Der Care-Rechner ist da: Wer macht eigentlich die unbezahlte Arbeit zuhause?
Wer kocht, putzt, organisiert den Familienalltag, kümmert sich um Kinder oder pflegt Angehörige? Ein großer Teil der Arbeit, die unseren Alltag überhaupt erst möglich macht, passiert im Hintergrund und unbezahlt.
Mit dem neuen Care-Rechner des Momentum Instituts können Paare und Haushalte ab heute berechnen, wie viel Zeit sie tatsächlich für Hausarbeit und Care-Arbeit aufwenden und wie diese Arbeit im eigenen Haushalt verteilt ist. Der Rechner ist ab sofort online und kostenlos und anonym nutzbar:
Zum Care-Rechner
Nutzer:innen können anonym angeben, wer im Haushalt welche Aufgaben übernimmt. So wird sichtbar, wie viel Arbeit tatsächlich im Alltag anfällt und wer sie erledigt.
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Warum wir den Care-Rechner machen
Care-Arbeit gehört zu den wichtigsten Tätigkeiten in unserer Gesellschaft und gleichzeitig zu den am wenigsten sichtbaren. Sie findet meistens im privaten Raum statt, wird selten gezählt und taucht in wirtschaftlichen Kennzahlen kaum auf. Der Care-Rechner soll helfen, diese Arbeit greifbarer zu machen.
Einerseits kann er Menschen zeigen, wie viel unbezahlte Arbeit tatsächlich anfällt und wie sie im Haushalt verteilt ist. Andererseits entstehen durch die anonymisierten Angaben neue Daten darüber, wie Care-Arbeit in Österreich organisiert ist. Diese Einblicke können helfen, gesellschaftliche Ungleichheiten besser zu verstehen und die Debatte über faire Verteilung von Arbeit voranzubringen.
Fakt: Frauen leisten deutlich mehr unbezahlte Arbeit
Die Zahlen zeigen seit Jahren ein klares Muster: Frauen übernehmen den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit. Dazu zählen Hausarbeit, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und viele organisatorische Aufgaben im Alltag. Insgesamt leisten Frauen in Österreich fast um die Hälfte mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer. Obwohl sich Rollenbilder langsam verändern, bleibt die Verteilung der Sorgearbeit weiterhin stark ungleich verteilt.
Täglich mehrere Stunden Unterschied
Im Alltag bedeutet das einen spürbaren Zeitunterschied. Frauen verbringen durchschnittlich rund zwei Stunden pro Tag mehr mit unbezahlter Arbeit als Männer. Über Wochen und Jahre macht diese Zeit einen enormen Unterschied. Während Männer häufiger mehr Zeit für Erwerbsarbeit oder Freizeit haben, tragen Frauen weiterhin einen großen Teil der Arbeit im Hintergrund.
Care-Arbeit hat wirtschaftliche Folgen
Diese ungleiche Verteilung bleibt nicht ohne Folgen. Wer viel unbezahlte Care-Arbeit übernimmt, hat oft weniger Zeit für bezahlte Erwerbsarbeit. Viele Frauen arbeiten deshalb häufiger Teilzeit oder unterbrechen ihre Karriere für Betreuungs- oder Pflegeaufgaben. Das wirkt sich langfristig auf Einkommen, Karrierechancen und Pensionen aus. Die Verteilung von Care-Arbeit ist deshalb nicht nur eine Frage des gemeinsamen Alltags,sondern auch eine zentrale Frage für wirtschaftliche Gleichstellung.
Ungleichheit zeigt sich besonders in Familien
Besonders deutlich wird die Ungleichheit in Haushalten mit Kindern. Hier übernehmen Frauen weiterhin den größten Teil der Betreuung und Organisation. Zwar beteiligen sich Männer heute stärker als noch vor einigen Jahrzehnten, doch der Großteil der Verantwortung liegt weiterhin bei Frauen. Wer Care-Arbeit übernimmt, strukturiert damit nicht nur den Alltag einer Familie, sondern oft auch den eigenen Lebens- und Berufsweg.
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