloren. Warum sie befürchtet, dass viele ebenfalls gekündigt werden und Unternehmen das Hilfspaket der Regierung ausnützen werden, sie persönlich aber trotzdem positiv in die Zukunft blickt, erzählt sie uns hier.

Ich habe am Mittwoch den Anruf bekommen. Da wurde ich über meine Kündigung informiert. Ich habe für ein Luxushotel in der Kommunikation gearbeitet und die sozialen Medien betreut. Das Hotel ist noch nicht eröffnet worden und wird es auch längere Zeit nicht.

Ich habe schon geahnt, dass ich meinen Job verlieren werde. Ich war schon den dritten Tag im Homeoffice und habe nichts von der Geschäftsführung gehört. Da dachte ich mir bereits, dass die gerade die Köpfe zusammenstecken und harte Entscheidungen treffen müssen. 

Das Gespräch war wertschätzend und OK. Ich habe natürlich sofort gefragt, ob nicht Kurzarbeit möglich ist, aber das wurde verneint.


Die Corona-Krise relativiert alles

Noch in der Vorwoche habe ich mich geärgert und war traurig darüber, dass mein Urlaub im Mai wegen der Corona-Krise nichts wird. Doch daran denke ich jetzt nicht mehr. Es ist schon erstaunlich wie schnell sich im Leben alles relativieren kann. Und nicht nur mein Leben, sondern so vieler Menschen auf der ganzen Welt. Plötzlich ist nichts mehr wie es war.

Ob mich mein Unternehmen irgendwie weiter beschäftigen hätte können? Das weiß ich nicht. Natürlich hat die Geschäftsführung nun andere Probleme, sie müssen sich auf die Eröffnung fokussieren, die sich auf unbestimmte Zeit verzögert.

Ich denke schon, dass oftmals die Unternehmenskommunikation unterschätzt wird. Denn gerade in so Krisenzeiten sind MitarbeiterInnen verunsichert, da ist Information wichtig. Es geht natürlich auch um die Außenwahrnehmung. Aber leider werden in Krisenzeiten andere Positionen als wichtiger eingestuft.


Hilfspaket muss an Bedingungen geknüpft werden

Ich befürchte, dass viele Unternehmen die finanzielle Hilfe des Staats ausnutzen werden. Am Tag, an dem sich der Kanzler für die Kurzarbeit ausgesprochen hat, gab es bereits so viele Arbeitslosen. Das hat mich bestürzt. Leider wird in vielen Betrieben einfach nur streng der Umsatz kalkuliert, ethische Grundsätze kennen viele nicht. Ich denke schon, dass es sich da viele einfach machen und gleich mal eine Kündigung aussprechen. 

Ich finde, dass es zwar rasche finanzielle Hilfe für Betriebe geben muss, aber es darf dann nicht sein, dass nach Ende der Kurzarbeit erst recht alle MitarbeiterInnen gekündigt werden. Es muss wirklich überprüft werden, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben.


Optimistisch trotz Corona-Krise

Mir ist klar, dass ich es in dieser Zeit nun schwer haben werde, einen neuen Job zu finden. Aber ich bin persönlich zuversichtlich. Ich habe bereits in vielen Branchen gearbeitet und kann in vielen verschiedenen Unternehmen unterkommen. Ich bin jung und habe keine Kinder, hab auch keinen Kredit zu bezahlen. Anderen haben jetzt sicher viel schlimmere existenzielle Sorgen als ich.

Ich bin nun bis zum Ende meiner Kündigungsfrist vom Dienst freigestellt und möchte mir nun Aufgaben suchen und etwa ehrenamtlich helfen, wo ich kann. Denn Solidarität ist in dieser Zeit enorm wichtig.

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