Die Familienbonus-Kürzung straft selbst vollzeitbeschäftigte Mütter mit niedrigem Einkommen
Künftig müssen beide Elternteile erwerbstätig sein und genug entlohnt werden, damit sie den vollen Familienbonus in Anspruch nehmen können. So muss bei einem Kind der:die Zweitverdiener:in so viel Einkommen beziehen, dass jährlich 500 Euro Einkommenssteuer anfallen. Bei zwei Kindern sind es 1.000 Euro Einkommenssteuer und bei drei Kindern 1.500 Euro. Ansonsten verlieren sie bis zu 500 Euro pro Kind und Jahr.
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Damit will die Regierung einen steuerlichen Anreiz setzen, damit mehr Zweitverdiener:innen (meist die Mütter) eine bezahlte Arbeit (am besten Vollzeit) aufnehmen. Dabei übersieht die Regierung einen entscheidenden Punkt: Die Kürzung des Familienbonus ändert nichts daran, dass es oft schlicht nicht beiden Elternteilen möglich ist, einer (gut) bezahlten Arbeit nachzugehen.
Kürzung Familienbonus: Im Schnitt 600 Euro pro Jahr weniger
Mehr als jede fünfte Familie ist von der Kürzung betroffen. Im Schnitt sind es rund 600 Euro des jährlichen Netto-Haushaltseinkommens, das die Familien verlieren. Die Kürzung trifft vor allem erwerbstätige Haushalte der ärmeren Mittelschicht mit mehreren Kindern.
Das Leistungs-Argument lautet, wer keiner bezahlten Erwerbstätigkeit nachgeht, soll keinen Familienbonus erhalten. Doch die Daten zeigen: Nur in einer von vier der betroffenen Familien geht die schlechterbezahlte Person gar keiner bezahlten Erwerbstätigkeit nach.
In den meisten Fällen arbeiten beide Elternteile
In drei von vier Haushalten gehen bereits beide Elternteile einer bezahlten Erwerbstätigkeit nach. Im Mittel arbeiten sie 28,5 Stunden pro Woche. Ein Viertel der betroffenen Zweitverdiener:innen arbeitet sogar bereits Vollzeit und hat durch die Kürzung trotzdem Einkommenseinbußen.
Rund 55.000 Familien zahlen künftig mehr Einkommenssteuer, obwohl bereits beide Elternteile Vollzeit arbeiten. Sie können also keine Stunden aufstocken. Und auch bei Müttern, die Teilzeit arbeiten, ist das oft nicht möglich. Die Rahmenbedingungen lassen es nicht zu.
Die wenigsten Mütter können Vollzeit arbeiten
Die Mutter von zwei Volksschulkindern, die an der Supermarktkasse arbeitet, kann nicht mehr als vier bis fünf Stunden am Tag arbeiten. Denn schon um 12 Uhr endet die Schule, es gibt keine Nachmittagsbetreuung und niemand sonst holt die Kinder ab.
Außerhalb Wiens ist nur jeder vierte Kinderbetreuungsplatz mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar. Nur eines von drei Kindern kann aktuell eine Ganztagesschule besuchen und der Ausbau schreitet nur langsam voran. Mehr Stunden aufstocken oder einen besser bezahlten Job bekommen, bleibt für die meisten Mütter fern von der Realität.
Kürzung Familienbeihilfe bringt Hürden statt Hilfen
Es ist wichtig, die bezahlte Erwerbstätigkeit von Frauen zu erhöhen, etwa um die (finanzielle) Abhängigkeit von Männern zu reduzieren. Wie dringend das ist, zeigt die hohe Altersarmut von Frauen: 2024 lag die durchschnittliche Pension von Frauen nur 13 Euro über der Armutsgefährdungsschwelle. Im Vergleich zu Männern bekommen Pensionistinnen im Schnitt etwa 40 Prozent weniger Pension.
Mit der Kürzung des Familienbonus ermöglicht die Regierung Frauen aber keine höhere Erwerbsbeteiligung. Denn sie löst die Probleme nicht, weswegen Frauen weniger und in schlechter bezahlten Jobs arbeiten. Für die meisten Beschäftigten ist die Arbeitszeit nicht frei wählbar. Vor allem nicht für Familien mit Kindern und schon gar nicht für Frauen, die noch immer zwei Drittel der Sorge- und Hausarbeit in Österreich leisten.
Was wirklich hilft, ist ein Ausbau der Kindergartenplätze und längere Öffnungszeiten der Kindergärten sowie der Ausbau von Ganztagesschulen. Zudem braucht es eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Die hilft, dass Männer mehr Sorgearbeit übernehmen, und ermöglicht es Frauen, ihre bezahlte Erwerbsarbeit auszudehnen.
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