Symbolbild Schule und Corona: Lehrer brauchen viel Unterstützung bei administrativen Tätigkeiten. Langzeitarbeitslose sollen helfen. Viele geförderte Jobs werden aber nicht genutzt.

Lehrerinnen und Lehrer brauchen gerade für die Schule in Corona-Zeiten viel Unterstützung bei administrativen Tätigkeiten. Langzeitarbeitslose sollen helfen. Viele geförderte Jobs werden von den Schulen aber nicht genutzt.

Foto: Max Fischer/Pexels

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/ 19. April 2021

Österreichs Lehrkräfte und Schulen brauchen jetzt Unterstützung. Arbeitssuchende einen Job - besonders Langzeitarbeitslose. Ein Beschäftigungsprojekt von AMS-, Bund, Ländern und Gemeinden verbindet diese beiden Bereiche. Trotz der großen Nachfrage sind im laufenden Schuljahr bei weitem nicht alle Stellen besetzt worden.

Österreichs LehrerInnen stehen nicht nur in den Klassen und unterrichten. Sie müssen Kinder zählen, Bestätigungen und Abmeldungen drucken und eine Reihe weiterer administrativen Aufgaben erledigen. Dabei bekommen sie im Schnitt sehr wenig Unterstützung: Auf 15 Lehrkräfte kommt in Österreich eine administrative Kraft. Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es wenig Verwaltungspersonal in den Pflichtschulen. Im EU-Schnitt gibt unterstützt eine Person sieben Lehrkräfte. 

Die Pandemie macht Verwaltungsarbeit nicht einfacher: Home-Schooling und Distance Learning sind mit großem Aufwand verbunden - für SchülerInnen, aber auch für Lehrpersonen und Direktion. Und: SchuldirektorInnen und LehrerInnengewerkschaft fordern seit Jahren mehr Personal für die Sekretariate.

“Administrative Assistenz in Pflichtschulen”: Unterstützung für Schulen, Jobs für Arbeitssuchende 

Im Juli vergangenen Jahres kam dann die Ankündigung von Bildungsminister Heinz Faßmann gemeinsam mit der damaligen Arbeitsministerin Christine Aschbacher: Es werde Unterstützung für die Schulen - und Jobs für Langzeitarbeitslose und WiedereinsteigerInnen geben. Sie sollen als administratives Personal an die Pflichtschulen geschult werden. 

Die Idee ist einfach: Direktionen und teilweise auch LehrerInnen bekommen gerade in den jetzt organisatorisch schwierigen Zeiten Unterstützung. Und Menschen eine Anstellung, die schon lange und mühsam eine suchen. Die Initiative für Langzeitarbeitslose und WiedereinsteigerInnen bringt also allen was. Der angekündigte Plan im Juli 2020: 500 Stellen sollten im Herbst besetzt werden und 500 weitere im kommenden Schuljahr. Das Projekt läuft bis 2022. 

Nachgefragt: Erst 300 von 500 arbeiten in den Schulen 

Über neun Monate nach der Ankündigung ein Faktencheck: Bis jetzt wurden laut Bildungsministerium erst rund 300 Personen von den versprochenen 500 in den Schulen beschäftigt. Das Schuljahr ist aber schon bald zu Ende. Und die Situation am Arbeitsmarkt ist weiterhin schlecht. 88.000 Menschen sind Corona-bedingt arbeitslos, die Zahl liegt damit höher als vor der zweiten Welle im Herbst. Ende März gab es in Österreich über 190.000 Langzeitarbeitslose. 

Warum wird das Programm also so langsam umgesetzt, obwohl die Nachfrage laut den Ländern in den Schulen und dem AMS bei den Jobs groß ist? Laut einer Sprecherin des Bildungsministeriums konnten wegen der Pandemie und den Schulschließungen kaum Vorstellungsgespräche stattfinden. Für die Umsetzung sind aber letztendlich die Länder zuständig. Die Volksschulen, Sonderschulen, Mittelschulen und Polytechnische Schulen werden von den Bundesländern und Gemeinden betrieben. Bei einer Nachfrage zeigen sich große Unterschiede. 

In Wien, Niederösterreich und Kärnten läuft das Programm schon seit Herbst. In Wien haben heute insgesamt bereits mehr als 100 Menschen ihren Job an den Pflichtschulen angefangen, in Niederösterreich sind es 130 und in Kärnten knapp 80. In Kärnten hat jede Schule einen Anspruch auf eine neue Assistenzkraft. Je nach Größe bekommen können sie eine Person einstellen oder teilen sie sich für ein paar Stunden mit anderen Schulen. Auch Schulen in den anderen Bundesländern teilen ihre Stellen auf. Die meisten Stellen werden auf zwei Personen aufgeteilt, die dann jeweils 20 Stunden arbeiten. 

