Eine junge Frau von hinten, die vor ihrem Laptop sitzt. Im Artikel geht es um digitale Schule im Lockdown.

Wie geht es eigentlich Oberstufen-SchülerInnen im Lockdown? Eine Schülerin erzählt, warum sie Angst um ihre Matura hat.

Annie Spratt für Unsplash

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/ 9. Dezember 2020

Kaum Feedback, kein richtiger Unterricht, dafür viele Projekte - eine Schülerin erzählt für die Serie "Was ich wirklich denke", wie sie sich von LehrerInnen alleine gelassen fühlt.


Ich mache jeden Tag bis zu 13 Stunden lang Sachen für die Schule: Unterricht, Hausübungen, Projekte. Mir ist es wichtig, meine Aufgaben gut zu erledigen, ich bin da eine Perfektionistin. Seit dem Lockdown ist das leider sehr viel schwerer.

Ich gehe in eine HTL in Niederösterreich, in zwei Jahren soll ich maturieren. Ich bin dann Tischlerin, nach drei Jahren Arbeit dann Ingenieurin. Die LehrerInnen warnen uns jetzt schon, dass wir wegen des Lockdowns so viel verpassen, dass wir den Abschluss vielleicht nicht schaffen. Die Sorge habe ich auch. Wir haben große Projekte, die aufeinander aufbauen. Ich habe zum Beispiel einen Plan für einen Grundriss gezeichnet. Darauf habe ich vier Wochen lang keine Rückmeldung bekommen. Ich kann aber nicht weiter daran arbeiten, wenn ich nicht weiß, ob alles in Ordnung ist.

Richtiger Unterricht wie in der Schule ist selten

Die LehrerInnen sind wohl überfordert mit Online-Unterricht. Bei den meisten sieht es dann so aus, dass ich am Anfang der Stunde eine Aufgabe bekomme, die ich ausarbeiten soll. Richtiger Unterricht wie in der Schule ist sehr selten. Teilweise lassen sich die Aufträge nicht mit meinen Schulbüchern beantworten, dann suche ich im Internet. Wenn ich dann eine Benotung bekomme, weiß ich oft nicht, welche Fehler ich gemacht habe. Ich bekomme selten Feedback auf meine Aufgaben. Wie soll ich mich da verbessern?

Wir haben im Semester nur eine Schularbeit in den Hauptfächern. Wenn kleinere Wiederholungen und Tests ausfallen, können wir uns unsere Note nicht ausbessern.

Hausarbeit in der Mittagspause

Seit dem ersten Lockdown im Frühling kommen einige meiner KlassenkollegInnen nicht mehr mit dem Stoff mit. Wir werden alleine gelassen, sollen alles "selbstständig" bearbeiten, ohne Anleitung. Wenn dann jemand etwas falsch oder eben gar nicht versteht, gibt es LehrerInnen, die wütend werden. Eine Lehrerin trägt sogar eine Fehlstunde ein, wenn die Kamera nicht pünktlich eingeschaltet ist.

Ich weiß, dass die Situation für alle schwierig ist. Deswegen haben wir auch versucht, LehrerInnen zu unterstützen. Wir kennen uns online oft einfach besser aus. Aber sie wollen die Hilfe nicht annehmen. So kommt es, dass mein Tag um 8:00 Uhr beginnt und ich keine regulären Pausen mehr habe zwischen den Stunden. Wenn ich auf die Toilette muss, schreibe ich das in den Chat meiner Klasse, falls es dem Lehrer auffallen sollte.

Keine Zeit für die Dusche

In der Mittagspause koche ich dann, helfe meiner Mama beim Geschirr und der Wäsche. Sie macht Home-Office und hat viel zu tun. Meistens sitz ich bis zum späten Abend noch mit einer Freundin über Teams zusammen und wir erledigen alle Hausübungen. Freizeit habe ich unter der Woche nicht wirklich. Sogar duschen geht sich manchmal einfach nicht aus.

Ich bleibe die meiste Zeit zu Hause und sehe wenige Menschen. Normalerweise wohne ich im Internat und habe ständig meine FreundInnen um mich. Aber ich nehme gerne Rücksicht. Mein Opa ist lungenkrank und ich weiß nicht, wie viel Zeit er noch hat. Besuchen sollen wir ihn nicht. Das ist hart.

Ich hoffe, dass der normale Präsenzunterricht bald wieder zurückkommt und ich endlich wieder einen planbaren Alltag habe.

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