Die Beinschab-Studie ergibt: Sebastian Kurz ist ein Delfin

Die Beinschab-Studie ergibt: Sebastian Kurz ist ein Delfin - aber auch weniger vorteilhaftes

/ 27. Januar 2022

Das Finanzministerium hat die in Korruptionsermittlungen gegen Sebastian Kurz & Co wichtigen Studien von Research Affairs nach monatelangem Hinhalten endlich veröffentlicht. Davor erschienen noch einmal Artikel mit unglücklichen Fehlern über die Beinschab-Studie. Die ÖVP dürfte darüber nicht ganz unglücklich sein, die betroffenen Medien aber schon.


Am Mittwoch hat das Finanzministerium endlich die Studien von Sabine Beinschab veröffentlicht. Wegen ihrer Stellung in der Causa um Altkanzler Sebastian Kurz und die angeblich von öffentlicher Hand bezahlten und zugunsten von Kurz gefälschten Umfragen und Inseratenkorruption, sind die Dokumente für die Öffentlichkeit bedeutsam. Für das Ministerium findet sich darin in weiten Teilen aber wenig Nutzen.

Wenige Tage vor der Veröffentlichung hatte "Die Presse" Details über diese Studie veröffentlicht. Seither weiß man, dass die Studie abfragte, wie Spitzenpolitiker (ja, es wurden im veröffentlichten Dokument nur Männer präsentiert, obwohl Eva Glawischnig damals Parteichefin der Grünen war) mit Tieren verglichen werden. Nicht klar ist, woher die Zeitung diese Informationen hatte und warum sie ihr gegeben wurden. Die nun veröffentlichte Studienpräsentation lag ihr jedenfalls nicht direkt vor. Sie kommt zu einigen Ergebnissen, die vom Bericht (der immer noch unkorrigiert online, aber nur hinter einer Bezahlschranke abrufbar ist) doch merkbar abweichen. Weil die Realität als weniger vorteilhaft für Sebastian Kurz und die ÖVP ausgelegt werden könnte, wundern sich in sozialen Medien nun auch viele über die Absicht der Presse.

MOMENT sprach deshalb mit der Autorin, die die Sache zerknirscht so erklärt. "Wir konnten mit jemandem sprechen, der die Studie kannte und der sich offenbar an das ein oder andere Detail nicht vollständig erinnert hat - und auch etwas verwechselt hat. Da sich das Finanzministerium offiziell weigerte, die Studie herzugeben, war für uns ein Recheck schwierig. Wir wollten die Informationen trotzdem veröffentlichen, weil wir sie in erster Linie amüsant fanden. Ich entschuldige mich aber für die Verwechslung und möchte klar stellen: Schelling war mehr ein Uhu als ein Adler. Kurz hat für die Befragten auch viel von einem Dachs und einem Pfau. Und die ÖVP darf keinen teuren Sportwagen haben, sondern muss sich mit einem VW-Käfer zufriedengeben."

Kurz in Beinschab-Studie: "gefährlich", "bissig, "hinterfotzig"

Ein Beispiel, wie unterschiedlich sich Bericht und Beinschab-Studie lesen: Sebastian Kurz wird in der Presse ein Delfin oder Eichhörnchen zugeschrieben. Der Bericht mutmaßt über die Gründe, Delfine würden als "intelligent, aber auch flink, glatt und wendig gelten", oder Eichhörnchen als "eifirige Tiere, die durch das Sammeln von Nüssen für die Zukunft vorbauen".

Die Presse über Sebastian Kurz in der Beinschab-Studie

Die Studie liest sich ein bisschen anders. Zwar wird Kurz mit diesen beiden Tieren verglichen. Die Studienteilnehmer:innen haben die Bilder aber anders begründet. Der Delfin wird dort als "schlau" aber auch "gefährlich" bezeichnet. Das Eichhörnchen "will hoch hinaus" und ist "süß". Darüber hinaus ist Kurz auch noch "schnippig und bissig wie ein Dachs". Und er wird neben dem Bild eines Pfaus so beschrieben: "hinterfotzig, will alles übernehmen und geht über Leichen".  All das war der Presse den eigenen Angaben zufolge nicht bekannt und nicht unabhängig überprüfbar.

Beinschab-Studien: Sebastian Kurz wurde als Pfau, Dachs, Delfin und Eichhörnchen bezeichnet

Der damalige Finanzminister und damit letztendlich politisch Verantwortliche für die Vergabe der Studie war Hans-Jörg Schelling. Er wird in der Presse als Bär und Adler dargestellt. "Nicht kuschelig", aber stark, gewissenhaft, wehrhaft. Das ist zwar nicht identisch mit der Studie, stimmt aber zumindest ungefähr. Der dort dargestellte edle Vogel war aber eher ein Uhu.
 

Presse zu Beinschab-Studie: Falsche Tiere, falsche Eigenschaften

Die Presse sagt außerdem, dass Christian Kern und Werner Faymann in der Studie abgefragt würden. Sie würden mit Affen und Hyänen verglichen. In der veröffentlichten Präsentation der Studie kommt Faymann an dieser Stelle gar nicht vor. Das ergibt durchaus Sinn, weil der zum Zeitpunkt der Fokusgruppen und Interviews der Studie bereits seit einem halben Jahr nicht mehr in der Politik war. Für seinen Nachfolger als Kanzler und SPÖ-Chef Christian Kern werden aber in der Studienpräsentation Pfau, Fuchs und Hirsch genannt - Hyänen und Affen sucht man vergebens.

