Morgenmoment
/ 16. Februar 2022

Bei all dem, was in den Parteien der österreichischen Bundesregierung gerade passiert, kann auch eine Ministerin einmal den Überblick verlieren. Warum es um mehr als nur peinliche Versprecher geht, erfährst du im heutigen Morgenmoment - geschrieben von Lukas Bayer.

#1 Möchtest du das teilen?

"Wenn sich Schwarzsein und Lyrik verzahnt, ergibt das einen leidenschaftlichen Widerstand. Es bedeutet, dass unsere Geschichten als Schwarze Menschen fortwährend überleben", sagt Ishraga Mustafa Hamid. Mit Stift und Papier setzt sich die Autorin und Mitbegründerin der Schwarze Frauen Community insbesondere für Schwarze Frauen und Mädchen ein.

Im Interview erzählt Hamid, was Schwarze Geschichte und Schwarze Zukunft für sie bedeuten.

#2 In was für einer Welt leben wir eigentlich?

 

"Afrika ist nicht nur ein Land, aus dem Flüchtlinge kommen", sagte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck am Montag auf einer Pressekonferenz. Sie hob die Chancen der Digitalisierung hervor und kündigte einen Afrika-Gipfel mit "Partnerschaften auf Augenhöhe" an. Diese dürften "nicht nur einseitig sein, die Kolonialzeiten sind schon lange vorbei".

Aber sind sie das wirklich? Einen Kontinent als Land zu bezeichnen, mag ein Versprecher sein. Aber es steckt mehr dahinter. Schramböcks Aussage spiegelt ein Bild von Afrika wider, das noch in vielen Köpfen steckt.

Wir schauen immer noch mit einem kolonialistischen Blick auf 54 Länder*, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Aber wir sehen stattdessen einen Einheitsbrei aus Armut, Krieg, Hunger und Krise.

All diese Länder und die Bewohner:innen als gleichförmigen Kontinent zu denken, ist rassistisch. Diese Denkweise stammt aus Zeiten des Kolonialismus. Gleichzeitig geht die Ausbeutung einfach subtiler weiter: Klimakrise, niedrige Löhne und unmenschliche Arbeitsbedingungen sowie die Zurückhaltung kultureller Raubgüter sind nur einige Beispiele.

Ein Afrika-Gipfel mit "Partnerschaften auf Augenhöhe" wäre ein wichtiger Schritt - wenn es wirklich auf Augenhöhe geschieht. Versprecher wie dieser zeigen aber, wie sehr wir in der kolonialen Vergangenheit feststecken.

Mittlerweile hat sich Schramböck für ihre Aussage entschuldigt. Allerdings nur bei allen "Geografen".

*Zum Vergleich: Europa hat 47 Länder.

#3 Nats Analyse

Es ist schwer den Überblick zu bewahren in allem, was in den Parteien der österreichischen Bundesregierung gerade passiert. Denn Türkis-Grün liefert ab: ÖVP-Chats, Postenschacher, Sideletters. Natascha Strobl gibt dir eine Übersicht, worüber wir uns 2022 schon ärgern mussten.

#4 Gegengelesen

Das reichste Prozent in Österreich besitzt fast die Hälfte des gesamten Vermögens. Das sind 40.000 Menschen, die sich 600 Milliarden Euro aufteilen. Besteuert wird kein Cent davon.

Das geht aus einer aktuellen Erhebung der Österreichischen Nationalbank hervor, die zeigt: Vermögen ist ungleicher verteilt als angenommen. Die Arbeiterkammer forderte daraufhin eine neuerliche Vermögenssteuer, die Industriellenvereinigung konterte: Eine Vermögenssteuer sei ein "Angriff auf den Mittelstand".

Am Montag wurde die Presseaussendung der Industriellenvereinigung von vielen Medien, darunter im Kurier, aufgegriffen. Wir haben gegengelesen.
 

# 5 Zahl des Tages

Stell dir vor, es ist Demokratie und immer weniger können mitmachen.

Immer weniger Menschen leben in Demokratien, das zeigt der "Demokratieindex" der Wochenzeitung Economist. Im vergangenen Jahr lebten nur noch 45,7 Prozent in einem demokratischen Staat. Das sind um mehr als drei Prozent oder 240 Millionen Menschen weniger als im Jahr davor.

Demgegenüber lebt jede dritte Person in einer Diktatur. Das ist ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Hier ist vor allem China hervorzuheben. Das Land wird immer wohlhabender, gleichzeitig aber auch autoritärer.

In sogenannten "echten" Demokratien leben nur mehr sechs Prozent der Weltbevölkerung. Spitzenreiter im "Demokratieindex" bleibt Norwegen, gefolgt von Neuseeland, Schweden, Finnland, Island und Dänemark. Deutschland liegt auf dem 15. Platz und Österreich auf dem 20. Platz. Beide Länder zählen laut Index zu den "echten" beziehungsweise "vollständigen" Demokratien.

Sorgen muss man sich dagegen um Spanien und Großbritannien machen. Das Land auf der Iberischen Halbinsel hat so seine Not mit der Unabhängigkeit der Justiz. In Großbritannien wirken sich dagegen die Entgleisungen des Premiers Boris Johnson aus - Stichwort Partygate-Affäre.

Ich wünsche dir einen angenehmen Mittwoch

Lukas

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