Moment Mal mit Barbara Blaha, die mit in die Hüften gestemmten Armen vor einer Ziegelwand steht und skeptisch in die Kamera blickt.
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/ 30. Juli 2020

Die Krise hat Gesellschaft und Wirtschaft durcheinander gewirbelt. Jetzt geben wir viel Geld aus. Das ist am besten eingesetzt, indem wir in Klimagerechtigkeit investieren. Deswegen gibt es jetzt überall Milliarden für die Luftfahrt, damit wieder so viel wie möglich geflogen wird?

200 Milliarden Euro will die Luftfahrtindustrie weltweit. 73 Milliarden Euro haben wir bereits locker gemacht, um so viele Fluglinien wie möglich zu retten. Allein der Lufthansa-Konzern erhält inklusive der Staatskredite mehr als 11 Milliarden Euro von Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien. Es ist klar, auch in Zukunft wird es Flugverkehr geben: für Langstrecken, für eilige Luftfracht, für seltene Fernreisen und wichtige Geschäftstermine. Aber: Das kann nur mehr ein Bruchteil des heutigen Verkehrs sein. Die Flugbranche muss schrumpfen, um klimagerecht zu werden.

Doch jetzt passiert das Gegenteil. Machen wir weiter wie bisher, wird Fliegen 2050 für 20 Prozent aller Co2 Emissionen verantwortlich sein. Die Branche schätzt, dass sich die Flotte bis 2038 weltweit fast verdoppeln wird: Dann werden 47.500 Flieger in der Luft sein. 

Fliegen schadet dem Klima massiv

Jedes dieser Flugzeuge bläst dann Jahrzehnte lang Abgase in die Luft. Dieses Wachstum läuft exakt in die verkehrte Richtung. Weg von unseren Klima-Zielen. Ein Langstreckenjet verbrennt von London nach New York fast eine halbe Tonne Kerosin. Für jeden einzelnen der 410 Passagiere. Eine Fernreise mit dem Flieger stößt somit mehr aus, als jeder von uns in einem ganzen Jahr an CO2 verursachen sollte - inklusive Heizen, Essen und Einkaufen.

Hier reden wir noch gar nicht von der Lärmbelästigung oder dem Schaden, denn das Fliegen in der Tierwelt verursacht. Von dieser ganzen Party profitiert eigentlich nur eine sehr kleine Elite: Ein Drittel der im Weltmaßstab reichen Österreicher*innen fliegt überhaupt NIE. Die Hälfte von uns maximal einmal im Jahr.

Vor allem in reicheren Haushalten wird dafür viel geflogen: Städtetrips übers Wochenende, Langstreckenflüge jedes Jahr. Das reichste Viertel der Haushalte verbraucht allein durchs Fliegen so viel CO2 wie Ärmere für ihr ganzes Leben. Auch Geschäftsreisen sind ein Problem: 4 von 10 Flugreisen sind geschäftlich bedingt. Die meisten davon auf der kurzen Strecke, etwa Wien-Frankfurt. Für routinemäßige Besprechungen, zum Beispiel. 

Billige Tickets nützen vor allem Besserverdienenden

Trotzdem behandeln wir das Fliegen immer noch als heilige Kuh: Alle Branchen müssen ihren Co2 Fußabdruck klein bekommen, die Flugindustrie hingegen wird in den internationalen Klimaverträgen nicht einmal mitverhandelt.

Ein Rettungspaket nach dem anderen wird weltweit auf Schiene gebracht. Finanziert mit Steuergeld. Dabei trägt ausgerechnet die Flugbranche kaum etwas zum Steueraufkommen bei, sondern hat sich komfortable Schlupflöcher stricken lassen: Flugzeuge tanken steuerfrei. Jedes Auto, jeder Zug, jeder Bus zahlt Steuern auf den Sprit: Nicht aber das Flugzeug.

Steuerprivilegien abschaffen

Würden wir Kerosin endlich besteuern, würde das den Co2 Ausstoß der Luftfahrt um 11 Prozent senken: Und das hätte laut Europäischer Kommission nicht einmal  Auswirkungen auf Arbeitsplätze oder die Wirtschaft insgesamt.

Und: wir würden echt Geld einnehmen! Würde die EU Kerosin so besteuern wie Benzin und Diesel, würde sie 27 Milliarden Euro pro Jahr einnehmen, eine Mehrwertsteuer auf Flugtickets brächte sogar 30 Milliarden.

Was es braucht:

  • Abschaffung der Steuerprivilegien der Luftfahrt: von Spritsteuer, über die Grundsteuer bis zur Mehrwertsteuer.
  • Ausbau des Bahnnetzes und Rückkehr der Nachtzüge, die gerade innereuropäisch viele Flüge ersetzen können
  • Kein frisches Geld in den Ausbau und Subventionen für Flughäfen

Links und Quellen

 

 

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