Besser Wohnen nach der Krise? Unnötig! Moment Mal mit Barbara Blaha.
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/ 4. Dezember 2020

Die Krise hat uns voll im Griff. Wir sind erschöpft. Alle sind erschöpft. Krise eben. Da muss man das Schlimmste verhindern. Da ist kein Platz für Gutes, für Politik “nach vorne” … oder? Moment mal!

Besser Wohnen nach der Krise? 

Es gibt sie:  Die Länder, Städte und Gemeinden, die diese Krise nützen, um Dinge besser zu machen. Zum Beispiel Lissabon, die Hauptstadt von Portugal. Ihre Bewohner hatten in den vergangenen Jahren mit steigenden Mieten zu kämpfen. Wohnungen wurden immer teurer, weil sei immer knapper wurden. Der Grund: Viele WohnungsbesitzerInnen haben ihre Wohnungen lieber kurzfristig an TouristInnen vermietet, als sie langfristig den BewohnerInnen zu geben. Weniger Risiko, mehr Gewinn. Ein toller Deal. Für die VermieterInnen. Für die Stadt weniger. Denn ein Drittel der Wohnungen in Lissabon wurde so dem normalen Mietmarkt vorenthalten – und den TouristInnen gegeben. Bis die Gesundheitskrise den Tourismus ins Koma geschickt hat.

Lissabon macht's vor

Die Stadt hat das nicht nur als Krise gesehen, sondern als Chance: Lissabon hat ein Programm beschleunigt, das schon vor der Pandemie in der Pipeline war. Die Stadt wollte 20.000 TouristInnen-Wohnungen in erschwingliche Wohnungen umwandeln. Und zwar mit einem Deal: Wer der Stadt seine Wohnung für 5 Jahre vermietet, bekommt fix 1.000 Euro pro Monat dafür. Das Risiko nimmt die Stadt: Sie findet neue MieterInnen und vermietet denen Wohnung zu einem günstigen Preis. Maximal ein Drittel des eigenen Einkommens der neuen Mieter wird als Mietpreis verlangt.

Für die Vermieter sind die Einnahmen niedriger als das, was sie von Touristen bezahlt bekommen haben, ja. Aber die Stadt garantiert langfristig stabile Einkommen, keinen Aufwand für die Eigentümer und vor allem: günstigen Wohnraum für die Menschen in Lissabon!  

Die TouristInnen-Wohnungen sind ein riesiges Problem für viele Städte: Nicht nur, dass die Städtereisen-Flüge die Luft verpesten. Nicht nur, dass zu viele Touris die Infrastruktur mancher Städte schon ins Wanken bringen – frag nach bei den BewohnerInnen von Barcelona. Vor allem aber verschärft dieser Leerstand ein soziales Problem in den Städten: denn Investmentfonds lassen ebenfalls Wohnungen lieber leer stehen, als sie zu vermieten. 

Barcelona bekämpft den Leerstand

Wer zu viel Geld am Konto hat, muss mittlerweile Negativzinsen an die Bank zahlen. Da schaufelt man es doch besser vom Konto in eine Immobilie,  die im Wert steigt – ganz von alleine, auch ohne Miet-Einnahmen. Ein leeres Haus lässt sich zu einem höheren Preis verkaufen als eines mit MieterInnen darin. Meist ist nämlich das Grundstück selbst wertvoller als das alte Gebäude obendrauf.

Barcelona geht noch einen Schritt weiter: Schon seit 2016 ist es der Stadt erlaubt, die Kontrolle über Immobilien zu übernehmen, die seit mehr als zwei Jahren nicht vermietet wurden. Für vier bis zehn Jahre kann die Stadt eine leerstehende Wohnung vergünstigt übernehmen, bevor sie sie wieder in die Kontrolle ihrer Eigentümer zurückgibt. Im Juli hat die Stadtverwaltung ein Warnschreiben an 14 Banken und Investmentfonds geschickt: Die hatten fast 200 Häuser zwei Jahre lang leer stehen gelassen. Sollten die Wohnungen nicht innerhalb eines Monats vermietet werden, so warnte das Schreiben, würde die Stadt sie zum halben Marktwert kaufen und in Sozialwohnungen umwandeln.

Wien, da geht doch noch was

In Wien hingegen weiß man über Leerstand herzlich wenig. Laut einer Schätzung aus 2015 stünden 35.000 Wohnungen leer, 10.000 davon langfristig. Die Stadtregierung wollte seither prüfen, ob sich da nicht was machen ließe. Passiert ist seither nichts. Im aktuellen Koalitionspakt von Rotpink findet sich das Wort Leerstand nur 2 mal: Unter Kultur- und Grätzelpolitik. 

Sagen wir so: Da geht doch noch was. 
 

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