Barbara Blaha spricht in ihrem neuen Video Moment Mal über die Situation der Lehrlinge in der Coronakrise

Moment Mal mit Barbara Blaha

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/ 22. Januar 2021

Die Krise trifft uns alle hart. Außer man ist Glücksspiel-Milliardär, dann greift der Staat einem ordentlich unter die einarmigen Banditen. Aber für alle, die nicht Novomatic heißen, heißt die Krise: Schulen zu, Kurzarbeit, im schlimmsten Fall Job weg. Und im allerschlimmsten Fall ist dieser Job die Lehrstelle. Aber über Lehrlinge hört man kaum was. Das ganze Land diskutiert, wie eine Matura in Krisenzeiten stattfinden kann, ob sie überhaupt stattfinden soll, da macht sich sicher auch jemand ernsthaft Gedanken, was jetzt mit den Lehrabschlussprüfungen ist … Moment mal!

Seit fast einem Jahr ist das Land knietief in der Krise - das ist sogar für Bildungsminister Faßmann genug Zeit, eine Maßnahme auf die Beine zu stellen. Wöchentliche Schnelltests für alle Schülerinnen und Schüler! Wobei (hier Speed-Sounds/Bildeffekte): Nicht SOOO schnell bitte. Natürlich nicht für alle Schülerinnen und Schüler. Wer als Lehrling eine Berufsschule besucht, für die oder den heißt es: Bitte warten. Die Tests starten später als an allen anderen Schulstandorten, weil … ja, warum? Lehrlinge wurscht sind?

Home Schooling in der Berufsschule schwierig

Home-Schooling ist auch für Berufsschülerinnen und -schüler schwierig: Viele können vom eigenen Arbeitsplatz zu Hause meist nur träumen: Kleinere Geschwister, mit denen man sich den Laptop vielleicht sogar teilen muss, wenig Platz, langsames Internet… und die technische Ausstattung der meisten Berufsschulen lässt ebenfalls zu wünschen übrig. 

Der praktische Teil in der Berufsschule fällt also weg und für die Berufschülerinnen und -schüler ist das dann eben doppelt deppert, weil: Viel passiert in der Berufsschule, aber noch viel mehr werden Lehrlinge direkt im Betrieb ausgebildet. Hat der Betrieb im Lockdown zu, bleibt also so gut wie gar nix mehr von der Ausbildung übrig. Keine Praxis in der Schule, kein Kontakt zum Lehrlingsausbildner. Es bleibt: nichts.

Lehrlinge verlieren ein komplettes Jahr

Ein komplettes Jahr ihrer Ausbildung verlieren viele Lehrlinge so und dabei trifft junge Menschen die Krise sowieso härter als andere. 75.000 junge Menschen suchen gerade einen Job, das ist um ein Viertel mehr als 2019. Im Seuchenjahr 2020 haben auch viel weniger Jugendliche eine Lehre gestartet –  minus 8,2 Prozent Lehr-AnfängerInnen im Vergleich zu 2019. 

Wer früh seinen Job verliert – oder vom Start weg nie einen findet –, spürt das sein Leben lang im Geldbörsel. Studien zeigen: Wer in wirtschaftlich schwierigen Zeiten arbeitslos wird, verdient im Schnitt für viele Jahre weniger und hat ein viel höheres Risiko, wieder den Job zu verlieren. Aber auch, wer noch einen Arbeitsplatz hat, macht sich große Sorgen, zu Recht. 

  • Wie geht es weiter mit den Lehrlingen in den Branchen, die noch im Lockdown sind – und das auch noch länger bleiben werden? 

  • Was passiert mit jenen, die ihre Lehre derzeit abschließen? Wer in einem kleinen Betrieb eine Lehre macht, muss zittern, ob es der Laden durch die Krise schafft: Wer fängt mich auf, wenn mein Betriebe in die Insolvenz geht? Kann ich meine Lehre überhaupt fertig machen?!

Was Lehrlinge wirklich brauchen:

Lehrlinge dürfen nicht länger SchülerInnen 2. Klasse sein. Ihre Gesundheit ist genauso viel wert und genauso schützenswert wie die aller anderen SchülerInnen. Sie haben genau das selbe Recht auf Corona-Schnelltests. Flächendeckend. Um die Folgen des Lockdown abzufedern, braucht es Vorbereitungs- und Nachhilfekurse für die Lehrabschlussprüfungen. 

Wer durch den Lockdown seine Lehre nicht fortsetzen kann, braucht Hilfe: Zum Beispiel durch einen überbetrieblichen Ausbildungsverbund, der die Ausbildung weiterführen kann, auch wenn der eigene Laden im Lockdown ist. Lehrlinge brauchen Sicherheit: Wenn ein Betrieb insolvent wird, muss der Lehrling wissen, wer ihn übernehmen kann – und für alle, die jetzt im Frühjahr auf Lehrstellensuche gehen, braucht es eine Joboffensive.

Links und Quellen:

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