Gegengelesen extended: Wie Medien Arbeitslose zu Schuldigen machen
Unternehmen beschweren sich darüber, dass Arbeitslose zu faul und Sozialleistungen zu hoch sind. Die Medien spielen bei dieser Erzählung immer wieder mit
Unternehmen finden keine Mitarbeiter und statt den eigenen Arbeitsbedingungen und den niedrigen Löhnen, geben sie den angeblich “zu hohen Sozialleistungen” und den angeblich “faulen Arbeitslosen” die Schuld daran. Dieser Spin ist wenig überraschend. Doch in den letzten Wochen wurde immer wieder ersichtlich, wie Medien dieses Spiel mitspielen. So kamen viele nicht auf die Idee, die Betroffenen selbst zu fragen, warum sie nicht in diesen Berufen arbeiten wollen. Wir haben uns dem Thema angenommen und die Reaktionen darauf haben gezeigt, wie wichtig dieser Blick auf das Thema ist.
Doch viele Medien spinnen die Geschichte der faulen Arbeitslosen weiter. Wie einfach das funktionieren kann, zeigt folgender Artikel in der aktuellen Ausgabe der “Heute”. Darin wird eine Umfrage präsentiert, bei der abgefragt wurde, warum Unternehmen keine MitarbeiterInnen finden. Die "Heute" titelt dabei, dass jeder Vierte wohl Sozialleistungen für zu hoch hält - das ist also das erste und oft das einzige, was die LeserInnen dabei mitnehmen.
Was erst im zweiten Moment deutlich wird: Mehr als die Hälfte der Befragten ist eigentlich der Meinung, dass strukturelle Probleme - Gehalt, Arbeitsbedingungen, Kinderbetreuung - der Grund sind. Die Antwort, die am häufigsten gegeben wurde, ist eben überhaupt nicht, dass die Sozialleistungen zu hoch seien, sondern dass die Bezahlung für diese Berufe zu schlecht ist.
Wir haben uns deswegen überlegt, wie ein passender Artikel in der Heute dazu aussehen könnte:
So könnte ein Bericht in der "Heute" tatsächlich aussehen.
Das könnte dir auch gefallen
- Made in Austr... äh ... Indien?
- Ich bin chronisch krank – und das ist teuer
- Solidarisches Wohnprojekt: Keine Miete mehr für „Arschlöcher”
- Ich arbeite bei McDonald’s: Warum ich meinen Job mag
- Höhere Vermögenssteuer in Norwegen, weniger Einnahmen? Ein weit verbreiteter und falscher Mythos
- Hinter den Zahlen: Die Femizide des Jahres 2025
- Rassistische Firmenlogos in Österreich: Warum redet keiner mehr über M*****bräu?
- Femizid wird in Italien eigener Strafbestand: Was dafür und dagegen spricht
