Warten vor dem AMS. Zu sehen sind die Beine von vier Personen, die sich vor einer AMS Stelle anstellen.

Auch vor dem AMS in Wien-Favoriten gilt in Coronazeiten: Sicherheitsabstand einhalten! // Foto: Andreas Bachmann

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/ 4. Juni 2021

Die Coronakrise trifft nicht alle gleich. Wer hohe Einkommen bezieht, hat von der Krise nicht viel mitbekommen. Für Menschen, die wenig Geld verdienen ist die Lage am Arbeitsmarkt jedoch dramatisch geworden. Das Momentum Institut hat analysiert, wie stark Menschen in den verschiedenen Einkommensgruppen seit Beginn der Coronakrise von Arbeitslosigkeit betroffen sind.


Es zeigt sich: Ganz oben, bei den bestverdienenden 10 bis 20 Prozent „wurde weniger als einer von hundert Menschen arbeitslos“, sagt Mattias Muckenhuber, Arbeitsmarktexperte beim Momentum Institut. Bei Menschen mit niedrigen Einkommen hat kurz nach Beginn der Krise „beinahe jede zehnte Person ihren Job verloren“. Das Risiko, arbeitslos zu werden, sei um das 17-fache höher als das der Bestverdienenden.
 

Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit: Fast die Hälfte erwischte die Krise

Dazu kommt: Von Arbeitslosigkeit besonders stark betroffen sind Frauen, jüngere Menschen und Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Das sei nicht überraschend, so Muckenhuber, „denn diese Gruppen sind ohnehin verstärkt in den unteren Einkommenszehnteln zu finden“. Allerdings: Gemessen an ihrem Anteil an den Beschäftigten vor der Krise seien zu Beginn vor allem Männer arbeitslos geworden.

Wer nicht seinen Job verlor, der wurde oftmals in Kurzarbeit geschickt. Auch hiervon sind Personen mit geringen Einkommen häufiger betroffen als gut verdienende Beschäftigte. Ende April des vergangenen Jahres schlug die Coronakrise gerade voll am Arbeitsmarkt ein. Zu diesem Zeitpunkt waren bis zu einem Drittel der Personen mit unterdurchschnittlichen Einkommen in Kurzarbeit. Fast die Hälfte aller Personen dieser Einkommensgruppen waren damit von der Krise betroffen. Im obersten Zehntel war es nur eine von sechs Personen. 

Untere Einkommen: Noch immer ein Fünftel von Krise betroffen

Die Lage am Arbeitsmarkt erholte sich zwar über den Sommer 2020 wieder, die Arbeitslosigkeit stieg mit den Lockdowns ab Herbst aber wieder an „und lag im Jänner 2021 sogar leicht über den Werten des Rekordmonats April 2020“, erläutert Muckenhuber. Dagegen ging die Kurzarbeit stark zurück. Damit war fast ein Jahr nach Beginn der Krise in den unteren Einkommenszehnteln mehr als ein Fünftel der Beschäftigten von der Krise betroffen.


Und: Menschen mit geringen Einkommen kommen viel langsamer wieder an neue Arbeit. Sie seien „viel stärker von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen als der Rest“, sagt Muckenhuber. Das habe sich auch in der Coronakrise gezeigt. Er fordert: “Solange die Arbeitsmarktsituation angespannt bleibt und die Arbeitslosigkeit weiterhin über dem Vorkrisenwert liegt, ist eine Anhebung der Notstandshilfe auf das Niveau des Arbeitslosengelds wichtig.“

Forderung: Bei hoher Arbeitslosigkeit Unterstützung erhöhen

Ebenso sinnvoll wäre es, dass Arbeitslosengeld generell anzuheben. Wer heute arbeitslos wird, verliert auf einen Schlag fast die Hälfte seines Einkommens. „Die enormen Einkommenseinbußen für Menschen mit ohnehin geringem Einkommen behindern neben der schwierigen individuellen Situation durch schwächelnde Konsumausgaben auch eine schnelle Erholung der Wirtschaft“, sagt Muckenhuber.

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