Dafür kommt der damalige ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner zwar nicht in der Presse aber in der Präsentation vor. Und er wird von Studienteilnehmer:innen tatsächlich als Hyäne ("kann rabiat und gefährlich werden") und Affe ("versucht im Rudel einen Platz zu finden"), aber auch als Maulwurf ("versteckt sich immer") und "alter Hase" ("im Vergleich mit Kern nicht so aggressiv") bezeichnet.

 

Die Presse über Parteien als Autos in der Beinschab-Studie

Beinschab-Studie in der Presse: Glückliche Verwechslungen

In der Studie wurde auch abgefragt, welches Auto denn eine Partei wäre. Die Zeitung erzählt uns: "die ÖVP, wie könnte es anders sein, wurde mit teuren Sportwägen verglichen". Die Wahrheit sieht nicht ganz so aus. Die Studienteilnehmer:innen haben die ÖVP nämlich mit einem "alten VW Käfer" verglichen. Der sei "schön langsam", "in den letzten Jahren stehen geblieben" und "Volkswagen" stecke in ähnlich vielen Skandalen wie die "Volkspartei".

Aber, vielleicht hat der oder die Presse-Informant:in auch nur zu oft den Film "Herbie" gesehen. In dem flitzt immerhin auch ein VW Käfer sportlich durch die Gegend.

Beinschab-Studie: Die ÖVP wird mit einem VW-Käfer verglichen

Ähnlich falsch ist übrigens die Übersetzung der Neos. Die sind im Presse-Bericht ein "stylischer" und "sportlicher" Fiat 500. In der tatsächlichen Studienpräsentation aber zwar "auffällig" und ein "rosaroter Flitzer", aber ein "altes Pucherl" mit dem man "nicht weit kommt". 

Weder die ÖVP noch die Neos werden besonders unglücklich über das Missverständnis sein. Die vorab veröffentlichten Vergleiche scheinen  deutlich günstiger, als die tatsächlichen Bewertungen. Die Neos haben sich bemerkenswerterweise in einem späteren Wahlkampf sogar mit einem rosaroten Fiat 500 ins Zeug geworfen.

Die Grünen sind in beiden Fällen ein Tesla (Studie: "weil sie sich für die Umwelt einsetzen" und man mit Elektroautos nicht weit komme). In der weltbewegend wichtigen Studie des Finanzministeriums sind sie im Gegensatz zur Presse aber auch noch ein VW-Bus für "Leute mit Rasterlocken und Joint").

Die SPÖ wird im Presse-Bericht als "alter VW-Bus" identifiziert, das ist auch in der Beinschab-Studie zu finden. In der Studie wird sie allerdings auch noch als Ford oder Opel - ein "Auto ohne Profil" - dargestellt. Das fehlt in der Presse nicht nur, es wird fälschlicherweise der FPÖ zugeschrieben. Die wird in der Studie aber eigentlich als "dynamischer Mini ", "billiger Skoda", "getunter GTI" oder einfach "inhaltslos" als "billiges Auto" bezeichnet. Hier dürfte man über die Vorab-Berichte ein wenig unglücklicher sein.

Beinschab-Studien: Kein ersichtlicher Nutzen für das Finanzministerium

Die Beinschab-Studien von ihrem Institut "Research Affairs" werden öffentlich und aus dem Feedback aus sozialen Medien zu schließen ziemlich einhellig als lächerlich empfunden. Sie sind aber mehr als nur ein Spaß. Sie wurden mit Steuergeld bezahlt und vom Finanzministerium lange nach dem Auffliegen der Korruptionsermittlungen zurückgehalten. Das macht natürlich auch Berichte darüber für Journalist:innen schwierig.

Solche Umfragen mögen außerdem lachhaft erscheinen, werden aber zumindest für Werbung und Wahlkampagnen durchaus durchgeführt. Sie helfen dabei, Kandidat:innen und Parteien emotional zu inszenieren. Eine Methoden-Kritikerin findet aber, dass die Beinschab-Studien "keinen wissenschaftlichten Grundlagen" entsprechen, und sogar die "lockeren Standards" unterschreitet, die der Markt- und Meinungsforschung "manchmal nachgesagt" würden. Darüber hinaus stimmen nicht einmal simple Additions-Rechnungen in den vorliegenden Dokumenten. 

Und was noch wichtiger ist: 2016 gab es nicht nur keinen Wahlkampf, sondern der Auftrag kam auch von keiner Partei, der er nützen könnte. Er kam vom Finanzministerium. Dass das bei einer Studie über Wirtschafts- und Budgetpolitik etwas über Automarken- und Tiervergleiche von Parteien wissen will - und dafür 156.000 Euro ausgibt - ergibt tatsächlich überhaupt keinen nachvollziehbaren Sinn.

Bedenkenswert ist aber darüber hinaus auch, wie verzerrt ein paar textarme Seiten einer lächerlichen Powerpoint-Präsentation in praktisch allen Medien landen können. Und wer dabei besser aussieht als verdient. Die Fehler kamen ursprünglich aus der Presse, aber natürlich schrieben sie von dort auch praktisch alle anderen Medien in Österreich ab, ohne sie weiter geprüft zu haben. Das ist ein Problem für sich.

Aber jetzt wo die Dokumente öffentlich sind, werden es hoffentlich die letzten bedauerlichen Missverständnisse darüber in österreichischen Medien geblieben sein.

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