Morgenmoment
/ 8. Februar 2022

Guten Morgen!

Junge Menschen haben es dieser Tage schwer. Erst steht die Polizei vor der Tür, und dann wird man auch noch von einer großen Tageszeitung aus der Hängematte geworfen. Gut, dass Semesterferien sind. Dein Morgenmoment - heute von Lukas Bayer.

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#1 Möchtest du das teilen?

Lena Schilling war erschüttert. Das prominente junge Gesicht der Protestbewegung gegen den Bau der Stadtstraße in Wien veröffentlichte auf Twitter schwerwiegende Vorwürfe gegen die Polizei. Diese bestritt erst, räumte gestern dann doch ein, dass Beamte in Zivil eine 16-Jährige aufsuchten - offenbar reichte dafür ein Foto, das sie mit Klima-Aktivistin Schilling zeigt. Was genau passiert ist, kannst du hier nachlesen.

#2 Zahl des Tages

Österreichische Unternehmen beginnen statistisch erst heute damit, Gewinnsteuern zu zahlen. Dadurch entgingen dem Staat alleine im vergangenen Jahr rund 1,2 Milliarden Euro. Wie bitte? Richtig gelesen. Heute ist Corporate Tax Refusal Day

Große, international tätige Konzerne verschieben ihre Gewinne in Steuersümpfe wie die Benelux-Staaten (Belgien, Niederlande, Luxemburg), Irland oder Schweiz. Dort zahlen sie viel niedrigere Unternehmenssteuern - obwohl sie ihren Umsatz in Österreich machen. Steuerverweigerung ist nicht illegal, sondern dank Steuertricks möglich.

Uns allen sind dadurch im vergangenen Jahr jede Menge Steuereinnahmen entgangen. Gerade angesichts der Corona-Pandemie wird die Frage nach fairen Beiträgen zur Krisenbewältigung aber immer lauter. Höhere Unternehmenssteuern wären naheliegend, doch solange solche Steuerschlupflöcher bestehen, wird sich daran wenig ändern.

Mehr dazu kannst du in der Analyse des Momentum Instituts nachlesen.

#3 Drei Argumente

Nur jedes dritte Unternehmen in der EU achtet bei seiner Lieferkette auf Umweltschutz und Menschenrechte. Andere gehen sprichwörtlich über Leichen und nehmen widrige Arbeitsbedingungen und gerodete Regenwälder in Kauf.

Ein Lieferkettengesetz könnte endlich dafür sorgen, dass Firmen dazu verpflichtet werden, Verantwortung zu übernehmen. Damit weder Menschen, Tieren oder der Umwelt Schaden zugefügt wird, bis ihr Produkt in Europa landet. In anderen Ländern gibt es das bereits: Frankreich hat seit 2017 ein Lieferkettengesetz. Die Niederlande haben zumindest ein Gesetz zur Sorgfaltspflicht bei Kinderarbeit, in Deutschland tritt ein „Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz“ 2023 in Kraft. Wir zeigen dir in drei Argumenten, warum Österreich nachziehen sollte.

#4 Gegengelesen

"Nicht mal die Hälfte der Wiener geht arbeiten" – so titelt die Kronen Zeitung einen aktuellen Bericht. Der Titel klingt nach einem Skandal und verkauft die wenig überraschenden Zahlen im Artikel selbst als sensationell.

Fast schon lustig ist die Anmerkung, dass viele Wiener:innen nicht von der Lohnarbeit leben, sondern von Eltern und Verwandten: Tja, Kinderarbeit ist eben auch in Wien verboten. Auch andere staatliche Leistungen kommen gleich im Teaser vor. Um wen es hierbei geht? Um die Menschen, die ihr Erwerbsleben bereits hinter sich haben: Pensionist:innen.
 
Der Artikel soll offenbar aufregen. Deswegen deutet der Text immer wieder an, dass es sich viel zu viele Wiener:innen in der „sozialen Hängematte“ gemütlich machen. Die Daten, die im Artikel zitiert werden, geben diese Interpretation aber schlicht nicht her, wie du hier nachlesen kannst.

#5 Black History Month

Der Februar ist Black History Month bei MOMENT. Wir bringen in Kooperation mit dem Black Voices Volksbegehren täglich Biografien, Fakten oder Artikel über das Leben von Schwarzen Menschen in Österreich. Heute: Esther Maria Kürmayr, Mitgründerin der "Schwarze Frauen Community".

Wie hält man es als Schwarze Person aus, immer wieder mit Rassismus konfrontiert zu werden? "Sich mit anderen vernetzen, denen es genauso geht", sagt Esther Maria Kürmayr in einem Interview.

Sie hat vor 19 Jahren mit weiteren Mitstreiterinnen die Schwarze Frauen Community (SFC) gegründet. Die Initiative war der erste überparteiliche, überkonfessionale und übernationale Verein für Schwarze Frauen in Wien. Heute ist die Schwarze Frauen Community ein Ort, an dem sich Schwarze Frauen, Kinder und Jugendliche austauschen können. Die Initiative macht es sich zum Ziel, Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung und Selbstorganisation zu fördern.

Dafür bietet die SFC Beratung, Vorträge, Workshops und noch viel mehr. Große Themen sind etwa Diskriminierung an Schulen und Uni, sowie Elternschaft. Jugendliche beschäftige vor allem ihr Platz in der Gesellschaft, die ihnen das Gefühl gibt, hier fremd zu sein, sagt Kürmayr.

Auch für Eltern, die selbst nicht Schwarz sind, gibt es Angebote. Diese würden oft nicht mit der Wucht an Gewalt rechnen, die ihren Kindern entgegen schlägt, berichtet Kürmayr. Umso wichtiger, dass die Familien damit nicht alleine bleiben.

Denn: "Rassismus ist ein Konstrukt, das konzipiert wurde, um den Einzelnen auszuhebeln. Dem allein zu begegnen, ist in der Regel eine Überforderung und nicht zu schaffen."
 
Ein ausführliches Interview mit Esther Maria Kürmayr findet ihr auf wienerin.at.

Ich wünsche dir einen guten Start in den Tag!

Lukas

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