Die Douglas Filiale von außen

Die Douglas Filiale auf der Mariahilfer Straße (c) MOMENT

/ Lisa Wölfl
/ 24. September

Auf der Mariahilfer Straße 84 in Wien läuft alles wie immer. Im Erdgeschoss tummeln sich um das Make-Up potentielle Kundinnen, im ersten Stock probieren zwei Herren teure Düfte. Doch in diesem Aushängeschild der Parfümeriekette Douglas spielte sich in den vergangenen Wochen ein Kampf ab, der nun vor Gericht landet.

Es gibt zwei Geschichten. Die eine ist unspektakulär. Mitarbeiterinnen wurden gekündigt, weil es nicht mehr gepasst hat. Konkrete Gründe will Douglas nicht nennen, um die Privatsphäre zu schützen. Die andere Geschichte handelt von Arbeitsrechtsverletzungen, Konkurrenzdruck und Kündigungen wegen der Gründung eines Betriebsrats. Im Mittelpunkt stehen vier Frauen, die Douglas im August entlassen hat. Drei davon bereiten mit der Gewerkschaft eine Klage vor.

Das Gesicht der Klage ist die 25 Jahre alte Jus-Studentin Sabrina. Sie arbeitet seit über vier Jahren in der Parfümerie-Branche. Neun Monate lang verkaufte sie jeden Samstag bei Douglas. Davor arbeitete sie bei der Konkurrenz - unter derselben Filialleiterin. Als diese zu Douglas wechselte, nahm sie Sabrina mit.

Vom Liebling zur Unruhestifterin

Per Whatsapp schlug Filialleiterin G. Sabrina vor, zu einem Gespräch bei Douglas zu kommen. Die Sache sei fast fix, sie haben Sabrina “in höchsten Tönen” gelobt. Im Dezember 2018 fing Sabrina dann tatsächlich bei Douglas an. Immer wieder bekam sie Nachrichten voll Lob von der Filialleiterin. “Sensationell”, schrieb G., sie sei “stolz” auf Sabrina, ein “Verkaufstalent”.

Heute ist alles anders. Sabrina sagt, sie wurde gekündigt, weil sie einen Betriebsrat gründen wollte und damit ein Dorn im Auge des Parfümerie-Giganten war.

“Wir hatten jeden Tag Personalmangel. Ich wurde fast jeden Samstag frühzeitig aus meiner Pause geholt”, sagt Sabrina zu MOMENT. Nicht nur Pausen, auch Krankenstände wurden kritisch beäugt. “Einmal hatte ich so starke Pollenallergie, dass meine Augen zugeschwollen waren und meine Gelenke geschmerzt haben. Trotzdem haben sie mich beinhart da behalten.”

“Wir wurden ausgebeutet”

“Die Filialleitung hat geschimpft über die Personen, die sich krank gemeldet haben. Sie hat uns so manipuliert, dass wir uns jedes Mal schlecht gefühlt haben”, sagt ihre ehemalige Kollegin Selma. Auch sie wurde von der Filialleiterin G. abgeworben. Da sie im Juni die einvernehmliche Kündigung annahm, kann sie nicht klagen. Trotzdem will sie an die Öffentlichkeit. “Wir wurden ausgebeutet.”

Sabrina (links) und Selma (rechts) haben gemeinsam bei Douglas gearbeitet. Jetzt erheben sie schwere Vorwürfe (c) MOMENT

Beide erzählen von dem immensen Stress, Verkaufsdruck und Personalmangel. “Das Arbeitsklima hat uns krank gemacht und dann hat man uns verboten, krank zu sein”, sagt Selma.

Schon nach kurzer Zeit sprachen Sabrina und Selma darüber, einen Betriebsrat zu gründen. Denn Selma sagt, sie habe die Filialleitung zwei Mal bei Spindkontrollen erwischt - ohne Anwesenheit der betroffenen MitarbeiterInnen.

