Einmalzahlungen sind ein schlechter Deal für das Lebenseinkommen

Einmalzahlungen sind ein schlechter Deal für das Lebenseinkommen

Foto: Pixabay

/ 28. April 2022

Wenn die aktuelle Teuerung über eine Einmalzahlung statt normale Lohnerhöhungen abgefedert wird, verlieren Arbeitnehmer:innen zigtausende Euro Einkommen in ihrem Leben - und mehr als das. Oliver Picek erklärt, wieso.

Österreich erlebt die höchste Teuerung seit 40 Jahren. Die Kaufkraft der Menschen sinkt im schnellsten Tempo seit Jahrzehnten. Ihre Löhne werden weniger wert, weil Gas, Strom, Treibstoff, Miete, Restaurants, und Lebensmittel teurer werden. 

Was tun? Die Politik diskutiert viele Vorschläge aktuell, doch die wichtigste Maßnahme liegt gar nicht in ihrer Hand. Die Lohnerhöhung. Über sie verhandeln die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Für die meisten Menschen passiert das einmal im Jahr – meist im Herbst, wenn die Branche, in der sie arbeiten, einen neuen Lohnabschluss trifft. Doch manche Branchen – z.B. Banken oder Elektroindustrie, tun das im Frühjahr, also jetzt. 

Die Beschäftigten sind darauf angewiesen, dass ihre Gehälter in den nächsten Lohnverhandlungen steigen. An den Lohnerhöhungen hängt letztlich auch der Sozialstaat. Pensionen, Sozialleistungen, all das wird zu einem großen Teil indirekt mittels der Löhne finanziert.  

Einmalzahlung statt Lohnerhöhung?

Doch die Arbeitgeber möchten dieses Jahr am liebsten keine Lohnerhöhung bezahlen. Stattdessen schlagen ihre Vertreter immer häufiger eine Einmalzahlung vor. Anstatt z.B. 100 Euro monatliche Lohnerhöhung erhält eine Beschäftigte dann 100 Euro einmalig. Vielleicht einen Teil davon sogar noch steuerfrei, wenn die Bundesregierung hier eine Ausnahme macht. Das klingt erstmal gut. Doch in Wahrheit ist es gefährlich für die künftigen Finanzen. Warum? Weil eine Einmalzahlung zwar keinen Unterschied heuer macht. Doch sehr wohl in den Jahren danach. Und zwar in allen – bis zum Lebensende. Die Einmalzahlung ist nämlich nicht relevant für künftige Lohnerhöhungen. Sie wird einfach nicht eingerechnet. Jede Erhöhung des Grundlohns heute erhöht hingegen auch den Lohn in der Zukunft stärker. Weil die Lohnerhöhung immer prozentuell verhandelt wird. Doch was heißt das genau? 

Ein Beispiel: Wer heute 1000 Euro verdient und – zugegeben, das ist viel – 10% Lohnsteigerung bekommt – der hat in einem Jahr Hundert Euro mehr: insgesamt 1.100 Euro. Wer danach noch einmal 10% Steigerung erhält, kommt dann schon auf 1.210 Euro Gehalt – 210 Euro mehr.  

Die Verluste ziehen sich über das restliche Leben

Doch wie sieht das mit der Einmalzahlung aus? Wer – wiederum – heute 1000 Euro verdient, kommt mit einer zehnprozentigen Einmalzahlung auf 1.100 Euro nächstes Jahr. Doch übernächstes Jahr spielt die keine Rolle mehr. Verhandelt wird auf Basis der 1000 Euro auf dem Jahr davor. Die zehnprozentige Lohnerhöhung sorgt also für ein Gehalt von 1.100 Euro. Der Arbeitnehmer mit Einmalzahlung steigt also viel schlechter aus. Er verdient in zwei Jahren schon 110 Euro weniger.  

Dieser Effekt der Prozentrechnung setzt sich weiter fort. Spielen wir es etwas realistischer durch. Ein Beschäftigter in der Elektroindustrie erhält 2500 Euro Lohn (brutto im Monat), vierzehn Mal im Jahr. Er arbeitet noch 30 Jahre, bis er seine Pension antritt. Bekommt er seine Lohnerhöhung (4,5%) dieses Jahr als Einmalzahlung ausbezahlt, verliert er in den kommenden 30 Jahren insgesamt über 80.000 Euro. Doch das ist noch nicht alles. Seine Pension ist selbstverständlich auch niedriger. Die Steuerbeiträge, mit denen er staatliche Dienstleistungen finanziert – Pflege, Schulen, Polizei, usw. – fallen auch geringer aus. Der Umfang und die Qualität dieser Leistungen damit auch. Wird er zwischendurch einmal arbeitslos, fällt auch das Arbeitslosengeld niedriger aus. 

Langjähriger Vergleich: Lohnerhöhung oder Einmalzahlung

Das Fazit: Nichts geht über eine prozentuelle Erhöhung des Gehalts. Eine Einmalzahlung anstatt einer normal verhandelten Lohnerhöhung sollten Arbeitnehmer eher vermeiden. Selbst falls sie etwas höher ausfällt als die Steigerung des Grundgehalts. In den folgenden Jahren verliert man durch sie noch sehr viel Geld. 

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