Ein älterer Mann sieht direkt in die Kamera und lächelt leicht, der Hintergrund ist gelb
Jene arbeitslosen Menschen, die für zwei Jahre zusätzlich 560 Euro erhielten, fühlten sich deutlich besser. Foto: Aleksandar Popovski für Unsplash
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/ 5. Dezember 2019

In Österreich scheiterte vergangene Woche das Volksbegehren für ein bedingungsloses Grundeinkommen an den benötigten 100.000 Unterschriften. In Finnland wagte die Regierung schon im 2017 ein Experiment. Auch wenn viele Daten noch ausgewertet werden, erste Ergebnisse daraus liegen nun schon vor.

Das Experiment

Landesweit wurden 2.000 arbeitslose Menschen zufällig für die Studie ausgewählt. Diese bekamen monatlich steuerfrei 560 Euro - unabhängig davon, ob sie später einen Job fanden. Das Experiment startete am 1. Jänner 2017 und endete vorzeitig am 31. Dezember 2018, bevor es auf arbeitende Menschen ausgeweitet werden konnte, wie es der ursprüngliche Plan vorsah. Wieso die Regierung den Versuch frühzeitig beendete, ist unklar. Möglich ist, dass das Geld knapp wurde oder das Experiment nicht mehr ins politische Programm passte.

Es gibt viele verschiedene Ideen, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) aussehen könnte. Im finnischen Experiment wurde nur ein Teil des Einkommens, das es zum Leben braucht, verteilt. Außerdem befanden sich in der Experimentgruppe nur arbeitslose Menschen über 25 Jahre. Das bedeutet, dass die ersten Ergebnisse nur begrenzt auf andere Gruppen übertragen werden können. Spannend sind sie dennoch.

Geld macht glücklich(er)

Jene, die das BGE bezogen, berichteten häufiger, dass es ihnen gut ging. 56 Prozent schätzten ihr Wohlbefinden sehr gut oder gut ein, in der Kontrollgruppe waren es nur 46 Prozent.

Zusätzlich berichteten die BezieherInnen des BGE weniger häufig von Stress. Die Antworten wurden telefonisch nach Ende des Experiments eingeholt. Die Ergebnisse zum Wohlbefinden sind daher endgültig und gelten für die gesamte Zeit des Experiments.

Kaum Auswirkung auf Arbeit

Ein häufiges Argument gegen das bedingungslose Grundeinkommen ist, dass viele Menschen einfach aufhören würden zu arbeiten. Das finnische Experiment konnte nicht messen, ob da etwas dran ist. “Das Experiment hat sich auf Arbeitslose beschränkt. Sie konnten nicht weniger arbeiten”, sagt Minna Ylikännö, die an der Beurteilung der Studie mitarbeitet. Ylikännö schlägt weitere Experimente mit unterschiedlichen Gruppen vor: Geringverdienende, Hausfrauen, Studierende.

Markus Kanerva und Minna Ylikännö

Markus Kanerva (Research) und Minna Ylikännö (Evaluierung) haben beide am finnischen Grundeinkommen-Experiment mitgearbeitet. Foto: Lisa Wölfl für MOMENT

Im ersten Jahr arbeiten BezieherInnen nicht mehr oder weniger als die Kontrollgruppe. 2017 waren beide Gruppen für rund 50 Tage angestellt. Dennoch gab die Experimentgruppe an, zuversichtlicher an die Jobsuche heranzugehen. Die Beurteilung des zweiten Jahres steht noch aus. Der endgültige Bericht soll Anfang 2020 erscheinen.

Hier findest du eine englische Zusammenfassung der Ergebnisse.

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