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Klimakrise

Klimaschutz ist Klassenkampf – und wir verlieren ihn

Diese Woche haben wir die Grenze erstmals durchbrochen. Die ganze Welt war erstmals seit Menschengedenken im Schnitt 2 Grad wärmer, als in vorindustriellen Zeiten. Daran haben wir Menschen wohl alle gleich viel Schuld? Moment mal, sagt Barbara Blaha.

Mah, jetzt kann man nicht einmal mehr in Ruhe Skifahren schauen! Es ist doch einfach nur nervig, wenn diese Klima-Aktivist:innen alles stören. Keine Freude lassen sie uns … Moment mal!

Ich kann es selbst schon nicht mehr hören. Aber: Wir wissen seit den 70er Jahren ganz genau, worauf die Welt zusteuert, wenn wir weiter Öl und Gas aus der Erde pumpen und anzünden.
 

Am Weg von der Klimakrise in die Klimakatastrophe

Wir sind von einer CO₂-neutralen Welt so weit entfernt wie die ÖVP von einer skandalfreien Kalenderwoche: theoretisch möglich, praktisch ausgeschlossen. Wer kleine Kinder hat, muss sich mit der Möglichkeit anfreunden, dass die einmal in einer um 3-4 Grad heißeren Welt leben werden. 

Teile der Erde sind dann unbewohnbar, Hungerkatastrophen und Wasserknappheit an der Tagesordnung, Millionen Menschen auf der Flucht. Die Erde als unser Lebensraum unwiderruflich zerstört. Diese Woche haben wir das 2 Grad-Limit bereits erstmals seit Menschengedenken durchbrochen … 

Und wir … wollen Klimaaktivist:innen eine in die Goschn hauen

Ernsthaft: Wie erklären wir das den Kindern? 
 

Wir können die Kurve kratzen

Dabei ist es doch recht klar: Wir müssen die Erhitzung der Erde auf unter 2 Grad begrenzen. Alles andere wäre eine Katastrophe. Wenn wir das schaffen wollen, und ja, möglich ist das noch, müssen wir die Abgase senken. Gas, Öl und Kohle müssen im Boden bleiben.

“Das Beste, was wir als Wintersportgemeinschaft jetzt tun können, um solche Störmanöver in Zukunft zu verhindern, ist, unseren Politikern kollektiv in den Hintern zu treten, damit sie endlich aktiv werden.”

Das sagt der österreichische Skirennläufer Julian Schütter.

Genau, und sinnvollerweise setzen die Politiker dann da an, wo am meisten zu holen ist. Logisch: Wo am meisten Abgase in den Himmel geblasen werden, gibt es am meisten einzusparen.
 

Klimagerechtigkeit: Nicht alle haben gleich viel Schuld

Denn: Wir produzieren nicht alle gleich viel CO₂. 

Wir Menschen sind nicht in gleichem Maße für steigende Temperaturen, zerstörerische Stürme, lange Dürreperioden und Waldbrände verantwortlich.

Während 80 Prozent der Österreicher:innen seit 1990 ihren CO-Ausstoß reduziert haben, hat das oberste Prozent im selben Zeitraum nochmal 25 Prozent zugelegt. Das gilt nicht nur in Österreich. Die Verschmutzer-Elite sitzt auch weltweit betrachtet ganz oben.

Das reichste Prozent der Welt lebt ein wunderbar entspanntes, klimatisiertes Leben: auf Kosten unseres Planeten. Sie verursachen so viel CO₂ wie 5 Milliarden Menschen zusammen.

Zwölf der reichsten Menschen der Welt blasen mit ihren Yachten, Privatjets, Villen und Finanzanlagen mehr CO₂ als zwei Millionen Haushalte jedes Jahr in die Luft verursachen. 

Jemand von uns würde 1.500 Jahre brauchen, um so viel CO₂ zu produzieren wie einer dieser Milliardäre in nur einem Jahr.
Die Gleichung lautet: exzessiver Reichtum = Exzessiver CO₂-Ausstoß. 
 

Der Lifestyle der Reichsten ist obszön

Der obszöne Lifestyle der 0,1 Prozent – von Superyachten, Privatjets und Villen bis hin zu Weltraumflügen und Weltuntergangsbunkern – ist schlimm genug. Schlimmer noch ist die Verschmutzung, die ihre Investitionen verursachen

Weil es zwar nicht nachhaltig, aber unglaublich profitabel ist, den Planeten zu ruinieren. Nur EINHUNDERT Konzerne – und ihre Eigentümer:innen – sind für 70 Prozent der globalen CO₂-Abgase verantwortlich. Laut der Studie lieben die Milliardäre Investitionen in stark verschmutzende Industrien sogar besonders. Sie stecken überdurchschnittlich viel von ihrem überdurchschnittlich vorhandenen Geld rein. 

Und sie üben eine enorme – und weiter wachsende! – politische Macht aus: Sie besitzen soziale Netzwerke und Medien, ihnen gehören PR-Agenturen, sie engagieren Lobbyist:innen und sind mit hochrangigen Politiker:innen auf Du und Du. Politker:innen, die oft genug selbst zu „Oberen Zehntausend“ zählen. 
 

Klimaschutz ist Klassenkampf

Was sie damit nicht verhindern können: dass uns trotzdem mulmig wird, wenn wir auf die Fakten schauen. In so gut wie allen Umfragen landet die Klimakrise im Spitzenfeld der drängendsten gesellschaftlichen Probleme. Und doch passiert politisch so wenig. Warum? Weil Klimaschutz Klassenkampf ist.
Wer das Klima retten will, wer unseren Planeten retten will, muss sich mit denen da oben anlegen. 

Klimaschutz ist Klassenkampf, aber unsere Klasse ist gerade dabei, ihn zu verlieren

Entweder wir sichern die Lebensbedingungen für alle künftigen Generationen oder wir lassen zu, dass einige wenige sehr reiche Menschen ihren zerstörerischen Lebensstil beibehalten. Nach unten haben wir eine Grenze definiert, unter die – zumindest in der Theorie – niemand fallen soll: die Armutsgrenze. Aber es gibt auch ein Limit nach oben, über das niemand steigen sollte.

Und dieses Limit gibt uns unser Planet vor. 

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