Kalte Progression Österreich Erklärung Man sieht eine Geldtasche mit unterschiedlichen Euroscheinen.
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Redaktion
/ 3. Juni 2022

Kalte Progression“ ist ein sperriger Begriff.
Geld wird mit der Zeit weniger wert, das nennt man Inflation. Mit der Inflation steigen auch die Löhne. So steht mehr am Gehaltszettel, die Kaufkraft bleibt allerdings gleich. Als Kalte Progession versteht man, dass die Löhne gemeinsam mit der Inflation steigen, die Steuerklassen aber gleich bleiben, sodass man in eine höhere Steuerklasse rutscht, ohne sich mehr leisten zu können.

Die "Tarifstufen"

Dazu gibt es sogenannte „Tarifstufen“:

  • Die erste beginnt bei 11.000 Euro im Jahr.
  • Auf den Teil deines Einkommens, der darüber liegt, musst du 20 Prozent Steuern zahlen.
  • Die nächste Stufe ist dann bei 18.000 Euro.
  • Alles was darüber liegt, wird mit 30 Prozent besteuert.


Das Problem ist, dass nicht nur die Löhne, sondern auch die Kosten für das tägliche Leben durch die Inflation jährlich ansteigen.

Mehr verdienen und weniger leisten?

Folgendes kann jetzt passieren: du verdienst zwar mehr, zahlst dadurch auch mehr Steuern, kannst dir aber weniger leisten als zuvor. Wie das?

Stell dir vor, du hast ein steuerpflichtiges Einkommen von 15.000 Euro im Jahr. Auf die ersten 11.000 Euro zahlst du keine Steuern, auf die restlichen 4.000 Euro zahlst du 20 Prozent, das sind 800 Euro. Netto bleiben dir am Ende 14.200 Euro übrig.

Die Inflation beträgt 2 Prozent, also wird dein Lohn um diesen Betrag erhöht. Du sollst dir ja nach wie vor gleich viel von deinem Einkommen leisten können. Jetzt verdienst du also 15.300 Euro. Auf die ersten 11.000 fallen wieder keine Steuern an, auf die restlichen 4.300 Euro schon. Du zahlst jetzt insgesamt 860 Euro. Netto bleiben dir jetzt am Ende 14.440 Euro.

Das ist zwar mehr als im Jahr zuvor, gleichzeitig sind aber auch die Preise für das tägliche Leben gestiegen. Ein Paar Sportschuhe zum Beispiel kostet jetzt nicht mehr 100 Euro, sondern 102 Euro. Mit deinem alten Einkommen kannst du dir 142 Paar Sportschuhe kaufen. Jetzt verdienst du zwar um 240 Euro mehr, kannst dir aber nur mehr 141 Paar leisten.

Der Grund dafür ist, dass zwar dein Lohn angehoben wird, die Steuerstufen allerdings nicht. Ein größerer Teil deines Einkommens liegt damit über der Grenze von 11.000 Euro und muss versteuert werden. Würden nicht nur dein Lohn, sondern auch die Steuerstufen mit der Inflation angehoben, würde dieser Anteil gleichbleiben und du könntest dir auch nach wie vor 142 Paar Schuhe leisten.

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