Selma versuchte zuerst mit einem Gespräch die Arbeitsbedingungen zu verbessern und setzte sich im Juni mit der Gebietsleitung zusammen. “Sie hat mich gebeten zu bleiben, sie wollte eine Mitarbeiterin wie mich nicht verlieren.” Einen Tag später wurde ihr von derselben Gebietsleitung die einvernehmliche Kündigung gegeben. “Ich hab das gar nicht gepackt”, sagt Selma heute.

Auch Sabrina war überrascht, machte sich sofort einen Termin mit der Gewerkschaft aus, um nun die Gründung des Betriebsrats voranzutreiben. Sie versuchte auch ihre KollegInnen dafür an Bord zu holen. Anfang August wurde sie unerwartet an ihrem arbeitsfreien Tag in die Filiale gerufen, zu einem “Motivationsgespräch”, wie Sabrina sagt. Die Filialleiterin fragte sie, warum die Stimmung so schlecht sei. “Ich habe geantwortet, das liegt wahrscheinlich an den willkürlichen Kündigungen.”

“Wir brauchen positive Leute”

Im August war es dann soweit. Mitten in einer Make-Up-Beratung wurde Sabrina ins Büro geholt. Dort saßen wieder die Gebiets- und die Filialleitung. Sabrina wurde gekündigt und sofort vom Dienst freigestellt. Sie musste gleich ihren Spindschlüssel und die Arbeitskleidung abgeben und wurde zum Hintereingang geführt. Der Grund? “Wir brauchen positive Leute”, soll die Gebietsleitung gesagt haben.

Wenige Tage später saß Sabrina dann erneut bei der Gewerkschaft, diesmal um eine Klage vorzubereiten. Mit ihr wehren sich noch zwei weitere Kolleginnen gegen ihre Kündigung.

Mit Bauchweh in die Arbeit

Auf der Plattform Kununu, wo ArbeitnehmerInnen Bewertungen für Arbeitgeber abgeben können, bestätigt sich das Bild, das Sabrina und Selma zeichnen.

Neun Personen haben Douglas dort als Arbeitgeber bewertet. “Man soll sich untereinander nicht gut verstehen”, heißt es dort, und: “Personalmangel”. “Man ist als Mitarbeiter eine Nummer und absolut austauschbar”, steht in einer anderen Bewertung.

Die Probleme bei Douglas scheinen sich nicht auf einzelne Filiale zu beschränken. Theresa Haager, die ein Jahr in der Filiale im Donauzentrum gearbeitet hat, kennt die Probleme. “Ich bin kurz nach der Probezeit krank geworden. Da hat mir meine Chefin gesagt, dass das einen schlechten Eindruck macht”, sagt sie zu MOMENT. Sie erzählt ebenfalls von einer schlechten Arbeitsatmosphäre, einer aufbrausenden Filialleitung und hohem Konkurrenzdruck im Team. Nach einem Jahr kündigte sie, nachdem sie schon lange nur mehr mit Bauchweh in die Arbeit gegangen war.

Schockstarre

Währenddessen betreibt Douglas Schadensbegrenzung. Der Konzern beruft sich auf die Privatsphäre der gekündigten Mitarbeiterinnen, über die Gründe für die Kündigungen könne man sich nicht äußern, sagt eine Pressesprecherin zu MOMENT. Alle arbeitsrechtlichen Vorgaben werden stets eingehalten, heißt es. Spinde wurden nicht in Abwesenheit der MitarbeiterInnen kontrolliert und dem Wunsch nach einem Betriebsrat stehe man offen gegenüber. “Als verantwortungsvoller Arbeitgeber sind wir verpflichtet, sämtliche Vorwürfe zu prüfen”, sagt die Pressesprecherin.

In der Filiale auf der Mariahilfer Straße wurde den verbliebenen Mitarbeiterinnen ein Zettel zum Unterschreiben vorgelegt: “Mitarbeiter waren über die Medienaussagen schockiert und teilweise wütend. Mitarbeiter fühlen sich in der Filiale grundsätzlich wohl.”

Ein erstes Gespräch zwischen Gewerkschaft und Douglas brauchte keine Einigung. Man sieht sich Anfang Oktober am Arbeitsgericht wieder.

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