Sarahs Sohn (14) hat Krebs und gehört zur Corona-Risikogruppe.
Sarahs Sohn (14) hat Krebs und gehört zur Corona-Risikogruppe. Foto: Jessica Lewis auf Unsplash
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/ 25. August 2020

Sarah (Name von der Redaktion geändert) ist Mutter eines krebskranken Kindes. Sie erzählt, wie es ist, wenn der 14-jährige Sohn zur Corona-Risikogruppe gehört und warum die Maske nicht nur im Kampf gegen das Virus gut ist.


Eigentlich war mein Sohn schon gesund. Kurz bevor der Corona-Wahnsinn angefangen hat, sind wir erneut mit der Diagnose konfrontiert worden: Lymphdrüsenkrebs. Wir haben den Corona-Lockdown und die Hamsterkäufe im Krankenhaus miterlebt. Das war absurd – fast schon lustig.

Im Krankenhaus hat es während des Corona-Lockdowns jeden Tag neue Anweisungen gegeben. Plötzlich haben nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern ihre Mahlzeiten im Spital bekommen. Wir durften nicht mehr hinausgehen; Besuche von LehrerInnen und Verwandten waren untersagt.

Wenn jemand heute in der Firma anruft und sagt, dass er morgen im Home-Office bleiben muss, dann darf das kein Problem sein.

Wir warten derzeit auf eine geeignete Stammzellenspende für meinen Sohn. Wenn wir endlich eine finden, dann stehen uns wieder viele Wochen im Krankenhaus bevor. Besonders dafür ist es wichtig, dass sich mein Sohn nicht mit Corona infiziert. Vielleicht würde er das Virus gut überstehen, vielleicht aber auch nicht. Und wenn er in Quarantäne muss, muss auch der lebensnotwendige Stammzellen-Eingriff verschoben werden. Davor habe ich Angst.

Wenn ÄrztInnen bestimmen, ob die Kinder in die Schule gehen dürfen

Bei der letzten Schulöffnung haben die behandelnden ÄrztInnen gesagt, dass meine beiden Söhne nicht in die Schule gehen dürfen. Das Ansteckungs-Risiko für den Großen war einfach zu hoch und darum musste auch der Kleine zuhause bleiben. Beide haben die Schule seit dem Beginn des Lockdowns nicht mehr gesehen. Jetzt haben die Ärzte erlaubt, dass zumindest mein jüngerer Sohn mit Mund-Nasen-Schutz und genügend Abstand in die Schule gehen darf. Das wird sich aber ändern, wenn die Infektionszahlen steigen.

Ich musste einen Vorschuss auf das Urlaubsgeld nehmen, damit ich über die Runden komme.

Was sich in der Kinderbetreuung im Herbst ändern muss? Das Home-Office muss ausgebaut werden - zumindest, wo es möglich ist. Und es muss flexibel sein. Wenn jemand heute in der Firma anruft und sagt, dass er morgen im Home-Office bleiben muss, dann darf das kein Problem sein.

Meine Kinder sind 14 und 12, die kann ich schon einmal allein lassen. Aber wie ist es mit jüngeren Kindern? Für Familien mit Kindergartenkindern und VolksschülerInnen ist die Frage nach der Betreuung eine immense Belastung.

Ich muss ehrlich sagen: Ich bin nicht glücklich mit der allgemeinen Öffnung der Schulen. Mir wäre der Schicht-Unterricht in kleinen Gruppen lieber. Einfach, weil mit einer kleineren Anzahl an SchülerInnen die Abstände besser eingehalten werden können. Und ich bin skeptisch, was die Kommunikation zwischen Schule, Kindern und Eltern betrifft. Also ob die Kinder, die trotz Schulöffnung in Heim-Unterricht sind, auf der Strecke bleiben.

Wie der Arbeitsplatz über die persönliche Belastung entscheidet

Mein Ex-Mann und ich haben uns den Heim-Unterricht aufgeteilt. Die letzten zwei Jahre hatte ich die Jungs am Wochenende, seit dem Lockdown auch wochenweise. Meine Ausgaben sind im Frühjahr gestiegen, weil die Jungs öfter und länger bei mir waren. Sie mussten die Tage zuhause verbringen und ich habe in der Kurzarbeit weniger verdient. Da fehlen die paar Hundert Euro schon. Ich musste mir einen Vorschuss auf das Urlaubsgeld nehmen, damit ich über die Runden komme.

Jetzt wird mein Sohn wegen seiner Maske nicht mehr angestarrt.

Wenn ich den Luxus eines netten Chefs und einer flexiblen Arbeitszeitregelung nicht hätte, dann hätte der Heim-Unterricht nicht funktioniert. In den Wochen, in denen die Jungs nicht bei mir waren, habe ich mehr gearbeitet. Wenn ich sie dann bei mir hatte, konnte meine Stunden reduzieren und mich nebenher um die Kinderbetreuung und den Heim-Unterricht kümmern.

Ich weiß, es hätte auch anders kommen können: Ich kenne eine Frau, die ist selbstständig und hat ein Geschäft. Ihr Kind ist ebenfalls wegen Krebs in Behandlung. Das Kind durfte nicht in die Schule gehen, weil es ja zur Risikogruppe gehört. Gleichzeitig ist sie alleinerziehend und musste ihr Geschäft wieder öffnen; das war sehr schwer für sie.

Warum die Maske auch gegen Diskriminierung hilft

Neben all der zusätzlichen Belastung muss ich eines sagen: Wir mögen die Maskenpflicht. Die finden wir großartig. Mein Sohn muss sowieso eine Maske tragen, weil er aufgrund seiner Krankheit ein gesteigertes Infektionsrisiko hat. Letztes Jahr haben ihn deswegen alle angestarrt. Jetzt fällt er nicht mehr auf – und niemand starrt ihn mehr an. 

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