Natascha Strobl analysiert, warum Nazi-Vergleiche bei Corona-Demos einfach falsch sind. Man sieht die Politologin vor dem grün-orangenem #NatsAnalyse Hintergrund.

Natascha Strobl analysiert, warum Nazi-Vergleiche bei Corona-Demos einfach falsch sind.

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Natascha Strobl
/ 24. November 2021

In Linz und Wien protestierten Tausende gegen die Corona-Maßnahmen. Die Corona-Demos eint, dass sehr locker mit Vergleichen zum Nationalsozialismus umgegangen wird. Warum Nazi-Vergleiche total falsch sind, erklärt Politologin Natascha Strobl in der neuen Ausgabe von #NatsAnalyse.

Die Spannbreite der Anwesenden der Corona-Demos reichte von einem anführenden Frontblock aus organisierten Rechtsextremen, Nazis und Faschist:innen bis zu Esoteriker:innen, Schwurbel-Influencer:innen und Privatpersonen.

Nazi-Vergleiche verharmlosen den Holocaust

Die Strategie der Nazi-Vergleiche ist nicht neu. Schon vor fast 10 Jahren hat der damalige FPÖ-Chef HC Strache behauptet „Wir sind die neuen Juden“. Gemeint hat er die rechtsextremen Burschenschaften. Gesagt hat er es auf einem von ihnen in der Hofburg ausgerichteten Ball.

Ob Ball oder bei der Ausübung des Rechts auf Demonstrationsfreiheit - der Vergleich ist nicht nur geschmacklos, sondern er verharmlost den Nationalsozialismus, den Holocaust und die Shoah. Die Verfolgung von Gegner:innen des NS-Regimes und von „rassisch“ Unerwünschten, wie Juden und Jüdinnen, war so brutal wie gründlich. Sie gipfelte im industriellen Massenmord, in der Vernichtung von Millionen von Menschen. Das Andenken an diese Menschen, die in Konzentrations- und Vernichtungslagern, bei Erschießungen, Massakern, Pogromen, und Folterungen ermordet wurden, verpflichtet uns dazu, dass ihre Namen und ihre Schicksale nicht zum billigen Schocker-Vergleich verkommen.

Corona-Demos: Reine Selbstinszenierung

Denn der Vergleich dient in diesen Fällen nur dazu, ein maximales Entsetzen hervorzurufen und sich in eine Verfolgten-Position zu begeben. Juden und Jüdinnen und alle Opfer des Nationalsozialismus werden instrumentalisiert, um sich selbst zu inszenieren. Es geht gar nicht um die Opfer, sondern darum, sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Schaut mich an, ich bin so arm, ich muss mich in einer Pandemie impfen lassen - ich bin genauso verfolgt wie Juden und Jüdinnen unter der Nazi-Diktatur. Damit macht man umgekehrt den Staat oder politische Vertreter:innen oder gar Ärzte und Ärztinnen zu Nazis.

Die Gefahr der Verharmlosung

Die Folge solcher Vergleiche sind, dass die Geschichte ihren Schrecken verliert und die Opfer zu einem Gag verkommen. Einmal legitimiert bedeutet es, dass sich jede Person, die eine minimale Unannehmlichkeit erlebt, zum „neuen Juden“ aufschwingen kann. Als Gesellschaft sind wir es den Opfern schuldig, ihr Ansehen zu wahren. Dass Menschen, die hinter Identitären-Transparenten hinterherlaufen kein Mitgefühl für NS-Opfer haben, verwundert nicht. Sie repräsentieren aber auch keine gesellschaftliche Mehrheitsmeinung.

Umso wichtiger ist es, rote Linien zu ziehen. Stopp. Aus. Kein Schritt weiter. Wenn ihr glaubt, die Opfer des NS missbrauchen zu können, dann lassen wir das nicht zu!

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