Barbara Blaha steht vor einer Ziegelwand und sieht erschrocken aus.
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/ 15. Dezember 2020

Österreich sperrt wieder auf, der zweite Lockdown ist vorbei. Kinder sollten zu Hause bleiben und die Eltern natürlich arbeiten. Alles kein Problem, das muss eben einfach sein … Moment mal!

Wer irgendwie kann, soll seine Kinder daheim lassen - das war der Appell der Regierung. Und die allermeisten Eltern sind ihm auch gefolgt: 70 Prozent der Kinder wurden zu Hause betreut und unterrichtet, obwohl die Schulen im zweiten Lockdown offen waren. Arbeiten mussten die Eltern natürlich trotzdem.

Und wer hat es wieder richten müssen? Natürlich die Mütter. Sie haben ihre Arbeitszeit im Lockdown um ein Zehntel reduziert. Weil diese 10 Prozent natürlich nicht ausreichen, um ein Kind, oder Kinder, zu betreuen, da muss man eben nochmal ran, wenn die Kinder schlafen. Jede dritte Mutter hat frühmorgens oder Abends gearbeitet. Jede zehnte sogar in der Nacht. Anders war dieser Spagat nicht zu schaffen, Kinder zuhause und trotzdem arbeiten.

Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit als Fata Morgana

Aber war da nicht was mit ”Rechtsanspruch” auf Sonderbetreuungszeit? Nur auf dem Papier: Denn die Kinder SOLLTEN zwar nicht in die Schule Aber technisch gesehen waren sie offen und die Kinder KONNTEN hin. Und das heißt: Anspruch auf Sonderbetreuung? Fehlanzeige. Das ist gefinkelt: Groß über ein Recht auf Sonderbetreuung reden, es aber technisch aushebeln. Als nächstes verkündet Kurz dann: Okay, wir holen jetzt doch 100 Kinder aus Moria, aber nur, wenn sie sich selber einen Tunnel hierher graben. Oder: Okay, wir führen endlich die Gesamtschule ein. Aber nur für Kinder mit Matura.

Dass die Sonderbetreuungszeit nur eine Fata Morgana der Regierung war, das spüren wieder einmal die Ärmsten am heftigsten: Einem Viertel der Eltern, die sich selbst zur ArbeiterInnenschicht zählen, wurde für die Kinderbetreuung weder Urlaub noch Sonderbetreuungszeit genehmigt. Und gerade deren Jobs lassen sich selten bis nie ins Home-Office verlegen: Nur jeder Zehnte durfte das. Denn gerade die mies bezahlten Jobs sind oft “systemrelevant".
 

Zu Hause bleibt, wer es finanziell besser hat

Wer Alte pflegt, im Supermarkt Einkäufe kassiert oder den Bus fährt, kann eben nicht von zuhause aus arbeiten. Weiter oben in der Einkommenspyramide schaut das ganz anders aus: 4 von 10 Menschen mit Uniabschluss dürfen daheim arbeiten. Gerade den “SystemerhalterInnen” wurde also ein Spagat aufgezwungen, der sie förmlich zerreißt: Da die Regierung, die alle zum Daheimbleiben auffordert und dort kein Recht auf Sonderbetreuungszeiten. Und natürlich leiden auch deren Kinder stärker: Wer nicht daheim bleibt, aber die Kinder nicht in die Schule schickt, kann sie nur schwer beim Lernen unterstützen. 40 Prozent der Eltern mit Pflichtschulabschluss oder Lehre konnten ihre Kinder nicht optimal beim Lernen unterstützen in den letzten Wochen.

Mütter besonders belastet

Wen wundert es da noch, dass vor allem die Mütter aus dem letzten Loch pfeifen: Im Frühjahr war jede zweite Mama durch den Lockdown sehr belastet, jetzt sagen schon zwei von drei Müttern: Eigentlich kann ich fast nicht mehr. Sie haben Angst um die Noten und damit die Zukunft ihrer Kinder und handfeste finanzielle Sorgen: Sieben von zehn Haushalten mit weniger als 2.000 Euro Nettoeinkommen haben durch die Pandemie weniger Einkommen; sechs von zehn haben sich stark eingeschränkt beim Geld ausgeben – oder ihre Sparbücher geplündert. Nur jede dritte einkommensschwache Familie hat überhaupt noch Ersparnisse. 

Einen dritten Schul-Lockdown sollte es angesichts dieser Zahlen besser nicht geben, sonst werden Tausende Familien und Mütter endgültig zusammenbrechen. Wir brauchen: 

  • Investitionen in die Sicherheit der Schulen und Kindergärten. Luftfilter, Co2-Messgeräte, Schutzausrüstung. Und zwar schnell. Neun Monate haben wir schon verplempert.
  • Eine höhere Familienbeihilfe.
  • Und setzen wir die Elternbeiträge in Schulen, Kindergärten und Horten aus. Zumindest, solange wir in der Krise feststecken.

Links und Quellen:

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