Klimaanlagen bei Hitzewellen? Bringen nichts, sagt Barbara Blaha, in ihrer aktuellen Videokolumne.
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/ 18. Juni 2021

Es wird heißer. Die erste Hitzewelle des Jahres ist da. Bis zu 34 Grad. Und es wird nicht die letzte sein, der Sommer hat gerade erst begonnen.  Also ist jetzt genau die richtige Zeit um Klimaanlagen bei Hitzewelle zu kaufen, wie sie die Elektronik-Riesen anpreisen.

Klimaanlagen bei Hitzewelle verschärfen Krise

Keine gute Idee. Denn Klimaanlagen sind leider eiskalte Klima-Killer. Das hat vor allem mit ihrem grotesken Energieverbrauch zu tun. Bereits jetzt fressen Klimaanlagen ein Zehntel unseres gesamten Stromverbrauchs. Die Internationale Energie-Agentur schätzt, dass sich der Energieverbrauch für Klimaanlagen bis 2050 verdreifacht. Und solange die Stromproduktion nicht komplett CO2-frei ist, befeuern Klimaanlagen dadurch die Klimakrise. Ein Teufelskreis: Um unser Wohnzimmer zu kühlen, heizen wir den Planeten auf, um das müssen wir unser Wohnzimmer wieder … und so weiter, und so weiter.

Klimaanlagen sind Klimakiller

Zwar arbeiten neue Klimaanlagen nicht mehr mit Fluorkohlenwasserstoffen als Kühlmittel, die bis zu 23.000 mal so schädlich für das Klima wie CO2 sind. Aber der Energieverbrauch für Produktion und Betrieb der Geräte bleibt.

Zweites Problem: Klimaanlagen heizen nicht nur den Planeten über ihren enormen Stromverbrauch weiter auf - sie machen auch  das Mikroklima noch heißer. Denn eine Klimaanlage erzeugt Kälte (für drinnen) ja aus Wärme (die sie dann nach außen abgibt. Wenn zehntausende Klimaanlagen in den Städten heiße Luft nach draußen blasen, dann ist endgültig Sauna für alle, die auf die Straße müssen.

Klimaanlagen nur für Reiche?

Drittes Problem: Gute Klimaanlagen sind teuer. Entweder in der Anschaffung, in der Installation – oder im laufenden Betrieb. Gerade die “einfach” aufstellbaren Standgeräte sind in Wohnungen mit Gasthermen eine Gefahr, weil sie Kohlenmonoxid nach innen saugen können. Und sie fressen besonders viel Energie und sorgen für saftige Nachzahlungen beim Strom.

Letzten Endes heißt das also: cool bleiben muss man sich leisten können. Ärmere schauen durch die Finger - dabei wohnen sie auch jetzt schon in den Stadtbezirken mit weniger Grünflächen, bei Hitzeinseln und lauten Straßen. Und in schlechter gedämmten Gebäuden.

Klimaanlagen bei Hitzewelle keine Lösung

Also, unterm Strich bleibt: Klimaanlagen sind keine Lösung für die Klimakrise, sie machen es nur noch schlimmer.

Was es wirklich braucht:

  • Entschiedene Klimaschutzmaßnahmen: sofortiger Stopp für alle Kohle-Kraftwerke in Europa, aber auch endlich mutige Politik, die den Auto- und Flug-Verkehr reduziert.
  • Hitzeinseln in den Städten aufbrechen: Bäume in jeder Straße pflanzen, Beton wegreißen und aus Auto-Abstellflächen wieder Parks machen.
  • Und: strenge Regeln für Neubauten und Sanierungen. Zum Beispiel mehr Außen-Jalousien, die die Hitze aus den Häusern draußen halten. Mehr moderne Niedrigenergiehäuser, die im Winter weniger Heiz-Energie brauchen und im Sommer kühl bleiben. Und als letzter Ausweg bleibt die Fernkälte. Hier wird Kälte umweltfreundlich zentral erzeugt und über Leitungen verteilt. Aber dafür braucht es mehr Anschlüsse und Investitionen.

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