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Ungleichheit
Gesundheit

Corona-Krise: Wie afrikanische Länder besser als westliche durch die Pandemie kamen

Corona-Krise: Wie afrikanische Länder besser als westliche durch die Pandemie kamen

Afrikanische Länder haben die Corona-Krise bis jetzt gut gemeistert. In westlichen Medien wird darüber aber kaum berichtet.

Der Blick darauf, wie andere Länder das Coronavirus bekämpfen, beschränkt sich fast immer auf reiche, westliche Nationen. Die Erfolgsgeschichten werden aber woanders geschrieben: Der afrikanische Kontinent ist bis heute etwa nur wenig betroffen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie wird über die Maßnahmen berichtet, die weltweit zur Eindämmung des Virus getroffen werden. Viel wurde etwa über den – mittlerweile gescheiterten – schwedischen Sonderweg diskutiert, der auf “Eigenverantwortung” setzen wollte. Wenn Medien ein Vorbild ausmachten, dann Neuseeland oder gelegentlich Japan. Dort wurde vieles richtig gemacht, die Gründe dafür liegen aber auch in der Abgeschiedenheit der Inseln.

Aber abseits von den Ländern des globalen Nordens wurde kaum darüber berichtet, wie gegen das Virus vorgegangen wurde. China stand deswegen im Mittelpunkt, weil das Virus dort seinen Ausgang genommen hat, ein großer Teil Asiens wurde weitgehend ignoriert. Und der afrikanische Kontinent wurde, wenn überhaupt, als möglicher Krisenherd gesehen. Speziell zu Beginn der Krise wurde in den Medien besorgt die Frage gestellt, wie denn der Kontinent diese Herausforderung stemmen solle.

Afrika trotzt dem Corona-Virus

Heute gilt Afrika, was das Corona-Virus betrifft, als eine der am wenigsten betroffenen Weltregionen. Aktuell gibt es dort rund zwei Millionen bestätigte Corona-Fälle, in Europa sind es momentan mehr als 16 Millionen – dabei ist Afrikas Bevölkerung fast doppelt so groß. Ein Teil dieses Unterschieds ist auch auf die geringere Testung in den afrikanischen Ländern zurückzuführen. Blickt man aber auf die Todesfälle, sind die Zahlen noch deutlicher: 49.400 Menschen sind bis jetzt in Afrika an Corona verstorben, in Europa etwa 369.000.

Die Gründe für diese niedrigen Zahlen sind vielschichtig. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Afrika kein Land ist, sondern ein Kontinent mit 55 Ländern und 1,3 Milliarden EinwohnerInnen –  dementsprechend unterschiedlich waren auch die Vorgangsweisen. Doch viele Maßnahmen wurden länderübergreifend getroffen und die Afrikanische Union forcierte die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ländern. Natürlich wurden Fehler gemacht und auch dort steigen die Zahlen aktuell an. Trotzdem bewegen sich die Zahlen auf einem vergleichsweise niedrigem Niveau.

Schnelle Reaktion

Von zentraler Bedeutung dafür war die frühe Reaktion auf das Virus. Schon am 2. Jänner wurde in den ersten Ländern die Kontrollen auf Flughäfen verstärkt. Passagiere, die aus China kamen, wurden speziell beobachtet. Ende Jänner, noch vor dem ersten Corona-Fall auf dem Kontinent, startete die Afrikanische Union einen koordinierten Austausch zwischen den Gesundheitseinrichtungen und -ministerien der einzelnen Länder. Am 14. Februar wurde in Ägypten der erste Corona-Fall auf dem Kontinent gemeldet, bereits am 22. wurde eine gemeinsame afrikanische Strategie gegen die Pandemie vorgestellt. 

Viele Länder reagierten auf das Virus, bevor noch ein Fall bekannt wurde. Lesotho schloss etwa seine Schulen und verkündete einen dreiwöchigen Lockdown, obwohl es dort keine erkrankte Person gab. Auch Corona-Tests wurden früh forciert. So konnte Ghana in den ersten Wochen der Pandemie mehr EinwohnerInnen testen, als das Südkorea geschafft hat. Die ghanaische Regierung setzte auch auf innovative Ideen: Sie verwendet etwa Drohnen, um entlegene Regionen zu erreichen und die Testzeit zu verringern. Das Land liegt aktuell bei knapp 51.000 Fällen und 323 Toten – bei einer Einwohnerzahl von fast 30 Millionen.

Unterstützung durch die Bevölkerung

Ein weiterer Grund für die Wirksamkeit der Maßnahmen war deren breite Akzeptanz in der Bevölkerung. Eine Befragung unter 24.000 AfrikanerInnen ergab, dass drei von vier Befragten mit der Reaktion ihrer Regierung zufrieden waren. Fast alle Befragten stimmten schwerwiegenden Maßnahmen wie dem Verbot von öffentlichen Veranstaltungen und der Schließung von Schulen zu.

Das ist auch damit zu erklären, dass Menschen und Regierungen bereits Erfahrungen im Umgang mit Epidemien haben. Die Menschen waren Maßnahmen zur Eindämmung von Seuchen, wie die sofortige Isolation von erkrankten Personen, also schon gewöhnt. Für die meisten Regierungen waren wichtige Mittel zur Bekämpfung des Virus wie Contact Tracing kein Neuland.

Demographische Gründe

Was den afrikanischen Ländern auch zugute kam, ist deren überwiegend junge Bevölkerung. Nur drei Prozent der Menschen sind älter als 65 Jahre, das Durchschnittsalter in Afrika liegt bei etwa 20 Jahren. Darüber hinaus gibt es weniger Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen. Besonders dort gab es in westlichen Gesellschaften viele Todesopfer. 

Diese Umstände können aber nicht alleine für die geringen Zahlen in der Region verantwortlich gemacht werden. Als Erklärung würde das zu kurz greifen und ignorieren, was alles richtig gemacht wurde. Schnelligkeit, Konsequenz und Erfahrung spielten eine wesentliche Rolle in der Bekämpfung des Virus. In der Vorbereitung und in der Durchführung wurde auf solidarische Zusammenarbeit gesetzt – etwas, was die EU für viele vermissen ließ.

Berichtet wurde über all das aber kaum. Bei uns richtet sich der Blick nach Außen regelmäßig auf reiche und weiße Länder. Dabei könnte auch Österreich, dessen Reaktion auf die zweite Welle kurzzeitig zur höchsten Infektionsrate weltweit geführt hat, einiges von afrikanischen Ländern lernen.

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