Google-Rechenzentrum in Kronstorf: “Es wird null Wertschöpfung geben in Österreich”
Auf 50 Hektar Fläche baut Google im oberösterreichischen Kronstorf ein Rechenzentrum. 2027 soll das österreichweit erste und europaweit eines der größten Zentrum errichtet werden. An diesem Bau gibt es viele Kritikpunkte: Intransparenz, riesiger Stromverbrauch sowie geringe Wertschöpfung, insbesondere im Vergleich zu den massiven Eingriffen in die Natur. Außerdem wird kritisiert, dass es trotz dieser Eingriffe keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gibt.
Es werde Boden versiegelt, der besonders fruchtbar ist und damit wichtig für die Lebensmittelversorgung ist. Es sollen bis zu 200 Liter Wasser pro Sekunde aus der Enns entnommen werden, um die Server zu kühlen. Das erhitzte Wasser soll anschließend mit bis zu 30 Grad Celsius wieder in den Fluss geleitet werden. Das sei viel zu warm, kritisiert die lokale Bürgerinitiative. Sie hat zum Protest aufgerufen und eine Petition gestartet. Der Sprecher Harald Müllner erklärt im Gespräch mit MOMENT.at was ihn und seine Kolleg:innen am meisten stört und was sie fordern.
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MOMENT.at: Was stört Sie denn am meisten an diesem Projekt, sodass Sie die Bürgerinitiative mitgegründet haben?
Harald Müllner: Die bei uns so übliche Nichtkommunikation mit der Bevölkerung, die Intransparenz.
2008 hieß es, dass ein Rechenzentrum kommt und das super sei. Es gab sogar Doktorarbeiten, die sich fragten: „Wie entwickelt sich Kronstorf weiter?“ Der Wohnbau sollte sich entwickeln, englischsprachige Kindergärten sollten entstehen und so weiter. Daraus ist nichts geworden.
Danach lag alles jahrelang herum und dann ging es Schlag auf Schlag. Nun soll das Rechenzentrum 2,5-mal so groß werden wie ursprünglich geplant.
Dabei wurde in der ersten Bauphase alles so geplant, dass möglichst keine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist. Zum Beispiel wurde der Wasserverbrauch unter der UVP-Grenze angesetzt. Ebenso die Lagerung von Diesel und anderen Produkten.
Außerdem sind lauter Einzelgutachten erstellt worden in Bezug auf Wassernutzung, Lärm oder Abgase. Die wurden alle recht spezifisch nach den Angaben der Hersteller erstellt. Es gibt aber beispielsweise kein Gutachten zum Gesamtlärm.
Diese Informationen alle zusammenzutragen, war mühsam. Aber nun haben wir sie und können mit Fakten argumentieren.
Was uns stört, ist, dass man keine offenen Gesprächspartner:innen findet und die Demokratie nur streng nach Gesetz eingehalten wird – und keinen Schritt weiter.
MOMENT.at: Das Argument für das Rechenzentrum ist die vermeintliche Wertschöpfung. Warum überzeugt Sie das nicht?
Müllner: Es wird null Wertschöpfung geben in Österreich. Google verbraucht in Österreich den Boden und Strom. Wir müssen Stromnetze erneuern, also die Infrastruktur erstellen. Und wir bekommen dafür Hitze und warmes Wasser.
Es werden 70 bis 100 Arbeitsplätze entstehen, vor allem für Systemtechniker:innen, Security, Gärtner:innen und Reinigungspersonal.
Auch bei Ausschreibungen für Wartungsarbeiten für Klimaanlagen oder Ähnliches wird die lokale Wirtschaft nicht profitieren. Ein kleiner Installateur hat nicht die Ressourcen, einen so großen Auftrag umzusetzen. Also kommen auch dort internationale Konzerne zum Tragen.
Die tatsächliche Werschöpfung, Gewinne und Steuern wandern ins Ausland.
