Morgenmoment
/ 18. Februar 2022

Guten Morgen!

Sie stinkt nicht, verpestet die Luft nicht, heizt den Planeten nicht auf. Oder? Wovon die Rede ist, erfährst du im heutigen Morgenmoment. Geschrieben von Lukas Bayer.

#1 Möchtest du das teilen?

„Die Grundidee, dass Menschen nicht arbeiten wollen, ist eine Fehlannahme“, sagt Irina Vana. Die Soziologin ist Mitbegründerin des Volksbegehrens „Arbeitslosengeld rauf!“, das sich für eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes auf mindestens 70 Prozent einsetzt. Im Gespräch mit MOMENT erklärt sie, warum davon nicht nur arbeitslose Menschen profitieren würden.

#2 Zahl des Tages

Schockierend: Jede vierte Frau hat schon einmal physische oder psychische Gewalt in der Partnerschaft erfahren. Viele schon als Teenager.

In ärmeren Regionen ist die Gewaltbereitschaft tendenziell höher. Auch nach Naturkatastrophen wurde eine höhere Gewaltbereitschaft von Männern festgestellt, wie eine andere Studie zeigt. Am höchsten sind die Zahlen in Ozeanien. Dort hat beinahe jede zweite Frau schon einmal Gewalt in ihrer Partnerschaft erfahren. Mit 16 Prozent schneidet Zentraleuropa noch am besten ab.

Expert:innen gehen davon aus, dass die Gewaltbereitschaft in der Corona-Pandemie gestiegen ist. Aussagekräftige Studien fehlen hier aber. Die Vereinten Nationen haben übrigens zum Ziel gesetzt, bis 2030 Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beenden. Zumindest derzeit ist die Welt aber weit davon entfernt.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht. Antworten von etwa zwei Millionen Frauen ab 15 Jahren aus hunderten Studien wurden dafür ausgewertet.

#3 Hast du das gesehen?

Die Klimakrise ist da. Wir müssen alle weniger Abgase in die Luft blasen. Dafür ist jedes Mittel recht. Zum Beispiel: Atomkraft. Die stinkt nicht, verpestet die Luft nicht, heizt den Planeten nicht auf. Sie ist sauber und nachhaltig - das sagen auffallend viele Fans aus der Wirtschaftsecke. Was steckt hinter der neu entdeckten Liebe zur Atomkraft, fragt Barbara Blaha in ihrer Videokolumne "Moment mal".

#4 Der Reihe nach

Fernsehen zeigt uns die Wirklichkeit, oder nicht? Eine neue Studie der Universität Rostock zeigt: Nur ein Drittel der Gesichter im deutschen TV sind Frauen.

Für die Studie wurden hunderte Programme aus dem Jahr 2020 untersucht. Nur in Spielfilmen und TV-Serien sind mit 45 Prozent annähernd so viele Frauen wie Männer zu finden.

Besonders schlecht schneidet das Kinderfernsehen ab. Hier sind 70 Prozent aller Rollen männlich. Bei Tieren sind es 82 Prozent. Und: Beinahe alle sprechenden Objekte und Pflanzen haben einen männlichen Charakter. 

Immerhin: Seit 2016 geht der Frauenanteil ein wenig nach oben. Immer mehr Frauen moderieren im Informationsbereich. Ähnliches gilt für eingeladene Expertinnen.

Eine schwere Behinderung ist nur bei 0,4 Prozent aller Protagonist:innen zu sehen. Menschen mit Migrationsbiografie sind in allen Genres stark unterrepräsentiert: Sie sind halb so oft im TV zu sehen, wie sie gemessen an ihrem Anteil in der Bevölkerung eigentlich vertreten sein müssten. 

#5 Black History Month

"Marcus Omofuma war Asylwerber aus Nigeria. Er starb 1999 auf einem Flug von Wien nach Bulgarien. Omofuma sollte abgeschoben werden. Im Flugzeug soll er sich dagegen gewehrt haben. Drei Polizisten fixierten seine Brust mit Klebeband an den Sitz und verklebten ihm Mund und Nase.

Marcus Omofuma ist entweder erstickt oder an Herzversagen gestorben. Das ergaben vier medizinische Gutachten. Die Polizisten wurden zu acht Monaten bedingter Haft wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen verurteilt. Sie konnten ihren Dienst danach fortsetzen.

Der Fall schockierte Österreich. Die relativ geringe Strafe sorgte für Unverständnis, ebenso die Reaktion diverser Medien und Politiker:innen. Die Kronenzeitung titelte etwa "So tobte der Schubhäftling!". Obwohl ein "Toben" nicht bestätigt ist. Die FPÖ verteidigte das Vorgehen der Polizisten konsequent.

All das spiegelt Österreichs Problem mit strukturellem Rassismus wider. Schwarze Menschen wurden und werden in Medien oft pauschal als Kriminelle dargestellt. Die ausländerfeindliche Darstellung wird von rechten Parteien aufgegriffen und wiederholt. 

Rund um die Proteste zu Omofumas Tod wurden hunderte Schwarze Menschen festgenommen. Die Aktion lief polizeiintern unter dem Decknamen "Operation Spring". Sie war bereits vor Omofumas Tod geplant worden und zielte auf mutmaßliche Drogenhändler:innen afrikanischer Herkunft ab. Viele Verhaftungen erwiesen sich als unbegründet.

Struktureller Rassismus begleitet Aktionen der Polizei bis heute. 2020 gab es dutzende unbegründete und rechtswidrige Hausdurchsuchungen in der muslimischen Community. Eine EU-Studie belegt: Nirgendwo werden so viele Schwarze Menschen von der Polizei angehalten wie in Österreich.

Ich wünsche dir einen schönen Freitag!

Lukas

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