Langsam läuft es in ganz Österreich an. In der Steiermark arbeiten seit März 17 Personen durch das Programm in den Schulen. Auch hier kommen laufend weitere Gemeinden mit ihren Schulen dazu, 90 Vollzeitstellen sind vorgesehen. Nur im Burgenland und Oberösterreich ist noch niemand durch das Programm beschäftigt. Aber auch hier sollen laut dem AMS das Programm bald anlaufen, spätestens zum nächsten Schuljahr im Herbst 2021. 

Salzburg geht eigenen Weg

Anders die Situation in Salzburg: Hier gibt es schon seit rund 6 Jahren ein ähnliches Projekt. 70 Prozent der DirektorInnen haben bürokratische Unterstützung, insgesamt 60 Personen arbeiten als Assistenzkräfte. Eine eigener Verein übernimmt die Vermittlung. Im Fokus steht die Vermittlung von arbeitssuchenden Frauen, die wieder ins Berufsleben einsteigen wollen. Laut dem AMS Salzburg sind diese Jobs besonders beliebt, weil sie regional, zeitlich flexibel und gut mit Kinderbetreuung vereinbar sind. Auch von den Arbeitssuchenden in den anderen Bundesländern wird das Programm gut angenommen.

Petra Draxl vom AMS Wien weist auf die positiven Auswirkungen für die Arbeitssuchenden und den Arbeitsmarkt hin: “Inzwischen haben mehr als 100 administrative Unterstützungskräfte ihre Arbeit aufgenommen, von der Wiedereinsteigerin bis zum Langzeitarbeitslosen, von der 24-Jährigen bis zum 60-Jährigen.” Sie würden mit offenen Armen empfangen werden, weil in den Schulen ihre Mitarbeit schon dringend erwartet werde. Und: “Mit den Erfahrungen, die sie hier machen, können sie ihre späteren Arbeitsmarktchancen sehr verbessern.“ 

Auch in Tirol ist die Nachfrage sehr groß, es gäbe “zahlreiche qualifizierte BewerberInnen und die Vermittlung laufe sehr gut”. Hier wird das Programm erst seit Februar umgesetzt, zwei Personen haben ihre Arbeit aufgenommen. Warum es so lange gedauert hat? Wie in Vorarlberg und der Steiermark mussten erst die Schulen gefragt werden, wie viele Stellen gebraucht werden. Laut der Bildungsdirektion Tirol sind das rund 33 Vollzeitstellen, sie sollen bis Herbst besetzt werden. Kleinere Schulen müssen sich Stellen teilen und können oder wollen sich das nicht immer leisten:  “Denn auch wenn AMS und Land Tirol gemeinsam die Personalkosten übernehmen, müssen die Schulerhalter für die nötige Infrastruktur sorgen, insbesondere die Arbeitsplatzausstattung.”

Zwei Drittel der Kosten übernimmt bei dieser Förderaktion das Arbeitsmarktservice und der Bund, ein Drittel übernehmen die Schulerhalter der Pflichtschulen, also Länder und Gemeinden. Insgesamt wurden 54,6 Millionen Euro Unterstützung angekündigt. Vollzeit gibt es für die Unterstützungskräfte 2.000 Euro brutto. Zwei Drittel pro Stelle wären also gedeckt, ein Drittel der Kosten müssen die Länder oder Gemeinden übernehmen.

Mehr Raum für pädagogische Arbeiten 

Und die Stellen zahlen sich aus. Nicht nur für die Arbeitssuchenden. “Durch die dringend benötigte Entlastung im administrativen Bereich gibt es wieder mehr Raum für die pädagogischen Aufgaben.” heißt es aus Niederösterreich von der zuständigen Landesrätin. „Dieses Projekt ist eine Win-Win Situation für alle“. 

Langzeitarbeitslosigkeit ist heute ein großes Problem am Arbeitsmarkt, sieben von zehn Langzeitarbeitslosen gelten als armutsgefährdet, die psychische und finanzielle Belastung ist enorm. Gleichzeitig brauchen die Schulen dringend Unterstützung. SchulleiterInnen und auch LehrerInnen verwenden viel Zeit mit Verwaltung. Zeit, die ihnen dann für ihre pädagogische Arbeit fehlt. Einige Bundesländer zeigen mit vor, wie schnell und sinnvoll öffentliche Stellen für Langzeitarbeitslose und WiedereinsteigerInnen geschaffen werden können. Wenn es ein Angebot, ein Programm und das Interesse der Länder daran gibt, es auch wirklich zeitgerecht umzusetzen. 

Jetzt bleibt nur noch die Frage: Wann wird die 1000. Unterstützungskraft an einer österreichischen Schule begrüßt?
 

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