MOMENT.at: Sie haben auch die Auswirkungen auf die Umwelt angesprochen. Mit welchen Auswirkungen muss man in Kronstorf konkret rechnen, wenn der Bau wie aktuell geplant umgesetzt wird?
Müllner: Einerseits wird der Lärm ein Problem. Andererseits die Hitze. Rund um Rechenzentren ist es zwei Grad wärmer. Aber es gibt für dieses Rechenzentrum nicht einmal ein Mikroklima-Gutachten, wie das inzwischen in jeder Großstadt bei jedem Bauvorhaben gemacht wird.
Ein Teil der Hitze wird in die Luft abgegeben werden und ein Teil in die Enns. Stattdessen hätte man sie als Fernwärme nutzen und damit die umliegenden Gemeinden versorgen können. Dafür hätte man beim Bau der B309 Rohre verbauen können – wenn man schon eine Straße mitten ins Grüne baut.
Außerdem wird das Wasser für die Kühlung mit Chemikalien gegen Algen, Kalk und Bakterien gereinigt. Diese Chemikalien dürfen in einer niedrigen Konzentration mit dem Wasser in die Enns geleitet werden. Ist die Konzentration zu hoch, wird Grundwasser beigemischt. Doch auch die Grundwasserpegel sinken.
Wir wissen auch aus anderen Betrieben, dass sich die Chemikalien in Staubecken sammeln. Bei einem Hochwasser kann dann dieser Schlamm mit einer höheren Konzentration an Chemikalien weitergetragen werden.
MOMENT.at: Das ist auch ein großer Kritikpunkt. Dass der Enns viel Wasser entnommen werden soll, um das Zentrum zu kühlen. Kann man angesichts der Klimakrise und der zunehmenden Trockenheit überhaupt davon ausgehen, dass es langfristig genügend Wasser gibt?
Müllner: Das ist schwer zu sagen. Das entsprechende Gutachten ist schon älter. Die Wasserstände und auch die Wassertemperatur haben sich seither stark verändert. Es sollte jedenfalls überprüft werden, ob das Gutachten noch dem Wissensstand entspricht.
MOMENT.at: Was fordern Sie konkret?
Müllner: Wir fordern eine öffentliche, unabhängige und nachvollziehbare Gesamtprüfung des Projekts. Es darf keine weitere politische Unterstützung geben, bis sämtliche Auswirkungen auf Umwelt, Wasserhaushalt, Stromversorgung, Gesundheit, Verkehr, Lärm, Netzsicherheit und Datensicherheit geprüft, transparent offengelegt und unter demokratischer Kontrolle bewertet wurden. Und wir fordern, dass bedingungslos alle Verträge, Vereinbarungen und Absprachen zwischen Politik und den beteiligten Tech-Konzernen offengelegt werden.
Außerdem muss es eine objektive Aufklärung von möglichen negativen Auswirkungen geben. Boden, Wasser, Klima und Energieversorgung müssen geschützt werden.
Gewinne sollen dort versteuert werden, wo die Ressourcen verbraucht werden, und es braucht faire soziale Standards und verantwortungsvolles Wirtschaften.
Und wir fordern den Stop der weiteren Ausbaustufe in Kronstorf.
MOMENT.at: Was erhoffen Sie sich, gerade von den Protesten?
Müllner: Wir sind keine Technikfeinde und den Bau wird man auch nicht verhindern können. Aber man kann ihn besser machen. Mit Rücksicht auf die Umwelt und unter Einbezug der Bürger:innen.
Darauf wollen wir aufmerksam machen und es bewegt sich schon etwas. Medien haben berichtet und wir kriegen weitere Anfragen. Auf Bundesebene haben sich inzwischen Politiker:innen der Grünen und SPÖ geäußert und Nachbesserungen gefordert.
Wir als Einzelne können nichts erreichen. Aber die Masse an Menschen kann dafür sorgen, dass sich etwas ändert.
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